Sonderangebot: Lady-Gaga-Schnäppchen macht Amazon platt

Mit dem neuen Lady-Gaga-Album zum Schnäppchenpreis wollte Amazon neue Nutzer locken - doch dann war der Andrang so groß, dass die Server zusammenbrachen. Jetzt machen unzufriedene Kunden ihrem Unmut mit schlechten Bewertungen des Albums Luft.

99-Cent-Album: Amazon ächzt unter Lady Gaga Fotos
REUTERS

Hamburg - Die Idee war gut, vor allem gut gemeint: Zum Verkaufsstart des neuen Lady-Gaga-Albums " Born This Way" wollte Amazon neue und alte Kunden mit einem besonderen Schnäppchen locken. Einen Tag lang konnte man das neue Werk des Popstars auf der US-Website des Online-Händlers zum Sonderpreis von 99 US-Cent (rund 70 Euro-Cent) als MP3-Download kaufen. Ein Angebot, dem offenbar kaum ein Fan widerstehen konnte - und das Amazons sonst meist verlässliche Technik in die Knie zwang.

Schon am Vormittag amerikanischer Zeit, wenige Stunden, nachdem das Angebot online gegangen war, meldete das Unternehmen via Twitter: "Wir stellen derzeit eine große Nachfrage fest. Wenn Sie heute bestellen, bekommen Sie das @Ladygaga-Album für 99 Cent. Danke für Ihre Geduld." Die Last der Downloads hatte das Server-System offenbar überfordert, etliche Käufer konnten die gerade günstig gekaufte Musik nicht herunterladen. Es hieß, die Downloads seien verschoben worden.

Viele Käufer reagierten prompt und reagierten sich in den Bewertungen zu "Born This Way" aus. Statt sich dort allerdings über die Musik auszulassen - die viele von ihnen ja noch gar nicht hören konnten - meckerten sie, wie unzufrieden mit und enttäuscht sie von Amazon seien.

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"Born This Way": Google mich, liebe mich!
So wie "mouse", der schreibt: "Ich kann dieses Produkt nicht empfehlen, weil Amazon es nicht rechtzeitig liefern kann. Ich habe vielen Freunden gesagt, was für ein tolles Angebot es ist. Jetzt hat Amazon mich bloßgestellt. Das werde ich nicht vergessen." Die Vielzahl derartiger Rezensionen hat allerdings auch fast ebenso viele Gegenreaktionen provoziert, in denen Fans ihrem Idol zur Seite stehen.

Und was hat Apple damit zu tun?

Amazon-Anwender "eastcaost316" etwa erklärt zunächst, der Amazon-Support habe ihn über die Gründe für die Probleme aufgeklärt. "Bitte habt Geduld, Ihr kleinen Monster, denn ich weiß, das wir alle schon eine ganze Weile auf ihr neues Album warten." Solchen Rezensionen mit den entsprechend hohen Bewertungen zum Trotz, hat das Schnäppchenalbum im Amazon-Ranking mit dreieinhalb nur eine mäßige Gesamtbewertung bekommen.

Eine mindestens ebenso mäßige Gesamtbewertung hat bei vielen der Betroffenen nun aber Amazons Cloud-Computing-Dienst Cloud Drive bekommen. Dabei sollte das Gaga-Schnäppchen Amazons Online-Festplatte neue Nutzer zutreiben. Wer das Sonderangebot wahrnahm, konnte sich 20 Gigabyte kostenlosen Speicherplatz in der Datenwolke des Unternehmens sichern, auf denen das Gaga-Album sofort bereitstehen sollte.

Und vor allem wollte man wohl ein Zeichen setzen, sich als betriebsbereit und als Vorreiter Cloud-basierter Datendienste profilieren, wohl auch, um Google und Apple etwas entgegensetzen zu können. Google hatte kürzlich einen geschlossenen Test eines solchen Systems angekündigt. Der amerikanische iGeräte-Hersteller wird wohl Anfang Juni, auf seiner Entwicklerkonferenz WWDC, einen ähnlichen Cloud-Dienst vorstellen, bei dem es primär darum gehe, Musik, Fotos und Videos online und nicht auf Festplatten, CDs oder Speichersticks zu lagern.

