Datenauswertung Facebook analysiert das Liebesleben

Facebook hat zum Valentinstag Statistiken zur Liebe im sozialen Netzwerk veröffentlicht. Ergebnisse: Die Muster, wie Liebende zusammenkommen und sich wieder trennen, sind global sehr ähnlich. Und wer Jedi ist, hat nur selten einen Jedi-Partner.

Facebook-Nutzer: Bei der Liebe gibt es wenige Fragezeichen
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Facebook-Nutzer: Bei der Liebe gibt es wenige Fragezeichen


Facebook-Statistiker aus der "Data Science"-Abteilung analysieren in sechs Blog-Einträgen die Zusammenhänge von Liebe und Religion, Alter, Beziehungsdauer, Flirt-, Anbahnungs- und Trennungsverhalten. Zumindest die Zusammenhänge, die aus dem Kommunikationsverhalten auf Facebook hervorgehen.

Bei der Liebe, das suggerieren die Auswertungen, gibt es wenige Fragezeichen. Was weiß Facebook über die Liebe? Eine Menge:

1. Altersunterschied

Bei heterosexuellen Paaren ist weltweit der männliche Part durchschnittlich 2,4 Jahre älter als der weibliche - in 67 Prozent der bei Facebook registrierten Beziehungen ist der Mann älter als die Frau, in 20 Prozent ist die Frau älter als der Mann, in 13 Prozent sind beide Partner gleich alt.

Bei homosexuellen Paaren ist der Altersunterschied größer, dabei spielt es kaum eine Rolle, ob es Frau-Frau- oder Mann-Mann-Beziehungen sind. Für beide sexuellen Präferenzen gilt: Je älter, desto größer der durchschnittliche Altersunterschied.

Interessant: In Ländern, in denen die sozialen Rollen von Männern und Frauen weit auseinanderklaffen, wo also der so genannte Gender-Gap-Wert besonders groß ist, ist auch der Altersunterschied von Paaren besonders hoch.

2. Beziehungsdauer

Eine Beziehung hält länger, je länger ein Paar zusammen ist. Die Facebook-Mitarbeiter erklären das mit dieser Hypothese: Je länger Paare zusammen sind, desto mehr Beziehungskrach haben sie hinter sich, nach X Jahren halten nur mehr die von sich aus stabilsten Partnerschaften zusammen.

Die höchste Trennungswahrscheinlichkeit gibt es tatsächlich bei frischen Pärchen, sie nimmt bei den von Facebook beobachteten Partnerschaften in etwa logarithmisch mit dem Alter ab. Das siebte Jahr sticht statistisch nicht hervor. Die Forscher deuten nur an, dass es interessante sogenannte Kohorteneffekte geben könnte: Beziehungscharakteristika, die sich aus der Gründungszeit der Beziehung erben (Krisen-Ende/Boom-Anfang/Sommer/Winter).

Interessant: Paare trennen sich in den Sommermonaten und sind besonders stabil im Februar ("Wegen Valentinstag?", fragen sich die Forscher). Außerdem verzeichnen die Forscher einen krassen Anstieg der Trennungen in den USA seit Sommer 2011. Möglicher Einfluss: die sich erholende US-Wirtschaft.

3. Städte der Liebe

Die geographische Analyse der Ortsdaten zeigt zum Beispiel Städte mit hohem Single-Anteil - Detroit, Los Angeles, New York, Miami, Memphis. Hohe Pärchendichte gibt es in US-Städten wie Colorado Springs, El Paso, Louisville, Fort Worth.

4. Liebe und Religion

Wenn die Facebook-Forscher an Liebe und Glaube denken, dann interessieren sie sich nur fürs langweiligste Thema: Wie in Pärchen die Gläubigkeit verteilt ist und in welchen Ländern es mehr gleichgläubige und gemischtgläubige Paare gibt. Hervorstechend ist die Ungleichverteilung zwischen den Religionen, mit starken Gleichheitstendenzen bei Sikhs, Mormonen, Zeugen Jehovas, Muslimen, Hindus und Christen. Wer Jedi ist, hat nur selten einen Jedi-Partner.

5. Wie Liebe wächst

Am interessantesten sind die Daten zur Formierung und Auflösung von romantischen Zweierbünden - andere beobachten die Facebook-Forscher nicht. Wenn sich Liebe anbahnt, zeichnet sich das in einem deutlichen Anstieg der gegenseitigen Timeline-Posts ab. Sobald die Beziehung beginnt, fällt diese Kurve dramatisch ab - man ist nun für sich. Das zeichnet sich auch in dem emotionalen Gehalt der Posts ab - die werden nach Beziehungsbeginn zwar spärlicher, dafür herzlicher; auch wenn die Forscher dem nicht auf den Grund gehen. Immerhin muss eine Beziehung ja auch nach außen dargestellt werden.

