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Spähattacke: Spanner-Hacker im Kinderzimmer

Spion im eigenen Heim: Im Rheinland haben Ermittler einen Mann gefasst, der über gekaperte Webcams Mädchen in ihren Kinderzimmern beobachtet haben soll. Es ist nicht der erste derartige Fall - Experten fordern mehr Vorsicht.

Webcam (Symbolbild): Heimlich Kontrolle übernommen, Benutzerinnen ausspioniert Zur Großansicht
AFP

Webcam (Symbolbild): Heimlich Kontrolle übernommen, Benutzerinnen ausspioniert

Bielefeld/Aachen - Es ist ein echter Eltern-Albtraum. Ein Mann benutzt die Kamera im Computer der eigenen Tochter, um das Kind in seinem eigenen Zimmer zu beobachten. Jederzeit.

Ein Hacker aus dem Rheinland soll genau das getan haben. "Eine Person steht im Verdacht, unerlaubt Computer mit Schadprogrammen ausspioniert und Webcams manipuliert zu haben", sagte am Freitag ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Aachen der Nachrichtenagentur dpa. Er bestätigte damit im Kern einen Bericht des "Westfalenblatts", demzufolge der Mann mehr als 150 Mädchen in ihren Kinderzimmern beobachtet hat. Zur genauen Zahl schwieg der Sprecher.

Die Spähattacke aufgedeckt hat Thomas Floß vom Berufsverband der Datenschutzbeauftragten Deutschlands (BvD). Der IT-Berater aus dem westfälischen Versmold hält in Schulen regelmäßig Vorträge, um Kinder und Jugendliche für den Datenschutz zu sensibilisieren. Er präsentierte "dort unter anderem ein Video, das zeigt, wie Kinder heimlich über eine Webcam beobachtet werden", sagte er t-online.de. "Damit will ich zeigen, wie gefährlich Webcams sind. Als ab Februar plötzlich immer mehr Schülerinnen den Verdacht äußerten, dass genau das bei ihnen passiert, wurde ich stutzig."

Unter anderem hätten zwei Mädchen erzählt, dass die Kontrollleuchte an ihren Webcams nicht ausgeht. Ein Kind habe dann einen Rechner zur Verfügung gestellt. Bei der Untersuchung entdeckte der Experte nach eigenen Angaben sogenannte Trojaner, die im Hintergrund die Kontrolle über die Geräte übernehmen. Sie seien über den Chat-Dienst ICQ verbreitet worden.

Der Täter habe das Nutzerkonto eines Gymnasiasten geknackt, das nur mit einem schwachen Passwort geschützt war, sagte Floß. Er habe über Internetforen offenbar noch eine Auswahl getroffen, welchen Mädchen er das Schadprogramm schicken wolle. Den Trojaner habe er dann von der Adresse des Schülers aus als Bildschirmschoner versandt - wer die Datei öffnete, hatte das Programm auf dem Rechner, das dem Mann die Fernsteuerung des Computers und das Spannen per Webcam erlaubte.

"Viele trauten sich nicht, davon zu sprechen"

Über die IP-Adresse des Mannes konnte Floß die Region Aachen als Ausgangspunkt der Attacke ausmachen und erstattete dort bei der Staatsanwaltschaft Anzeige. Als die Polizei den Mann festgenommen habe, seien auf dessen Rechnern viele Live-Videofeeds aus Kinderzimmern gelaufen, schreiben das "Westfalen-Blatt" und Golem.de.

Der Täter habe es vor allem auf Mädchen abgesehen. Jungen seien nur selten betroffen. Von einem Einzelfall geht Floß nicht aus. "Ich habe 50 bis 60 Schulen besucht - jedes Mal hat sich mindestens eine Schülerin gemeldet, bei der solch ein Problem aufgetreten ist", sagt der Experte. "Und viele andere trauten sich nicht, davon zu sprechen."

Floß rät zu Skepsis beim Chatten - und zum Nachfragen per SMS bei unerwarteten Dateiübertragungen von Bekannten. Außerdem solle man darauf achten, "ob der Computer noch angeschaltet ist, während man selbst schon nicht mehr daran sitzt", sagte Floß dem "Westfalen-Blatt". Auch aktuelle Schutzsoftware ist wichtig.

