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US-Ermittler: FBI macht Nordkorea für Sony-Hack verantwortlich

Sony-Pictures-Gebäude in Los Angeles: Nordkorea im Verdacht Zur Großansicht
AFP

Sony-Pictures-Gebäude in Los Angeles: Nordkorea im Verdacht

Das FBI beschuldigt Nordkorea jetzt offiziell, hinter dem Hackerangriff auf Sony Pictures zu stecken. Auch China könnte einer US-Untersuchung zufolge zumindest indirekt involviert sein.

Womöglich ist wirklich Nordkorea für den massiven Datenklau beim Filmstudio Sony Pictures verantwortlich. Das FBI hat dem Land am Freitagabend deutscher Zeit offiziell vorgeworfen, hinter dem Hackerangriff zu stecken. Man sei "zutiefst beunruhigt über die zerstörerische Natur dieser Attacke auf ein Privatunternehmen und die Bürger, die dort arbeiten". Nordkorea bewege sich "außerhalb der Grenzen des akzeptablen Verhaltens von Staaten". Das Weiße Haus hatte den Verantwortlichen zuvor mit einer "angemessenen Reaktion" gedroht.

Das FBI begründet seine Annahme unter anderem mit der Art der Schadsoftware, die beim Angriff zum Einsatz kam. Sie weise Verbindungen zu anderer Malware auf, die nordkoreanische Akteure in der Vergangenheit entwickelt hätten. So seien etwa Code-Zeilen ähnlich gewesen. Die verwendeten Werkzeuge hätten zudem Gemeinsamkeiten mit denen, die im März 2013 bei einer Cyberattacke auf südkoreanische Banken verwendet wurden.

Vor der offiziellen Beschuldigung Nordkoreas hatte bereits die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass US-Ermittler Nordkorea im Verdacht haben. Einem anonymen Informanten der Agentur zufolge spekulieren die Ermittler auch über eine Verbindung nach China: Es könnte eine Zusammenarbeit mit Personen aus China gegeben haben oder die Angreifer könnten chinesische Server benutzt haben, um den eigentlichen Ursprung des Hacks zu verschleiern. China hat diesen Vorwürfen bereits offiziell widersprochen. Es würde keine illegalen Cyberaktionen unterstützen, die innerhalb seiner Grenzen durchgeführt werden.

Interna in beispiellosem Ausmaß erbeutet

Der Hackerangriff auf Sony macht seit Ende November Schlagzeilen. Damals hatte eine Gruppe mit dem Namen "Guardians of Peace" (GOP) in beispiellosem Ausmaß Interna erbeutet und danach immer wieder Teile davon im Internet veröffentlicht. Vor einigen Tagen sprach die Gruppe wegen des Films "The Interview" ominöse Drohungen aus und erinnerte an die Terroranschläge vom 11. September 2001. Sony zog den Film, in dem es um ein fiktives Mordkomplott gegen Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un geht, daraufhin kurz vor dem geplanten Kinostart am 25. Dezember zurück.

Sony erklärte zu dem Verdacht, Nordkorea könne hinter dem Hack stecken, vor der FBI-Stellungnahme: "Wir wissen es nicht, aber es scheint so zu sein." Nordkorea bestreitet, mit dem Datenklau zu tun zu haben.

Zugangsdaten eines Administrators geklaut

Technisch begann der Angriff wohl mit einer sogenannten Spearphishing-Attacke, bei der Sony-Mitarbeitern gefälschte E-Mails zugeschickt worden sein könnten. Solche E-Mails enthalten Weblinks oder Anhänge, deren Inhalte die Computer der Betroffenen unbemerkt infizieren, wenn sie geöffnet werden. Der Sender CNN berichtete unter Verweis auf nicht namentlich genannte Regierungsvertreter, die Hacker hätten mit geklauten Zugangsdaten eines Systemadministrators breitflächigen Zugang zu Sony-Daten bekommen.

Für das Zurückziehen von "The Interview" muss Sony derzeit eine Menge Kritik einstecken. US-Senator John McCain etwa erklärte, die Entscheidung schaffe einen "beunruhigenden Präzedenzfall", der die Täter stärke und ermutige, künftig die Cyberwaffe noch aggressiver einzusetzen. McCains republikanischer Parteikollege Newt Gingrich sprach auf Twitter von einer "sehr gefährlichen" Entwicklung: "Diese Woche haben die USA ihren ersten Cyberkrieg verloren."

