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Soziale Netzwerke: Google und Yahoo suchen neue Freunde

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Yahoo entwickelt ein neues soziales Netzwerk, Google sammelt an Universitäten Ideen für die nächste Menschel-Maschine. Denn im sozialen Netz sind die beiden Web-Konzerne Zwerge. Helfen könnte das "Vereinigte Soziale Netzwerk" – ein Zugang zu allen Web-Gemeinschaften.

Ein gelber Comic-Vogel lehnt an einem Ypsilon-förmigen Baumstamm, freut sich über sein leckeres Mittagessen und ruft: "Yahoo". Dieser Video-Clip aus der Sesamstraße kursiert durch die Yahoo-Zentrale im kalifornischen Sunnyvale. Offenbar empfehlen Nutzer einer neuen, noch geheimen Web-Gemeinschaft namens Mosh solche Clips munter an Yahoo-Kollegen weiter. Zumindest taucht bei Youtube als Ursprung mancher Zugriffe die merkwürdige Domain mosh.yahoo.com auf.

Yahoo-Zentrale: Mitarbeiter testen hier die neue Yahoo-Web-Gemeinschaft
AFP

Yahoo-Zentrale: Mitarbeiter testen hier die neue Yahoo-Web-Gemeinschaft

Mosh, so heißt die neue Webgemeinschaft, an der Yahoo offensichtlich arbeitet. Unter mosh.yahoo.com findet man eine Login-Seite mít dem Hinweis darauf, dass der Dienst im Netzwerk der Yahoo-Zentrale eigentlich ohne Login funktionieren müsste. Außerdem zitiert der US-Branchendienst Techcrunch eine Yahoo-Stellenanzeige, die Mitarbeiter an Bekannte verschickt haben.

Es geht um zwei Praktikanten für ein "neues, cooles soziales Netzwerk". Voraussetzungen: "Du hast viele, viele Freunde bei Facebook, Myspace usw.. Und du bist verdammt lustig." Yahoo-Sprecherin Judith Sterl bestätigt SPIEGEL ONLINE: "Wir testen intern viele Produkte, die auch in Richtung Social Networks gehen. Details kommunizieren wir jedoch im Moment nicht."

Google sucht neue Ideen

Auch Google sammelt offensichtlich Ideen für eine neue Webgemeinschaft. Der Konzern hat im vergangen Jahr ein Forschungsprojekt an der Carnegie-Mellon-Universität gefördert, bei dem Studenten das Konzept für eine neue, allumfassende Web-Gemeinschaft ausgetüftelt haben: Socialstream. Nur weil Google ein Uni-Projekt finanziert, muss der Konzern solche Ideen jedoch nicht zu einem Projekt machen. Allerdings bestätigt Google-Sprecher Stefan Keuchel SPIEGEL ONLINE: "Webgemeinschaften sind ein Thema für Google. Wir sind mit Orkut ja bereits in diesem Bereich aktiv und Projekte wie Socialstream belegen unser Interesse an diesem Markt."

Analyst: Die Marktbereinigung kommt

Richtig erfolgreich ist die Google-Gemeinschaft Orkut allerdings nur in Brasilien und Indien. Das Yahoo-Netzwerk 360° kann nicht einmal solche Erfolge vorweisen. Es läuft - aber Nummer 1 ist es nirgends. Die beiden großen Web-Konzerne brauchen neue Ideen, um den Web-Gemeinschafts-Markt aufzurollen. Branchenkenner halten das für gut möglich. Stefan Heng, Analyst bei der Deutschen Bank, zu SPIEGEL ONLINE: "Im Moment haben wir bei sozialen Netzwerken einen noch sehr fragmentierten Markt."

Es gebe zwar schon nationale und internationale "Kondensationskerne" wie StudiVZ oder Myspace, doch die echte Marktbereinigung komme noch. Analyst Heng: "Womöglich kommt einer der bisherigen Anbieter durch Zukäufe oder durch natürliches Wachstum zu großen Marktanteilen." Heng hält aber auch ein anderes Szenario für wahrscheinlich: "Einer der großen Internet-Akteure rollt das Segment der sozialen Netzwerke auf - durch Zukäufe oder eine eigene Plattform, mit einem mehr inhaltlichen als technischen Alleinstellungsmerkmal."

