Soziale Netzwerke: Diese Facebook-Alternativen sind einen Blick wert

Von c't-extra-Autor Jo Bager

2. Teil: Verteiltes Netz

Sicherheit und Datenschutz: Facebook-Alternativen Fotos
c't

Bereits bei der Anmeldung zeigt sich der wichtigste Unterschied zu anderen sozialen Netzwerken. Neumitglieder melden sich auf dem Server des Unternehmens Diaspora, Inc an - oder bei einem anderen Server. Eine Liste unter http://podupti.me verweist auf Dutzende Diaspora-Server, sogenannte Pods, die Anmeldungen zulassen.

Der Dienst offeriert alle Kernfunktionen eines sozialen Netzwerks, die Facebook und Google+ auch bieten: Der Benutzer kann Nachrichten und Bilder mit Freunden austauschen, Botschaften auf Pinnwände schreiben und vieles mehr. Ein Tutorial und ein Wiki erleichtern dem Neuling die ersten Schritte.

Diaspora betreibt dabei die Trennung verschiedener sozialer Sphären der Nutzer besonders konsequent: Die Basis des sozialen Netzwerkens bilden die "Aspects", die die verschiedenen sozialen Lebensbereiche des Benutzers abbilden. Bei einem neuen Account sind zwei solcher Aspects vorgegeben, "Family" und "Work". Das Mitglied kann jederzeit weitere Aspects hinzufügen oder bestehende löschen. Jeder Aspect besteht aus einer vom Benutzer editierten Auswahl von Kontakten.

Bei jedem Posting legt man fest, innerhalb welcher Aspects es veröffentlicht werden soll. Es gibt sehr viele Parallelen zwischen den Circles in Google+ und Diasporas Aspects. Sogar das Prinzip, dass die Kontakte nicht sehen können, wie der Aspect heißt, in den sie einsortiert wurden, findet sich auch bei Google+. Diaspora-Nutzer können die Herkunft von Postings, die sie in ihrer Timeline sehen möchten, auf bestimmte Aspects einschränken.

Die einzelnen Diaspora-Server stellen keine Informationsinseln dar, sondern tauschen Informationen aus, falls erforderlich. Wenn ein Benutzer ein Status-Update einstellt, sehen das also alle seine Kontakte, auch wenn sie einen Account auf einem anderen Diaspora-Pod haben. Dazu durchforstet die Suchmaschine netzwerkweit die Namen der Mitglieder und die Tags, mit denen sie sich selbst beschreiben. Es ist für eine kommende Version geplant, dass Benutzer ihre Identität von einem zum anderen Server umziehen können sollen.

Auch zur Verbindung mit anderen Netzen sind bereits Brücken vorhanden. So kann sich Diaspora mit Facebook, Twitter und Tumblr verbinden. Die Nachrichten aus diesen Diensten bettet Diaspora zwar nicht in die persönliche Timeline ein. Man kann Diaspora aber nutzen, um gleichzeitig in Diaspora und den angebundenen Diensten zu posten. Auch lassen sich die Facebook-Freunde auflisten, zum Beispiel um sie zu Diaspora einzuladen.

In puncto Apps ist Diaspora derzeit noch fast völlig unbeleckt. Es gibt bisher nur eine externe Anwendung, die sich mit Diaspora verknüpfen können soll - den Photo-Sharing-Dienst Cubbi.es. In unseren Versuchen konnten wir uns mit einem Diaspora-Account dort aber nicht einloggen.

Informationelle Selbstbestimmung sieht anders aus

Inzwischen sind mehr als zwei Jahre seit der Ankündigung von Diaspora vergangen. Im Januar 2012 gab es gerade einmal etwas mehr als 100 Diaspora-Server mit ungefähr 400.000 Nutzern. Zum Vergleich: Facebook hat im Oktober die Marke von einer Milliarde Nutzern geknackt; und die Nutzerzahl des erst im Juni 2011 gestarteten Newcomers Google+ liegt bereits bei angeblich 400 Millionen. Schätzungen zufolge wächst Google+ um etwa 625.000 Nutzer - pro Tag.

Dass Diaspora nur eine zu vernachlässigende Benutzerbasis aufbauen konnte, hat verschiedene Gründe. So war die Software bis Redaktionsschluss noch nicht wirklich produktionsreif. Manch einen zum Thema Datenschutz affinen potentiellen Nutzer, der grundsätzlich mit so etwas wie Diaspora liebäugelt, dürfte der Status der Software abgeschreckt haben: Einem unfertigen System, das noch Fehler enthalten kann, mag der Privacy-Bewusste seine Daten nicht anvertrauen.

