Soziale Netzwerke Diese Facebook-Alternativen sind einen Blick wert

c't

Von c't-extra-Autor Jo Bager

4. Teil: Statusstandards


Warum jedes Rad neu erfinden? Gleich mehrere Initiativen setzen auf XMPP als Grundlage für ein soziales Web, darunter BuddyCloud, Jappix und Movim. XMPP ist das "Jabber"-Protokoll, das vielen Instant Messengern zugrunde liegt. Als solches hat es sich in etlichen Implementierungen bewährt, auch Facebook nutzt für seine Chat-Funktion XMPP.

XMPP bringt "von Haus aus" bereits eine Reihe von Funktionen mit, die sich gut für dezentrale soziale Netze eignen. So hat jeder Jabber-Nutzer eine eindeutige Adresse der Form <Benutzer>@<Domain>. Jeder Benutzer kann ein Profil mit den wichtigsten Informationen über sich hinterlegen. Es gibt eine individuelle Liste von Freunden sowie die Möglichkeit, Ereignisse an andere Teilnehmer des Netzes zu senden. Die XMPP-basierten Peer-to-Peer-Netze erweitern die XMPP-Architektur um weitere Elemente für soziale Netzwerke. Bei Buddycloud gehören dazu zum Beispiel sogenannte Directory Server, die dem Benutzer helfen, Channels zu finden, die ihn interessieren.

Neben XMPP gibt es mit OStatus noch eine zweite "Standardtechnik" für den Austausch von Statusmeldungen. Das Protokoll hieß ursprünglich OpenMicroBlogging und dient(e) dazu, Mikroblogging-Dienste miteinander zu vernetzen. Es setzt dabei auf mehrere offene Protokolle auf, darunter Atom für Inhalte-Feeds. PubSubHubbub erweitert Feeds um die Möglichkeit von Push. Webfinger sorgt für eindeutige Benutzeridentitäten. Unter anderem nutzt der Mikroblogging-Dienst Identica OStatus. Für WordPress lässt es sich in Form eines Plug-ins nachrüsten, und auch friendica verfügt über einen OStatus-Connector.

Plätzchen, wechsel Dich

Die Szene der sozialen Netze auf Peer-to-Peer-Basis scheint sich sehr dynamisch zu entwickeln, Projekte kommen und gehen. Peerscape etwa scheint nicht mehr weitergepflegt zu werden - schade, denn das Projekt verfolgt den interessanten technischen Ansatz, als Add-on in Firefox zu laufen: eine besonders konsequente Vorgehensweise, die die Daten direkt beim Benutzer speichert. Aber weder Peerscape selbst noch pythonext, mit dem man Python-Code im Browser ablaufen lassen kann und das für Peerscape erforderlich ist, sind mit aktuellen Firefox-Versionen kompatibel.

Während unserer Recherchen war das SocialRiver-Projekt offline, das ein verteiltes soziales Netzwerk auf BuddyPress aufbauen will, dem Social-Network-Aufsatz für das verbreitete Blog-System WordPress. Das Projekt soll laut Homepage aber "bald" wieder ans Netz gehen. Auch bei Appleseed, einem Projekt, das auf einem LAMP-Stack aufsetzt, scheint die Entwicklung ins Stocken geraten zu sein.

Dagegen sprießen aber immer neue, vielversprechende Projekte aus dem Boden. Social Igniter zum Beispiel ist bereits im Testbetrieb. Es soll eine Art soziales Content Management System werden, das sich einfach mit den größten sozialen Netzwerken verknüpft, also etwa Facebook, Twitter, Flickr und YouTube. Thimbl entsteht als dezentraler Microblogging-Dienst, der ausschließlich auf Finger und SSH aufsetzt - ist aber noch nicht am Netz. Mit kopal soll jeder Benutzer seine Informationen auf dem eigenen Server verwalten können. Lorea hat bereits eine recht aktive Community. Allerdings stammt diese vornehmlich aus dem spanischen Sprachraum. Auch die Dokumentation ist großteils nur auf Spanisch verfügbar, weshalb sich Lorea andernorts bisher nicht ausgebreitet hat.

