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31. Mai 2012, 15:19 Uhr

Netzwelt-Ticker

Sony patentiert Werbepause für Spiele

Von Felix Knoke

Sony hat sich zwangsverordnete Werbepausen für Computerspieler patentieren lassen, Wikipedia installiert Kontaktmann in der Wissenschaft, neuer Web-Dienst stellt gelöschte Politiker-Tweets wieder her und mehr im täglichen Netzwelt-Überblick.

Das Digital Spy-Blog hat ein interessantes Patent ausgegraben, mit dem Sony sich offenbar Werbepausen in Computerspielen schützen lässt. Wörtlich heißt es in dem Patent vom 10. November 2011, dass Sony Anspruch auf "das Abspielen interaktiver Inhalte, das Pausieren des Abspielens von interaktiven Inhalten, der Anzeige von Werbung und dem Fortsetzen des Abspielens interaktiver Inhalte" erhebt. Mit interaktiven Inhalten seien unter anderem Computerspiele gemeint, offline oder über Netzwerke mit anderen Spielern.

In 48 Details legt Sony fest, welche Eingriffe in das Abspielen interaktiver Inhalte genau gemeint sind, welche Computerprogramme und welche Systeme dafür vonnöten sind. So sieht Sony etwa vor, dass der User durch ein Verlangsamen des "interaktiven Inhalts" auf die Werbepause vorbereitet wird, dass unterschiedliche User unterschiedliche Werbung vorgesetzt bekommen und dass die Werbepause zu einer vordefinierten, aber auch zu einer zufälligen Zeit einsetzen kann. Sony will sogar nach der Werbepause zu einem Zeitpunkt einige Sekunden vor dem Einsetzen der Werbepause zurückspulen können. Doch sind damit mitnichten nur Computerspiele gemeint. Die von dem Patent geschützten "Methoden und Techniken" beziehen sich ausdrücklich auch auf Fernsehen, Unterhaltungssysteme, DVD-Spieler, DVRs, Medienplayer und Heimserver.

Vor dem Hintergrund, dass die kommende Playstation verstärkt auf kostenpflichtige Download-Spiele setzen wird, bekommt die Werbepause eine ganz neue Bedeutung: Spiele könnten in einer Version mit Werbung günstiger oder kostenlos angeboten werden.

Wikipedia installiert Kontaktmann

Die Wikimedia-Foundation freut sich über die Anstellung eines Wikipedianers beim Deutschen Archäologischen Instituts (DAI). Mit Marcus Cyron werde erstmals ein aktiver Wikipedia-Autor als Schnittstelle zwischen einer deutschen wissenschaftlichen Einrichtung und der freien Online-Enzyklopädie angestellt. Cyron soll als "Wikipedian in Residence" in den nächsten sechs Monaten "den Austausch zwischen dem DAI und der Wikipedia-Community anregen und professionell begleiten". Sprich: Wissenstransfers zwischen beiden Institutionen einleiten und systematisieren - ein Vorhaben, das Wikipedia derzeit weltweit vorantreibt. Das DAI habe eine umfangreiche Quellensammlung und eine große Zahl hochspezialisierter Publikationen, zu denen Nichtspezialisten bisher der Zugang fehlt, heißt es von Seiten Wikimedias. Die Anstellung Cyrons könne dieses Wissen nun in die Wikipedia leiten.

Das deutsche Tech-Blog Golem bewertet die Anstellung auch kritisch. Ein Vorwurf lautet, dass Cyron damit der erste Wikipedia-Autor in Deutschland ist, der für seine Arbeit an Wissensartikeln bezahlt wird. Die Antwort der Wikimedia dazu: "Die Arbeit an Wikipedia ist ehrenamtlich und bleibt auch ehrenamtlich." Cyron werde "schauen, welche Wissensschätze die Einrichtung hat, was man befreien kann". In anderen Ländern seien bereits "Wikipedians in Residence" angestellt, weitere Plätze in Deutschland sollen folgen.

Verzweifelte Politiker: die Tweets, die sie löschten

Der "Atlantic" hat ein wunderschönes Webangebot ausgegraben, das es so oder so ähnlich bald auch in Deutschland geben muss: Eine Website, welche ausschließlich von Politikern gelöschte, aber von aufmerksamen "Followern" gespeicherte Twitter-Kurznachrichten auflistet. "Politwoops" heißt dieses Angebot der amerikanischen Sunlight Foundation, die mehr Transparenz und Zurechenbarkeit im US-Politsystem erreichen will.

"Klar, wir alle haben schon Sachen getwittert, die wir eigentlich nicht mit der Welt teilen wollten. Ab jetzt aber können Politiker sie nicht mehr verstecken. Entdecke die Tweets, die dein Politiker geteilt und dann sofort gelöscht hatte."

Die Durchsicht ist nicht so spannend, wie man das erwarten würde. Es bedarf noch einiger Freiwilligenarbeit, die wirklich brisanten Tweets zu entdecken. Bei den meisten der über 3000 Tweets ist nicht einmal klar, warum sie gelöscht wurden. Einige sind doppeldeutig, andere schlicht all zu trivial. Zum Beispiel Rep. Keith Ellisons (D) Tweet am 30. Mai 2012: "Test".

Was am Donnerstag sonst noch in der Netzwelt wichtig war

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