Das nächste große Ding: Integration

Nur: Was könnte dieses Alleinstellungsmerkmal sein? Die Forscher der Carnegie-Mellon-Universität sehen einen großen Bedarf an Integration. Sie planen Socialstream als das "Vereinigte Soziale Netzwerk", wo Nutzer "Inhalte aus verschiedenen Quellen und Web-Gemeinschaften nahtlos teilen, betrachten und kommentieren können."

Ein Angebot wie Socialstream fehlt tatsächlich. Fast jeder Webnutzer kennt das: Die deutschen Berufskollegen sind bei Xing, die amerikanischen bei Linkedin, irgendwer bei Myspace und die Bekannten, mit denen man Fotos teilt, bei Flickr. Überall muss man von neuem dieselben Profildaten eingeben und aktualisieren, für jeden Kontakt und Zweck die passende Web-Gemeinschaft suchen und sich einloggen. Es fehlt eine zentrale Anlaufstelle fürs Gemeinschaftsnetz, etwas, das Suchmaschinen fürs Web leisten.

Diese Idee entwickeln die Socialstream-Macher. Ihr Entwurf fasst Zugänge unterschiedlicher Web-Gemeinschaften in einem Portal zusammen. Es ist egal, wo jemand angemeldet ist und wo neue Nachrichten, Bilder, Kommentare auftauchen – man sieht es. Und man kann all seine Kontakte plattformübergreifend durchsuchen. Ein Video zeigt eine Beta-Version der Anwendung:

Suchfunktion immer wichtiger

Nutzern ist die Suchfunktion bei Web-Gemeinschaften offenbar enorm wichtig. Facebook, ein schnell wachsender US-Anbieter (mit geschätzten 23 Millionen aktiven Nutzern) hat eine eigene Suchmaschine entwickelt. Das begründet Technik-Chef Aditya Agarwal im Firmen-Blog so: "Die Suchanfragen auf Facebook haben eine besondere Struktur, die nur wir verstehen können". Inzwischen wickelt das System mehr als 600 Millionen Suchanfragen im Monat ab – damit ist Facebook unter den 20 größten Suchmaschinen, obwohl es gar nicht als solche wahrgenommen wird, vielmehr immer noch als Web-Gemeinschaft gilt.

Diese Wahrnehmung dürfte sich ändern. Yahoo hat längst sein Foto-Portal Flickr in die Yahoo-Bildersuche integriert. Ergebnis: Laut Statistik-Dienstleister Hitwise 38 Prozent mehr Zugriffe binnen eines Monats. Die Beispiele zeigen: Web-Gemeinschaften profitieren, wenn Suchmaschinen neue Zugänge zu ihren Inseln bauen. Chancen für eine andere Anwendung sieht Deutsche-Bank-Analyst Heng: "Suchmaschinen wissen sehr viel von uns, von unseren Interessen und Gewohnheiten. Suchanfragen wären doch ein interessanter Rohstoff, um Menschen mit ähnlichen Interessen per Software zusammenzubringen."

70.000 Webgemeinschaften unter einem Dach

Von Suchmaschinen, die verschiedene Inseln durchsuchen, ist es nicht mehr weit zu einem Angebot, das Webgemeinschaften unter einem Dach sammelt. An diese Vision glaubt Marc Andreesen, ehemals Netscape-Boss, heute Gründer der Firma Ning. Dieser Anbieter ermöglicht es Nutzern, mit ein paar Mausklicks eigene Web-Gemeinschaften auf einer einheitlichen Plattform zu starten. 70.000 solcher Communitys hat Ning seit Oktober 2004 versammelt – von Smashing-Pumpkins-Fans über eBay-Händler in New York bis hin zu US-Diabetikern.

Ein Login für 70.000 Gemeinschaften – die Idee überzeugt Investoren offensichtlich. Anfang dieser Woche hat Ning die Zusage für eine dritte, große Finanzierungsrunde erhalten: 44 Millionen Dollar investieren Risikokaptial-Geber in Ning – ein bereits heute funktionierendes "Vereinigtes Soziales Netzwerk".

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