Solo-Parodie Medienkünstler verhöhnt Gitarren-Giganten - und fliegt bei YouTube raus

Die Stars toben, die Web-Community jubelt: In seinen Netzfilmchen verspottet Santeri Ojala legendäre Musiker wie Eddie Van Halen. Die Veralberten protestierten, und Youtube schmiss den Finnen wegen Copyright-Vergehen raus. Doch er macht weiter.

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Eric Clapton hebt zum Solo an, lässt die Gitarre jaulen - und je schlimmer es klingt, je weniger Töne er trifft, umso verzückter schaut Clapton in die Menge, dann an die Decke, den Kopf in den Nacken gelegt, die Augen halb geschlossen. Ekstase zu Schrammelsound. Die Mimik und die Posen kennt man aus unzähligen Solo-Mitschnitten. Nur stimmt bei diesem Clip etwas nicht: Die Misstöne passen zu Claptons Bewegungen, aber nicht zu ihm - so grandios würde Clapton doch nie versagen.

Die Tonspur hat der finnische Medienkünstler und Freizeitgitarrist (spielt seit 15 Jahren) Santeri Ojala über den Clapton-Clip gelegt. Ojala, der 33-jährige Parodist aus Tampere, hat in den vergangenen Monaten 16 solcher Clips produziert. Einige seiner Opfer: Steve Vai (Ex-Gitarrist in Frank Zappas Ensemble), Eddie Van Halen, Metallica, Iron Maiden, Slash. Die Komik funktioniert in jedem der Spott-Clips nach diesem einfachen Prinzip: Musiker post wie ein Gott, Musik klingt wie Kindergarten.

Niemand spielt schlechte Musik besser als Ojala

Das ist Santeri Ojalas großes Talent: Er spielt schlechte Musik richtig gut, jault schiefe Töne so punktgenau und synchron zu den Gesten der Parodierten, dass viele Zuschauer die Patzer sogar für echt halten. Ein Zuschauer kommentiert den Clapton-Clip bei MySpace: "Clapton ist in experimenteller Musik so gut wie Bush beim erfolgreichen Unterjochen von Nationen. Fürchterlich. Richtig schlecht. Ich hätte gern Freejazz von Clapton gehört - aber das! Urgh!" Sogar im US-Musiker-Webforum Gearslutz haben sich anfangs einige Mitglieder über die "unglaublich miesen" Auftritte ihrer Idole amüsiert.

Monatelang haben Ojalas Satire-Clips bei YouTube Zuschauer gelockt. Etwa sieben Millionen Mal riefen die Nutzer von Googles Videoportal Ojalas Clips ab. Dann wurde es einem der 16 parodierten Musiker zu viel: Vor zwei Wochen bekam Ojala Post von YouTube: "Malmsteen Management" habe bei YouTube geltend gemacht, dass Ojalas Clip "Yngwie Malmsteen shreds with The New Japan Philharmonic" Urheberrechte der Firma verletzte. Ojala zu SPIEGEL ONLINE: "Als ich mich dann bei YouTube einloggen wollte, war schon alles gelöscht."

YouTube: Ojala soll sich einen Anwalt nehmen

Eine weitergehende Erklärung bekam Ojala nicht von YouTube. Eine Sprecherin des Videoportals erklärte auf Nachfrage des US-Magazins "Wired" zu dem Fall, es sei Unternehmenspolitik, von Copyright-Beschwerden betroffene Accounts zu sperren. Um den Zugang wieder zu aktivieren, müsse Ojala wohl mit einem Anwalt gegen die Vorwürfe vorgehen. Diese brüske Abfuhr muss man vor dem Hintergrund sehen, dass YouTube seit Monaten bemüht ist, sich der Musik- und Filmindustrie als verlässlicher Partner anzudienen.

Das muss YouTube auch, schließlich ist noch immer eine Klage des US-Medienkonzerns Viacom anhängig. Der fordert mehr als eine Milliarde Dollar Schadensersatz, weil gut 160.000 Videoclips von Viacom-Fernsehshows ohne Erlaubnis auf YouTube zu sehen waren. Seit Oktober testet YouTube eine Filtertechnik, die solchen Stoff für immer von der Plattform verbannen soll (siehe Kasten unten).

Urheberrechtlich sind Ojalas Satire-Clips heikel. Ob sie unter das Zitatrecht fallen, wie der Finne glaubt, müsste ein Gericht abwägen. Die minutenlangen Übernahmen von Videos anderer Urheber dürften aber nur schwer durchgehen. Der Finne, der sein Geld mit Videoinstallationen (zum Beispiel in den Unterführungen Tamperes) verdient, will sich auf einen solchen Rechtsstreit nicht einlassen. Sein Fazit: "YouTube ist kein verlässlicher Kanal, um zu veröffentlichen. Alles kann in Sekunden verschwunden sein."

"Habt ihr Internet in Finnland?"