Die Hackergruppe "Guardians of Peace" bezeichnete Sonys Entscheidung dagegen als "sehr weise", berichtet CNN. Sie schreiben: "Wir garantieren die Sicherheit eurer Daten, es sei denn, ihr macht weiteren Ärger."

mbö/dpa/Reuters/AFP

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insgesamt 40 Beiträge
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1. Inside Job
mosquito60 19.12.2014
Die verwendete Schadsoftware ist seit Jahren im Darknet zu kaufen. Wieso sollte Nordkorea wegen einer Komödie solche Risiken eingehen? Sony hat 2014 über 5000 Mitarbeiter entlassen, darunter ganze Abteilungen mit Computerspezialisten. Man denke doch erst mal kurz nach.
2. Hoehere Weihen des Abhoerens
tailspin 19.12.2014
Da dachte ich noch, die Nordkoreaner haetten nur mechanische Computer vom Typ Olivetti mit der Kurbel. Und die sind nicht vernetzt. Jetzt kommt aber raus, dass das FBI nicht nur jeden abhoert, sondern auch, wer wen am anderen Ende der Welt hackt. Wer ist da wohl naeher am Missbrauch?
3. tststs
mimas101 19.12.2014
schlampig gewartete IT-Sicherheit in einem Unternehmen, das auch IT vertreibt/verkauft, und dem Einsatz von einem für malware ziemlich anfälligen OS aus den USA. Und die USA sehen plötzlich die nationale Sicherheit gefährdet weil, so das bemerkenswerte Konstrukt, eine Privatfirma plötzlich keinen Profit machen kann und dadurch Bürger gefährdet seien. Na, wer weiß was in den Sony-internen eMails pp tatsächlich so schlummert. Wobei noch nicht mal klar ist ob das Filmchen seine Unkosten auch tatsächlich einspielen wird. Was man von dem Inhalt hört wird's wohl eher so eine hollywoodtypische einfache 08/15-Produktion sein die eher auf Lacher mittels Witzchen unter der Gürtellinie abzielt. Ach übrigens, ich betone das ich natürlich nicht mit der Diktatur in Nord-Korea einverstanden bin: Meinungsfreiheit geht auch in den USA immer nur bis zu dem Punkt wo noch keine Rechte anderer verletzt werden.
4.
andihh75 19.12.2014
Da muss ich ja mal ganz laut lachen. Das FBI beschuldigt Nordkorea des Diebstahls! Nordkorea bewegt sich damit außerhalb des akzeptablen Verhaltens von Staaten, soso!? Soweit ich mich erinnere sind es doch auch amerikanische Geheimdienste die andere Staaten, Unternehmen etc. ohne Skrupel ausspionieren! Völlig lächerlich, da beschweren sich diejenigen die einfach mal die Fr...e halten sollten! Der Sony Hack ist zwar nicht die feine englische Art aber in meinen Augen ist es nur recht und billig wenn Unternehmen die in den Staaten ansässig sind mal am eigenen Leib erfahren wie es den Unternehmen in anderen Ländern erging als diese Gehackt wurden!
5.
johnsnowx26 19.12.2014
Ich finde das ganze Medienspektakel hierum ja einfach wieder nur zu köstlich. Natürlich: Nordkorea, dieser kleine, leicht zurückgebliebene Bauernstaat, hackt jetzt wild in der Weltgeschichte rum, um einen bösen Film zu verhindern, der in der westlichen Welt einen schlechten Eindruck von dem Land vermittelt hätte. Wo wir die sonst echt nur so über den grünen Klee loben! Und dann ziehen diese Hollywood-Feiglinge sogar den Start des Film zurück, aus Angst vor Kamikaze-Fliegern oder so. Mann, jetzt muss ich den Film aber unbedingt sehen! Mann, und so viel wie jetzt darüber berichtet wird, mann oh mann, muss ich den Film jetzt unbedingt sehen. Ich hoffe mal, und mein Gefühl sagt mir iiiirgendwie dass es so sein wird, dass der Film in 2 Monaten dann DOCH plötzlich an den Start geht. Und ich renne dann stolz mit schwenkender Ami-Flagge ins Kino und rufe "Nein, wir lassen uns nicht von diesen pösen Terroristen einschüchtern!". Dass der Film dann wie üblich der letzte Fließband-Dreck ist, behalte ich aber für mich. Schließlich bin ich Patriot, und wir haben mit dieser witzigen Geschichte vielleicht sogar bald den nächsten (Cyber-)Krieg gerechtfertigt.
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