Vor allem dürfte aber viele Interessierte gestört haben, dass Diaspora das Peer-to-Peer-Versprechen nicht wirklich einlöst. Denn wer einen Diaspora-Server installieren will, benötigt einen Linux- oder Mac-OS-Server mit Ruby, RubyGems, Bundler, MySQL oder PostgreSQL, SQLite3, OpenSSL, libcurl, ImageMagick, Git und Redis. Wenn man diese Komponenten installiert hat, ist noch Einrichtungsarbeit von Hand notwendig.

Eine einfach zu installierende Anwendung für den PC oder den eigenen Webhoster? Fehlanzeige. So kann Otto Normalnetzwerker keinen eigenen Diaspora-Server aufsetzen und ist darauf angewiesen, einen der auf der Projekt-Homepage verlinkten, öffentlich zugänglichen Server zu nutzen - mit anderen Worten: Er muss wie bei Facebook und Google+ dem jeweiligen Betreiber vertrauen, dass dieser mit den ihm anvertrauten Daten kein Schindluder treibt. Informationelle Selbstbestimmung sieht anders aus.

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1. Facebook endet bei mir auf 127.0.0.1
Sneaky Pie 26.11.2012
Und zwar alle bekannten Adressen und Domains. Und ja, die Liste ist lang und wächst. Denn Facebook traced auch ungefragt mit, alle Seiten, die nicht aus D sind und einen Like Button haben, übermitteln Daten an Facebook. Selbst ohne Mitglied zu sein oder den Button zu betätigen. Dazu kommt noch, das Facebook sein eigenes Internet macht, denn alle Einträge sind nur mit einer Anmeldung zu erreichen. Das war nicht Sinn und Zweck des WWW.
2. Retroshare
dejanmilo 26.11.2012
...ist eine leider nicht erwähnte, aber sehr ernst zu nehmende Alternative zu den all hier genannten Produkten. Mit Retroshare lässt sich ein Friend2Friend-Netzwerk recht einfach und schnelle aufbauen, welches dann abseits des öffentlichen Netzes als Darknet genutzt werden klann. Insbesondere der Anspruch, daß es leicht installierbar ist, ohne etliche Serverkomponenten und Programmier-Frameworks, lässt Retroshare sehr interessant wirken. Und es hat mit seiner Plugin-Architektur viel Potential für die Zukunft.
3.
Mancomb 26.11.2012
Der Artikel ist zwar nett gemeint, aber aussichtslos. Facebook ist und bleibt der Platzhirsch. Von der guten Milliarde Nutzern, die Facebook inzwischen hat, interessieren sich doch eh nur ein paar Millionen ernsthaft für den Datenschutz. Diaspora ist eine gute und vielversprechende Alternative, aber von den Nutzerzahlen immer noch unter Google+, und das will was heißen. Wieso sollte man denn auch auf andere Netzwerke umsteigen? Solang man kein gutes Konzept und keine signifikante Userbase hat, bleibt man unten. Mich würde mal interessieren, wie es Facebook geschafft hat, fast die komplette Userbase von StudiVZ (das mittlerweile mehr als tot ist) zu sich herüber zu ziehen. Wenn Diaspora das auch schaffen würde, wäre es ein Wunder.
4. Warum
ponyrage 26.11.2012
Vielleicht mag mich mal jemand aufklären, warum man sein Gesicht unbedingt ins Internet stellen muss, ich habe das bisher nicht vermisst. Und ich würde mich durchaus als Intensivnutzer bezeichnen.
5. vkontakte
maximillian64 26.11.2012
OK der Betreiber von vkontakte oder kurz vk.com ist mit ueber 5% an Facebook beteiltigt. Ansonsten ist das Russische Netzwerk jedoch bei aller ähnlichkeit an den kritischen Stellen erheblich angenehmer und wäre bei einer Überwachungs sensibillisirten Öffentlichkeit wie in Russland schon im Ansatz mit einigen Frechheiten von FB gescheitert. Heute ist das inzwischen auch auf Deutsch funktionierende Netzwerk mit ueber 150 Million Usern Marktführer im Osten. Es hat definitiv die beste Musikauswahl und den genialsten Player. Wer russisch spricht hat zwar immer noch vorteile aber im direkten Vergleich mit FB versucht VK nicht ständig in meine Privatsphaere einzudrigen und mir den Spass am Netz wegzuregeln.
