Netzwelt-Ticker: Sony patentiert Werbepause für Spiele

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Sony hat sich zwangsverordnete Werbepausen für Computerspieler patentieren lassen, Wikipedia installiert Kontaktmann in der Wissenschaft, neuer Web-Dienst stellt gelöschte Politiker-Tweets wieder her und mehr im täglichen Netzwelt-Überblick.

Sony auf der Spielemesse E3 (Archiv): "Anspruch auf das Abspielen interaktiver Inhalte" Zur Großansicht
Reuters

Sony auf der Spielemesse E3 (Archiv): "Anspruch auf das Abspielen interaktiver Inhalte"

Das Digital Spy-Blog hat ein interessantes Patent ausgegraben, mit dem Sony sich offenbar Werbepausen in Computerspielen schützen lässt. Wörtlich heißt es in dem Patent vom 10. November 2011, dass Sony Anspruch auf "das Abspielen interaktiver Inhalte, das Pausieren des Abspielens von interaktiven Inhalten, der Anzeige von Werbung und dem Fortsetzen des Abspielens interaktiver Inhalte" erhebt. Mit interaktiven Inhalten seien unter anderem Computerspiele gemeint, offline oder über Netzwerke mit anderen Spielern.

In 48 Details legt Sony fest, welche Eingriffe in das Abspielen interaktiver Inhalte genau gemeint sind, welche Computerprogramme und welche Systeme dafür vonnöten sind. So sieht Sony etwa vor, dass der User durch ein Verlangsamen des "interaktiven Inhalts" auf die Werbepause vorbereitet wird, dass unterschiedliche User unterschiedliche Werbung vorgesetzt bekommen und dass die Werbepause zu einer vordefinierten, aber auch zu einer zufälligen Zeit einsetzen kann. Sony will sogar nach der Werbepause zu einem Zeitpunkt einige Sekunden vor dem Einsetzen der Werbepause zurückspulen können. Doch sind damit mitnichten nur Computerspiele gemeint. Die von dem Patent geschützten "Methoden und Techniken" beziehen sich ausdrücklich auch auf Fernsehen, Unterhaltungssysteme, DVD-Spieler, DVRs, Medienplayer und Heimserver.

Vor dem Hintergrund, dass die kommende Playstation verstärkt auf kostenpflichtige Download-Spiele setzen wird, bekommt die Werbepause eine ganz neue Bedeutung: Spiele könnten in einer Version mit Werbung günstiger oder kostenlos angeboten werden.

Wikipedia installiert Kontaktmann

Die Wikimedia-Foundation freut sich über die Anstellung eines Wikipedianers beim Deutschen Archäologischen Instituts (DAI). Mit Marcus Cyron werde erstmals ein aktiver Wikipedia-Autor als Schnittstelle zwischen einer deutschen wissenschaftlichen Einrichtung und der freien Online-Enzyklopädie angestellt. Cyron soll als "Wikipedian in Residence" in den nächsten sechs Monaten "den Austausch zwischen dem DAI und der Wikipedia-Community anregen und professionell begleiten". Sprich: Wissenstransfers zwischen beiden Institutionen einleiten und systematisieren - ein Vorhaben, das Wikipedia derzeit weltweit vorantreibt. Das DAI habe eine umfangreiche Quellensammlung und eine große Zahl hochspezialisierter Publikationen, zu denen Nichtspezialisten bisher der Zugang fehlt, heißt es von Seiten Wikimedias. Die Anstellung Cyrons könne dieses Wissen nun in die Wikipedia leiten.

Das deutsche Tech-Blog Golem bewertet die Anstellung auch kritisch. Ein Vorwurf lautet, dass Cyron damit der erste Wikipedia-Autor in Deutschland ist, der für seine Arbeit an Wissensartikeln bezahlt wird. Die Antwort der Wikimedia dazu: "Die Arbeit an Wikipedia ist ehrenamtlich und bleibt auch ehrenamtlich." Cyron werde "schauen, welche Wissensschätze die Einrichtung hat, was man befreien kann". In anderen Ländern seien bereits "Wikipedians in Residence" angestellt, weitere Plätze in Deutschland sollen folgen.

Verzweifelte Politiker: die Tweets, die sie löschten

Der "Atlantic" hat ein wunderschönes Webangebot ausgegraben, das es so oder so ähnlich bald auch in Deutschland geben muss: Eine Website, welche ausschließlich von Politikern gelöschte, aber von aufmerksamen "Followern" gespeicherte Twitter-Kurznachrichten auflistet. "Politwoops" heißt dieses Angebot der amerikanischen Sunlight Foundation, die mehr Transparenz und Zurechenbarkeit im US-Politsystem erreichen will.

"Klar, wir alle haben schon Sachen getwittert, die wir eigentlich nicht mit der Welt teilen wollten. Ab jetzt aber können Politiker sie nicht mehr verstecken. Entdecke die Tweets, die dein Politiker geteilt und dann sofort gelöscht hatte."

Die Durchsicht ist nicht so spannend, wie man das erwarten würde. Es bedarf noch einiger Freiwilligenarbeit, die wirklich brisanten Tweets zu entdecken. Bei den meisten der über 3000 Tweets ist nicht einmal klar, warum sie gelöscht wurden. Einige sind doppeldeutig, andere schlicht all zu trivial. Zum Beispiel Rep. Keith Ellisons (D) Tweet am 30. Mai 2012: "Test".