Derzeit veröffentlicht Ojala seine Satire-Clips bei MySpace - knapp 40.000 Mal haben Zuschauer sie dort schon abgerufen. Die sieben Millionen YouTube-Klicks haben den Finnen im Januar nach Hollywood gebracht: Bei der US-Late-Night-Show "Jimmy Kimmel Live!" durfte er Slash parodieren, während der Gitarrist brav im Sessel saß und zuhörte. Vorher hatte er dem Finnen in dem zu engen, himmelblauen Jackett brav die Hand geschüttelt, während Moderator Jimmy Kimmel die üblichen Finnen-Witze riss ("Habt ihr Internet in Finnland?").

Später, erzählt Ojala, habe Slash ihm zu den Parodien gratuliert. Andere bekennende Ojala-Fans:

  • Garbage-Gitarrist Duke Erikson zur Londoner "Times": "Das ist beeindruckend. Wer so gut ist - und das ist er eindeutig -, kann nur mit großer Mühe so schlecht spielen."
  • Gitarrist Steve Vai zu "Wired": "Wenn ich so schlecht spielen würde, könnte ich es vielleicht endlich zu MTV und in den 'Rolling Stone' schaffen und eine richtige Karriere haben."

Ojala hat auf YouTube ein kleines Web-Phänomen begründet. Es gibt derzeit Clips von Nachahmern, in denen der Panter-Sänger wie ein Löwe röhrt, Pat Metheny heult und ein trauriger Kermit mit einer Nadel im Arm "Hurt" von den Nine Nich Nail in Johnny Cashs Version covert.

Wie lange diese Filmchen noch bei YouTube zu sehen sein werden?

Ojala ist da skeptisch: "Vielleicht ist Youtube nicht der richtige Ort für so etwas. Wenn ich ein Video eingestellt hätte, in dem ich vom Skateboard falle oder einen Furz anzünde, wäre das sicher noch online."



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
Nachtschwester Ingeborg 19.02.2008
1. Immer diese Rätsel im Spiegel
Nicht jedem ist es gegeben, sein Schicksal mit Humor zu tragen. Humor ist, wenn gut, an sich schon verdächtig. So und nun zur entscheidenden Frage: Wer zum Geier ist Yngwie Malmsteen?
C. Esser 19.02.2008
2. Youtube zensiert
Es geht hier wohl eher vordergründig um Copyright-Verletzungen. In den letzten Monaten kommt es immer häufiger vor, daß Youtube Videos zensiert. Vor gut einem Jahr fing eine sich "Rational Response Squad" nennende Gruppe von Atheisten an, sich mit selbstgemachten Videos gegen Religion zu wenden. Die Sache wurde sehr schnell bekannt, und zu jener Zeit erscheinende Publikationen von Richard Dawkins und Christopher Hitchens taten ihr übriges, das Thema auf Youtube richtig groß zu machen. Viele Atheisten schlossen sich der Bewegung mit eigenen Videos an. Die Folge war u.a., daß sich Atheisten, Moselms und Christen regelrechte Videoschlachten mit Antworten und Gegenantworten lieferten. Einige der Atheisten brachten es mit ihren sehr gut gemachten und fundierten Beiträgen in die "Most Viewed" und "Most Favorited"-Kategorien von Youtube. Doch einige von ihnen verschwanden plötzlich und unerwartet von der Bildfläche, ihre Accounts waren von Youtube ohne Vorankündigung und Begründung gelöscht worden, die ihrer - meist christilichen - Widersacher jedoch nicht. Insofern etabliert sich Youtube als willfähriger Zensor der immer reaktionärer werdenden christlichen USA. So sieht wohl das Web 2.0 in absehbarer Zeit überall aus. Das Internet, lange Zeit Bastion gegen die Bevormundung der "realen" Welt scheint sich somit gerade im Land des "freedom of speech" zum Zensor zu entwickeln, dessen Konsequenzen auf die nicht-virtuelle Welt absehbar sind.
Rochus 19.02.2008
3. youtube.is-evil.com
Zitat von sysopDie Stars toben, die Web-Community jubelt: In seinen Netzfilmchen verspottet Santeri Ojala legendäre Musiker wie Eddie Van Halen.*Die Veralberten protestierten, und Youtube schmiss den Finnen wegen Copyright-Vergehen raus. Doch er macht weiter. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,535974,00.html
k.T. Rochus
Nowhereman 19.02.2008
4. Kennzeichnung von Satire
Die Frage ist, wer eigentlich protestiert. Die Künstler selbst schienen dem ja doch ein wenig Humor abgewinnen zu können. Santeri sollte seine Beiträge vielleicht entsprechend kennzeichnen, so dass Beiträge wie "My sister thought it was real" sich erübrigen. Das würde Santeris Kunst kaum schmälern, den klagenden Gegnern jedoch einigen Wind aus den Segel nehmen,
kutowski, 19.02.2008
5. Yngwie J. Malmsteen
Zitat von Nachtschwester IngeborgNicht jedem ist es gegeben, sein Schicksal mit Humor zu tragen. Humor ist, wenn gut, an sich schon verdächtig. So und nun zur entscheidenden Frage: Wer zum Geier ist Yngwie Malmsteen?
Yngwie J. Malmsteen [ɪŋveɪ] (* 30. Juni 1963 in Stockholm als Lars Johan Yngve Lannerbäck) ist ein schwedischer Gitarrist. Malmsteen gilt als wegweisend für die Verwendung klassischer Elemente im Heavy Metal. (Quelle: Wikipedia)
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