Hamed al-Khabaz hatte vernünftig gehandelt: Beim Programmieren einer App für sein College hatte der 20-Jährige eine schwerwiegende Sicherheitslücke in deren Portalsoftware entdeckt und gemeldet. Die Lücke hätte es Unbefugten ermöglicht, auf die Daten von 250.000 Personen aus dem Hochschulumfeld zuzugreifen. Die Verschlüsselung der Daten sei schlampig gewesen, sagte der Student der Zeitung "National Post". Der Leiter des College-Rechenzentrums, dem al-Khabaz seine Erkenntnisse mitteilte, bedankte sich für den Hinweis. Er versprach, das Problem umgehend dem Software-Hersteller Skytech zu melden, damit der es beseitige.
Der Student hätte also ein Held sein können, ein Kämpfer für den Datenschutz. Stattdessen wurde er Mitte November vom Dawson College verwiesen. Was war schief gelaufen?
Der "National Post" zufolge packte den Studenten, zwei Tage, nachdem er die Sicherheitslücke gemeldet hatte, die Neugier. Er wollte wissen, ob das Leck geschlossen worden war. Mit einer Spezialsoftware suchte al-Khabaz die Webseite der Bildungseinrichtung nach Schwachstellen ab. Er habe nicht das Gefühl gehabt, etwas Verbotenes zu tun, erklärte er der Zeitung.
Doch schon wenigen Minuten später klingelte sein Telefon. Der Geschäftsführer der Software-Firma Skytech rief an, beschuldigte al-Khabaz einer Cyberattacke auf die Server seiner Firma. Man habe sein Eindringen nun zum zweiten Mal registriert. Ausschlaggebend für die Wut des Mannes war offenbar die von al-Khabaz verwendete Software. Mit dem Werkzeug können Server unter Umständen zum Absturz gebracht werden. Sie dürfe nur mit Einverständnis des Betreibers genutzt werden, erklärte der Manager später.
14 von 15 Lehrkräften stimmten für Rausschmiss
Der Student jedenfalls war nach dem Gespräch so eingeschüchtert, dass er umgehend eine Vertraulichkeitserklärung unterschrieb. Er dürfe niemandem verraten, was er auf dem Firmenserver gesehen hatte, mit niemandem darüber reden, soll es darin heißen.
Das größere Übel stand al-Khabaz aber erst noch bevor: Als die Verantwortlichen seines Studiengangs von dem Vorgang erfuhren, reagierten sie barsch. Nach einem Gespräch mit al-Khabaz stimmten 14 von 15 Informatik-Lehrkräften dafür, ihn des Colleges zu verwiesen. "Ich habe ein ernsthaftes Problem gefunden und versucht dabei zu helfen, es zu lösen", zitiert die Zeitung al-Khabaz. "Dafür wurde ich rausgeschmissen."
Gegen die Entscheidung regt sich nun öffentlicher Protest. Eine Studentenvereinigung von al-Khabaz' Hochschule beispielsweise setzt sich per Online-Petition für die Wiederaufnahme des Studenten ein. Sogar der Skytech-Geschäftsführer wundert sich über die Reaktion der Lehrkräfte und hat dem Studenten mittlerweile ein Stipendium für eine private Uni angeboten.
Das Kollegium des Dawson College allerdings lässt sich von der öffentlichen Diskussion nicht beeindrucken. Gegenüber "CBC News" erklärte College-Sprecherin Donna Varrica, man stehe zu der ursprünglichen Entscheidung, al-Khabaz der Hochschule zu verweisen.
Am Dienstagnachmittag waren weder die Website des Dawson College noch die des fraglichen Softwareanbieters erreichbar.
mbö/mak
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