Was am Donnerstag sonst noch in der Netzwelt wichtig war

  • Recaptcha gilt als eines der besten Verfahren, um Mensch von Spam-Maschine unterscheiden zu können. Doch jetzt haben Hacker nachgewiesen, dass die Audio-Fassung, die Recaptcha-Kunde Google extra für blinde Surfer anbietet, allzu maschinenlesbar ist. Die Hacker fanden heraus, dass Google bei den Audio-Captchas nur 58 verschiedene englischsprachige Wörter benutzt.
  • Die japanischen Behörden haben einen Händler von speziellen Adaptern, mit denen unlizenzierte Videospiel-Kopien auf Spielkonsolen gestartet werden können, festgenommen. Das dürfte der erste Schritt in einer massiven Aktion gegen solche Piraterie-Hardware sein - nachdem ein neues Wettbewerbsgesetz den Verkauf solcher Geräte unter Strafe setzt.
  • So könnte also die Zukunft von Paypal aussehen: In Großbritannien experimentiert der Bezahldienst derzeit mit einer speziellen Shopping-App. Paypal-Kunden sollen bei bestimmten Supermärkten per Handy-Barcode bezahlen können. Kurz vor dem Bezahlvorgang geben sie dazu eine vierstellige PIN in die Paypal-App ein, die daraufhin einen kurzfristig gültigen Barcode erstellt, den die Kasse regulär abscannen kann. Abgebucht wird dann vom Paypal-Konto.
  • Ist das ein weiteres Zeichen dafür, dass Facebook derzeit den Browser-Hersteller Opera umwirbt, umwerben wird oder zumindest umwerben müsste? Die norwegischen Entwickler haben gerade eine neue Opera-Version für Java-fähige Handys und Smartphones mit Symbian S60 und Blackberrys herausgebracht. Mit dabei: Auf der sogenannten Smart Page werden Meldungen vom Facebook- und Twitter-Konto der Smartphone-Besitzer angezeigt. Download auf m.opera.com
  • Zwischen den nationalen Ablegern der Wikipedia und der Trägerorganisation Wikimedia tobt seit Monaten ein Kulturkonflikt: Wie soll die Online-Enzyklopädie mit möglicherweise verstörenden Bildern umgehen: von nackten Menschen, Geschlechtsorganen, Eingeweiden, Heiligen? Wikipedia-Mitgründer Larry Sanger gibt einen Überblick über das Unterproblem "Pornos & Kinder in der Wikipedia".

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1. ganz miese Nummer
MadMadMan 31.05.2012
zwangsverordnete Werbepausen der Industrie in Spielen etc. wohin soll das führen? Ich schau schon kaum mehr fern wegen den verblödenden Werbeunterbrechungen die immer länger und häufiger geschaltet werden. Das Radio ist aus weil Radiowerbung fürchterlich ist. Es scheint auf einen kompletten technologischen Boykott rauszulaufen um den ganzen sublime Messages und Werbepausen aus dem Weg zu gehen!
2. .
Methados 31.05.2012
Zitat von sysopReutersSony hat sich zwangsverordnete Werbepausen für Computerspieler patentieren lassen, Wikipedia installiert Kontaktmann in der Wissenschaft, neuer Web-Dienst stellt gelöschte Politiker-Tweets wieder her und mehr im täglichen Netzwelt-Überblick. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,836203,00.html
mein tipp: EA wird bei der Anwendung dieser Technik federführend sein. Tja, die Majors machen sich bei ihren Kunden wirklich immer unbeliebter. Und am Ende meckern Sie wieder über RAUMORDKOPIEN ^^
3. geile Sache...
glizzy 31.05.2012
sollte so eine Schei*e wirklich in Spielen bald stattfinden, dann wird sich SONY aber über immense Umsatzeinbrüche wundern. Ich werde unter 100%iger Garantie keine Konsole, keine Spiele, keine Inhalte erwerben, in denen mir eine Pause verordnet wird? ICH und NUR ICH entscheide wann ich pause mache. Dann wird Sony nicht mehr gekauft...Schade.
4. Adblock Plus Plus?
vlupme 31.05.2012
Zitat von MadMadManzwangsverordnete Werbepausen der Industrie in Spielen etc. wohin soll das führen? Ich schau schon kaum mehr fern wegen den verblödenden Werbeunterbrechungen die immer länger und häufiger geschaltet werden. Das Radio ist aus weil Radiowerbung fürchterlich ist. Es scheint auf einen kompletten technologischen Boykott rauszulaufen um den ganzen sublime Messages und Werbepausen aus dem Weg zu gehen!
Da fragen sich manche warum kopiert wird, ich wette in einer kopierten Version gibt es keine Werbung die einen nervt. Ich hab mir auch bewusst keinen Fernseher gekauft, es läuft ja nur Schrott und Werbung. Jetzt sollen auch Videospiele versaut werden! Was kommt als nächstes eine Werbepause vor jeder neuen Seite beim Lesen?
5. komisch
mabo77 31.05.2012
wie stellen sich diese Marketing Fuzzis bloß die Welt vor ?? Am besten überall die Leute mit Ihrer Hirnverbrannten Werbung stören . Auch wieder ein grund sich ganz sicher nicht eine Ps3 zu kaufen
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Zum Autor
  • Felix Knoke schreibt von Berlin aus über elektronische Lebensaspekte und versucht sich vergeblich als Hitproduzent in seinem Wohnzimmerstudio.

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