Das, muss man nun feststellen, ist Amazon gründlich daneben gegangen.

mak

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insgesamt 25 Beiträge
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1. Das Bewertungssystem...
tetaro 24.05.2011
... bei Amazon überfordert anscheinend viele. Gerade bei Produkten, die Teenies ansprechen (Games), ist es oft ein Frust-Ablass-System. Im Übrigen bewerten sowieso oft nur die eingeschworenen Fans ein Produkt, oder die, die irgendeinen Hass aufgestaut haben. Der Normalnutzer macht sich doch oft gar nicht die Mühe.
2. Also wenn das Schnitzel in der Frisur echt ist,
lizard_of_oz 24.05.2011
dann hat die Frau mehr Gewebe auf dem Kopf als drin. Ihr Gehabe und die süßen Kostümchen sind die pure Berechnung. Alles knallhart an der Grenze, dass es bei Tagesschau.de oder sonstigen seriösen Medien gerade noch so gezeigt werden kann. Knallhartes und fast perfektes Marketing halt. Hat evtl. nen Vertrag mit Apple.
3. .
static_noise 24.05.2011
Die Amazon Bewertung sollte sich nach dem 'Produkt' richten. Das 'Produkt' ist aber eben mehr als nur der künstlerische Inhalt. Bei DVDs ist es üblich, schlechte Abmischung, miese Verarbeitung von Hüllen/Booklets, nicht Benutzbarkeit wegen DRM etc mit einfließen zu lassen. Die DVD mancher sehr guter Filem erhalten daher durchweg schlechte Noten, da das Produkt 'DVD' nicht nutzbar oder einfach schlecht ist. Wenn hier ein MP3 Download gekauft wurde, und Amazon nicht in der Lage ist, diesen korrekt zu 'liefern' so ist in meinen Augen da eine entsprechende negative Bewertung durchaus angemessen.
4. "Und was hat Apple damit zu tun?"
Sikozu 24.05.2011
...das hab ich mich auch gefragt ...Nichts? Aber die freuen sich sicher erwähnt worden zu sein... o.O Ähnlich wie bei dem Artikel über den Unfall bei Foxcon gestern - da kam in 8 kappen Absätzen auch achtmal das Wort "iPad" vor wobei gleich zu Beginn des Artikels erklärt wird, dass es dort gar nicht hergestellt wird...
5. Lady Gaga...
diamorphin 24.05.2011
Ich frage mich eher, wie man dafür nur schon 99 Cents ausgeben kann... Sorry aber eine solche Marketing- und Image-Maschinerie, das ist einfach nur noch grauenhaft. Aber so ist die Pop Welt halt nunmal: Es geht nicht um Musik, sondern um extravagantes Auftreten, die Pop Musiker schreiben meist weder ihre Songs selbst, noch können sie anständig singen, geschweige denn ein Instrument spielen (das bezieht sich jetzt auf "Grössen" wie Lady Gaga, Madonna usw.) Was aber Amazon angeht in dem Kontext: Auf Kunden, die solche Produkte wie ein Lady Gaga Album erwerben möchten, würde ich als Geschäftsführer ohnehin verzichten, selbst wenn dies enorme Umsatz- und Gewinneinbussen zur Folge hätte. Es ist kein Anzeichen für Qualität, ein solches Produkt zu führen und zu verkaufen.
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Viele Anbieter versuchen derzeit, sich als erste Adresse für den Zugang zur Datenwolke zu positionieren. Dazu gehören beispielsweise Google, Microsoft, der Hardware-Hersteller Apple mit MobileMe und der Handy-Produzent Nokia mit seinem Dienst Ovi. Auch Vodafone will künftig stärker auf Netzdienste setzen.
Business-Funktionen
Für Unternehmen hat Cloud Computing eine weitere Bedeutung: Sie können rechen- oder datenintensive Aufgaben an Datenzentren auslagern, gewissermaßen Rechner - oder Speicherkapazität in der Wolke nach Bedarf für bestimmte Aufgaben anmieten. Vorreiter ist hier Amazon mit seinen Web Services (AWS), etwa dem Speicherdienst S3. Es gibt aber auch zahlreiche andere Anbieter, etwa die Plattform Force.com von Salesforce.

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