Über die Initiaven für ein verteiltes soziales Netzwerken hinaus gibt es eine Reihe von Bestrebungen, die eine sicherere Infrastruktur für den Datenaustausch generell schaffen wollen. Dazu zählt zum Beispiel Secure Share. Es soll ein Framework für sichere soziale Interaktionen werden, das unter anderem ein soziales Netzwerk umfasst.

Wer sich für die neuesten Trends aus der Welt sozialer Peer-to-Peer-Netze interessiert: Am 22. und 23. März 2013 findet in Amsterdam die Konferenz Unlike Us #3 statt. Bei der vom Institute of Network Cultures des Amsterdam Media Research Center veranstalteten Konferenz diskutieren Techniker, aber auch Künstler und Aktivisten über dominierende Social-Media-Plattformen und Alternativen.



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 45 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Sneaky Pie 26.11.2012
1. Facebook endet bei mir auf 127.0.0.1
Und zwar alle bekannten Adressen und Domains. Und ja, die Liste ist lang und wächst. Denn Facebook traced auch ungefragt mit, alle Seiten, die nicht aus D sind und einen Like Button haben, übermitteln Daten an Facebook. Selbst ohne Mitglied zu sein oder den Button zu betätigen. Dazu kommt noch, das Facebook sein eigenes Internet macht, denn alle Einträge sind nur mit einer Anmeldung zu erreichen. Das war nicht Sinn und Zweck des WWW.
dejanmilo 26.11.2012
2. Retroshare
...ist eine leider nicht erwähnte, aber sehr ernst zu nehmende Alternative zu den all hier genannten Produkten. Mit Retroshare lässt sich ein Friend2Friend-Netzwerk recht einfach und schnelle aufbauen, welches dann abseits des öffentlichen Netzes als Darknet genutzt werden klann. Insbesondere der Anspruch, daß es leicht installierbar ist, ohne etliche Serverkomponenten und Programmier-Frameworks, lässt Retroshare sehr interessant wirken. Und es hat mit seiner Plugin-Architektur viel Potential für die Zukunft.
Mancomb 26.11.2012
3.
Der Artikel ist zwar nett gemeint, aber aussichtslos. Facebook ist und bleibt der Platzhirsch. Von der guten Milliarde Nutzern, die Facebook inzwischen hat, interessieren sich doch eh nur ein paar Millionen ernsthaft für den Datenschutz. Diaspora ist eine gute und vielversprechende Alternative, aber von den Nutzerzahlen immer noch unter Google+, und das will was heißen. Wieso sollte man denn auch auf andere Netzwerke umsteigen? Solang man kein gutes Konzept und keine signifikante Userbase hat, bleibt man unten. Mich würde mal interessieren, wie es Facebook geschafft hat, fast die komplette Userbase von StudiVZ (das mittlerweile mehr als tot ist) zu sich herüber zu ziehen. Wenn Diaspora das auch schaffen würde, wäre es ein Wunder.
ponyrage 26.11.2012
4. Warum
Vielleicht mag mich mal jemand aufklären, warum man sein Gesicht unbedingt ins Internet stellen muss, ich habe das bisher nicht vermisst. Und ich würde mich durchaus als Intensivnutzer bezeichnen.
maximillian64 26.11.2012
5. vkontakte
OK der Betreiber von vkontakte oder kurz vk.com ist mit ueber 5% an Facebook beteiltigt. Ansonsten ist das Russische Netzwerk jedoch bei aller ähnlichkeit an den kritischen Stellen erheblich angenehmer und wäre bei einer Überwachungs sensibillisirten Öffentlichkeit wie in Russland schon im Ansatz mit einigen Frechheiten von FB gescheitert. Heute ist das inzwischen auch auf Deutsch funktionierende Netzwerk mit ueber 150 Million Usern Marktführer im Osten. Es hat definitiv die beste Musikauswahl und den genialsten Player. Wer russisch spricht hat zwar immer noch vorteile aber im direkten Vergleich mit FB versucht VK nicht ständig in meine Privatsphaere einzudrigen und mir den Spass am Netz wegzuregeln.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.