Unerwünschte E-Mails: Wie stopft man das Loch im Spam-Filter?

Von Frank Patalong

Bizarre Phishing-Mails, falsche Anwaltsdrohungen, bedrohliche Bank-Benachrichtigungen: Der E-Mail-Betrug scheint unausrottbar. Experte Michel Krämer erklärt, wie man sich gegen die Spam-Flut schützen kann und sollte.

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Die Hand am anderen Ende: Das Gros der Betrugsdelikte wird heute online eingeleitet

SPIEGEL ONLINE: Wer setzt Spam- und Phishing-Mails in Umlauf und warum?

Michel Krämer: Viele Spam-Nachrichten sind unerwünschte Werbung, mit der der Versender Geld verdienen will. Im einfachsten Fall handelt es sich um Angebote, die der Empfänger erhält, weil er zum Beispiel einmal an einem Preisausschreiben teilgenommen und dort seine E-Mail-Adresse angegeben hat. In den allermeisten Fällen sind es jedoch unseriöse Mails mit Produkten aus dem Erotik-Bereich. Darüber hinaus werden häufig Mails versendet, die einfach nur Kauderwelsch enthalten. Es ist nicht ganz geklärt, warum die letzte Art überhaupt vorkommt.

SPIEGEL ONLINE: Eine Theorie ist ja, dass sie dazu dienen, automatisch generierte Mail-Adressen darauf zu prüfen, ob sie wirklich existieren. Die meisten Mail-Accounts verfügen heute über Spam-Filter: Warum kommt sowas trotzdem durch?

Krämer: Die Art und der Inhalt der Spam-Nachrichten, die täglich im Internet unterwegs sind, ändern sich ständig. Unter anderem auch, weil die Versender nach neuen Wegen suchen, Spam-Filter zu umgehen. Die Filter müssen daher regelmäßig aktuell gehalten werden.

Beispiele: Spam- und Phishing-Mails
Typ: Phishing-Mail
Masche: Aus aktuellem Anlass Einloggen nötig, sonst Sperrung etc.
Ziel: Passwörter und PINs abgreifen
Qualität der Attacke: Meist dämlich bis durchsichtig

Beispiel 1: Die angebliche Paypal-E-Mail

"Ungewöhnliche Kontobewegungen haben es notwendig gemacht Ihr Konto einzugrenzen bis zusätzliche Informationen zur Überprüfung gesammelt werden. Zur Zeit haben Sie nur begrenzten Zugang zu Ihrem Pay Pal Konto. Wir bitten Sie daher die von uns angeforderten Kontodaten zu erneuern.
Bitte klicken Sie hier"

Beispiel 2: Die angebliche Visa-/Mastercard-Mail

"Sehr geehrter Kunde,
Die Kreditkarte aus Sicherheitsgründen gesperrt worden. Wieder herzustellen und weiter zu tätigen und entgegenzunehmen Zahlungen online.
Zum Aktualisieren hier klicken"

SPIEGEL ONLINE: So wie Virenschutz-Software also. Ist es egal, was für einen Filter man nutzt? Gibt es da überhaupt Unterschiede?

Krämer: Es gibt sehr unterschiedliche Filter. Der größte Unterschied liegt darin, ob die Software vom Mail-Account-Anbieter betrieben wird, oder ob der Benutzer selbst ein Programm installiert hat. Vom Anbieter betriebene Filter haben in der Regel den Nachteil, dass man als Benutzer keinen Einfluss darauf hat, welche Nachrichten herausgefiltert werden und welche nicht. Man ist also darauf angewiesen, dass der Mail-Account-Anbieter den Filter regelmäßig pflegt und darauf achtet, dass keine guten Nachrichten aus Versehen blockiert werden. Dies kann - je nach Anbieter - gut oder auch nicht so gut funktionieren.

SPIEGEL ONLINE: Also lieber selber filtern?