6. Wie Liebe wieder vergeht

Wie Liebe wächst, kann sie auch vergehen - und im sozialen Netzwerk Spuren hinterlassen. Am Tag vor der Trennung steigt die Aktivität im Freundeskreis an, schlägt kurz nach der Trennung stark aus und pendelt sich in den Wochen nach der Trennung auf einem höheren Niveau als zuvor wieder ein.

7. Facebook erkennt die schwachen Momente eines Menschen

Diese Zahlen und Graphen mögen spannend oder sogar erhellend sein - sie sollten aber auch Bedenken schüren. Weil Facebook quasi aus der Vogelperspektive auf Beziehungsnetze schauen kann und riesige Datenmengen zur Verfügung hat, könnten Facebook-Soziologen und -Psychologen menschliches Verhalten und gesellschaftliche Trends vorhersehen. Sie könnten Einfluss nehmen oder schwache Momente eines Menschen ausnutzen - etwa, wenn sich ein Beziehungsende abzeichnet.

Für all das sind keine Analysen der Nachrichteninhalte nötig, sondern allein die Betrachtung der so genannten Metadaten: wer mit wem wann in Kontakt tritt. Und genau diese Daten stehen in großer Menge und ständiger Verfügbarkeit auch den Analysten etwa des Geheimdienstes NSA zur Verfügung. Diese harmlosen Analysen zum Valentinstag können deshalb auch als Warnung verstanden werden: Durch eine Analystenbrille stellt sich die romantische Liebe als abgekartetes Spiel dar. Die Liebe ist vielleicht der einzige Weg zur inneren Freiheit - aber sie lässt sich auch dazu ausnutzen, um Menschen zu gängeln.

fko



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insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
philosoph123 17.02.2014
1. Beängstigend
Der Artikel zeigt ganz klar wie stark ich Menschen beeinflussen kann, wenn ich Zugriff auf ihre Daten habe. Das kann auch alles noch viel krasser werden als es im Augenblick mit der NSA ist. Die Schufa ist ja schon dabei die sozialen Netzwerke zu durchschnüffeln. Warum sollten dann z. B. nicht Versicherungsagenten wissen wann ihre Kunden "emotional down" sind. Dann kann man Preiserhöhungen, neue teurere Tarife und anstehende Vertragsverhandlungen ja gewinnbringender durchziehen.
hjm 17.02.2014
2.
Zitat von sysopDPAFacebook hat zum Valentinstag Statistiken zur Liebe im sozialen Netzwerk veröffentlicht. Ergebnisse: Die Muster, wie Liebende zusammenkommen und sich wieder trennen sind global sehr ähnlich. Und wer Jedi ist, hat nur selten einen Jedi-Partner. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/soziales-netzwerk-facebook-analysiert-das-liebesleben-a-953889.html
Was die Datenanalyse festgestellt hat, ist nicht, dass diese Muster „global“ sehr ähnlich sind, sondern höchstens „innerhalb der Facebook-Gemeinde“. Das mit „global” ohne weitere Differenzierung gleichzusetzen weist auf eine gewisse Selbstüberschätzung hin. Das ist so, als würde ich sagen, die Menschen würden global nach sehr ähnlichen Mustern zu ihrem Gott beten. Und festgestellt habe ich das, indem ich mir rund um den Globus die Besucher von katholischen Kirchen angeschaut habe.
phrasensport 17.02.2014
3. Wieder einmal...
...völlig sinnfrei! Facebook und alles was damit zusammenhängt geht mir so am A**** vorbei, dass ich kaum die notwendigen Adjektive dafür finde! Des weiteren sind diese Analysen so repräsentativ wie Toastbrot! Alleine die Tatsache, das hier "Liebe" und "Beziehung" in einen Topf geworfen werden, zeigt wie wenig investigativ dieser Artikel ist! Schön wärs - ist es aber nicht!
Pfeiffer mit drei F 17.02.2014
4.
Also ich bin ja ein sehr aktiver Facebook-Nutzer, aber ich bin im Leben noch nie auf die Idee gekommen, dort meinen Beziehungsstatus zu veröffentlichen.
sebastian.weber83 17.02.2014
5.
Zitat von hjmWas die Datenanalyse festgestellt hat, ist nicht, dass diese Muster „global“ sehr ähnlich sind, sondern höchstens „innerhalb der Facebook-Gemeinde“. Das mit „global” ohne weitere Differenzierung gleichzusetzen weist auf eine gewisse Selbstüberschätzung hin. Das ist so, als würde ich sagen, die Menschen würden global nach sehr ähnlichen Mustern zu ihrem Gott beten. Und festgestellt habe ich das, indem ich mir rund um den Globus die Besucher von katholischen Kirchen angeschaut habe.
Bei rund 1,2 Milliarden Nutzern weltweit, kann man das statistisch glaube ich schon allgemeingültig ausdrücken...
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