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  • Montag, 26.11.2012 – 06:28 Uhr
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Soziale Netzwerke
Facebook
DPA
Facebook ging Anfang 2004 als soziales Netzwerk für Harvard-Studenten online. Zunächst konnten nur Menschen mit E-Mail-Adressen ausgewählter US-Hochschulen Mitglieder werden, seit 2006 ist die Seite für alle Über-13-Jährigen offen. Nach eigenen Angaben hat Facebook 845 Millionen aktive Mitglieder weltweit (Dezember 2011). Mehr zu Facebook auf der Themenseite.
Google+
Google+ ist der Versuch, den sozialen Funktionen von Facebook und Twitter etwas entgegenzusetzen. Das soziale Netzwerk wurde im Juni 2011 gestartet und hat nach Firmenangaben rund 170 Millionen Nutzer (April 2012). Der Funktionsumfang ist rein aus Nutzersicht vergleichbar mit Facebook, Schnittstellen für externe Entwickler sind allerdings eingeschränkt. Google animiert seine Nutzer, das Netzwerk als zentralen Hub für seine Dienste zu nutzen. Mehr zu Google+ auf der Themenseite.
Twitter
DPA
Der auf kurze Textnachrichten spezilalisierte Dienst Twitter wurde im Juli 2006 gegründet. Populär wurde der Dienst als Verteilnetzwerk für Links, Fotos und Videos. Twitter zählt nach eigenen Angaben mehr als 140 Millionen Nutzer (März 2012). Mehr zu Twitter auf der Themenseite.
Xing
Xing (früher OpenBC) wurde 2003 von Lars Hinrichs gegründet. Nach eigenen Angaben hat Xing über 11,7 Millionen Mitglieder (Stand: Dezember 2011), etwa acht Prozent haben einen kostenpflichtigen Premium Account. Bei Xing geht es vor allem um berufliche Kontaktaufnahme. Mehr zu Xing auf der Themenseite...
StudiVZ
Ehssan Dariani hat die Studenten-Community StudiVZ 2005 gegründet. Zuerst investierten Lukasz Gadowski und Matthias Spiess in StudiVZ, später finanzierten es vor allem die Gebrüder Samwer - bekannt für die Klingeltonfirma Jamba - und der Venture-Capital-Arm des Holtzbrinck-Verlags ("Die Zeit", "Handelsblatt"). Im Januar 2007 übernahm Holtzbrinck StudiVZ. Derzeit haben die Plattformen studiVZ.net, schuelerVZ.net und meinVZ.net nach eigenen Angaben rund 17,4 Millionen Nutzer (Stand: Januar 2011). Mehr zu StudiVZ auf der Themenseite...
Lokalisten
Im Mai 2005 gegründet, hat das Netzwerk Lokalisten nach eigenen Angaben (Stand Juli 2010) inzwischen 3,6 Millionen Nutzer. Mehr zu Lokalisten bei Wikipedia...
Spin.de
Das 1996 in Regensburg gegründete Unternehmen Spin betreibt ein eigenes soziales Netzwerk, aber auch integrierte Unter-Communitys mit regionalem Fokus, die mit Partnern vor Ort (Lokalradios vor allem) betrieben werden. Nach eigenen Angaben (Stand Februar 2011) hat Spin.de eine Million aktive Mitglieder. Mehr zu Spin.de bei Wikipedia...
Wer kennt wen
Wer-kennt-wen wurde von den beiden Studenten Fabian Jager und Patrick Ohler gegründet. Seit Februar 2009 gehört das Netzwerk vollständig RTL Interactiv, die Gründer schieden Ende August 2010 aus. Das Netzwerk hat laut Betreiber über 9,5 Millionen Nutzer (Stand: Januar 2012). Mehr zu Wer-kennt-wen bei Wikipedia...
MySpace
MySpace war 2006 das populärste soziale Netzwerk in den USA. Ein Jahr zuvor war es von Rupert Murdochs News Corporation gekauft worden. Bekannt wurde es durch die Möglichkeit, Musik einzubinden. Künstler und Bands nutzten die Plattform als Marketingplattform. Zeitweise hatte MySpace mehr als 220 Millionen Nutzer, nach Berechnungen von Google rund 30 Millionen Nutzer (Dezember 2011). Mehr zu MySpace auf der Themenseite...

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