Ein ähnlicher Fall war erst vor wenigen Wochen in den USA aufgedeckt worden. Dort verschaffte sich ein Hacker über Schadsoftware Zugriff auf Webcams und Festplatten einer Vielzahl junger Frauen. Dem Angreifer ging es nicht vornehmlich um Geld, sondern um Nacktbilder und -videos von seinen Opfern. Zunächst setzte er sie der Bundespolizei FBI zufolge mit der Drohung unter Druck, er werde anzügliche Bilder und private Daten veröffentlichen, die er von ihren Computern gestohlen habe - es sei denn, sie schickten ihm noch weitere Nacktbilder. Auch dieser Täter spionierte seine Opfer über deren Webcams auf, auch er verteilte Schadsoftware über gekaperte Instant-Messaging-Accounts.

Unerwünschte Einblicke per Webcam genehmigten sich angeblich auch Mitarbeiter einer Schule im US-Bundesstaat Pennsylvania. Die Schule hatte ihren Schülern Laptops für die Heimarbeit zur Verfügung gestellt - und dabei die Möglichkeit geschaffen, auf die Webcam der Geräte zuzugreifen oder Screenshots von den Computer-Aktivitäten der Schüler zu machen. Einem Schüler wurde vorgeworfen, er habe sich zu Hause "unanständig" verhalten - als Beweis diente einem Zeitungsbericht zufolge ein Foto, das mit der Webcam des 15-Jährigen gemacht worden war. Erboste Eltern klagten gegen die mutmaßlichen Späh-Attacken aus der Schule.

cis/dpa

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1. oooo
inci 16.07.2010
am einfachsten löst man dieses problem, bzw. läßt es erst gar nicht entstehen, wenn man geräte ohne integrierte kamera kauft.
2. Sorgloser Umgang mit der Technik
maconaut, 16.07.2010
- Dateien aus unbekannter Quelle werden geöffnet. - Virenscanner sind nicht da oder nicht aktuell. - Kinder/Jugendliche haben Adminrechte auf dem Gerät. - "Die Lampe der Kamera geht nicht aus", warum dann nicht die Kamera ausstecken bzw. das Laptop zuklappen bzw. die Kamera abdecken wenn nicht benötigt? Viele Kinder und Jugendliche sind zwar mit der Anwendung der neuen Technik schnell vertraut, nicht aber mit der SICHEREN Anwendung. Im Straßenverkehr gäbe das ein Chaos - wir lassen 14jährige einfach mal 10 Stunden auf einem Parkplatz selbst üben und sie werden das Auto schon bewegen können - und dann geht es ab auf die Straße. Die Eltern können auch nicht viel helfen, sind meist noch weniger informiert als die Kinder.
3. so einfach gehts
GnRH 16.07.2010
Das Problem ist doch schon lange bekannt, die Lösung auch. Einfach die Linse der Cam abkleben und bei Gebrauch wieder runter damit...
4. Linux vs Windows
ignazwrobel 16.07.2010
Zitat von sysopSpion im eigenen Heim: Im Rheinland haben Ermittler einen Mann gefasst, der über gekaperte Webcams Mädchen in ihren Kinderzimmern beobachtet haben soll. Es ist nicht der erste derartige Fall - Experten fordern mehr Vorsicht. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,706883,00.html
Ja. Ja die Hackerfront ist sehr erfolgreich, weil die meisten User es ihnen auch sehr leicht machen, in dem sie alles öffnen was ihnen über das Internet geschickt wird. Windows macht dann noch seine Arbeit gut und schon ist es passiert. Macht Euch mal mit Linux vertraut Ubuntu http://de.wikipedia.org/wiki/Ubuntu *Opensuse* http://de.wikipedia.org/wiki/OpenSUSE
5. .
Arthi, 16.07.2010
Jegliche Kameras die mit Funk arbeiten kann man auch anzapfen. Ich meine Report hatte da die Baby-Cams und die Überwachungskameras in Geschäften angezapft. Aber auch die Polizei ist ja nicht sicher. ;) http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,392649,00.html
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Schad- und Spähsoftware
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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potenziell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.


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