Krämer: Man hat mehr Kontrolle, wenn man sich ein spezielles Programm auf den eigenen Rechner installiert. Mein Freeware-Programm Spamihilator schaltet sich zwischen das Internet und das E-Mail-Programm (z.B. Outlook oder Thunderbird). Spamihilator bietet mehrere Spam-Filter, die hintereinander geschaltet sind. Jeder Filter ist für eine bestimmte Art von Spam optimiert. Dadurch, dass Spamihilator lokal installiert wird, hat man als Benutzer volle Kontrolle darüber, was mit den empfangenen Mails passiert.

SPIEGEL ONLINE: Als besonders gefährlich gelten Phishing-Mails...

Krämer: Hinter Phishing-Mails stehen Betrüger, die versuchen, an private Informationen der Empfänger zu gelangen (z.B. Kontodaten, Passwörter oder Kreditkartennummern). Besonders tückisch daran ist, dass Phishing-Mails aussehen wie normale E-Mails. Die Betrüger fälschen z.B. Nachrichten von Banken oder Kreditkartenunternehmen. Viele Empfänger halten solche Mails für echt und geben dann in gutem Glauben ihre privaten Informationen frei.

SPIEGEL ONLINE: Kann man so etwas mit Filtern allein verhindern?

Krämer: Filter sind ein gutes Mittel, um einen Großteil dieser Nachrichten von vornherein zu eliminieren. Man sollte sich aber nicht alleine darauf verlassen. E-Mail-Programme und Web-Browser besitzen zusätzliche Funktionen, um Phishing-Mails und entsprechende Webseiten zu erkennen. Achten Sie auf die Warnungen, die Ihnen in diesen Programmen angezeigt werden. Darüber hinaus seien Sie immer vorsichtig, wenn Sie private Informationen im Internet eingeben sollen. Prüfen Sie lieber zweimal, ob dies überhaupt nötig ist.

SPIEGEL ONLINE: Wie kann man selbst zu seinem Schutz beitragen?

Krämer: Weder Phishing- noch Spam-Mails können durch einen Filter alleine ausreichend geblockt werden. Einen guten Schutz erreichen Sie nur, wenn Sie mehrere Filter installieren. Darüber hinaus müssen diese regelmäßig gepflegt werden, damit sie auf das aktuelle Spam-Aufkommen reagieren können.

Spam-Varianten: Geldwäscher gesucht
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SPIEGEL ONLINE: Der Filter muss also händisch "trainiert" werden, indem man ihm mitteilt, was gut ist und was nicht. Gibt es zusätzliche Tipps oder Verhaltensweisen, mit denen sich vermeiden lässt, Opfer von Spam-Betrügern zu werden?

Krämer: Die meisten Phishing-Mails und Betrugs-Spam-Mails kann man relativ leicht erkennen. Ihre Bank wird Sie zum Beispiel niemals nach Ihrem Passwort fragen. Außerdem ist es unwahrscheinlich, dass Ihnen ein Herr mit einem asiatisch klingenden Namen drei Millionen Dollar schenken möchte. Gehen Sie umsichtig mit E-Mails um und bleiben Sie ruhig, wenn Sie eine Nachricht erhalten, in der steht, dass Ihr Konto gesperrt wurde oder dass Sie eine besonders hohe Rechnung begleichen müssen für Waren, die Sie nie bestellt haben. Klicken Sie in solchen Fällen nie auf die Links, die in den Mails angegeben sind, sondern prüfen Sie erst, ob es sich hier vielleicht um einen Betrug handeln könnte. Achten Sie auch auf Fehler in der Rechtschreibung und Grammatik. Phishing-Mails werden häufig von Absendern versandt, die weder der deutschen noch der englischen Sprache besonders mächtig sind. Rechtschreibfehler in einer vermeintlichen E-Mail Ihrer Bank sollten Sie sofort aufmerksam machen.

SPIEGEL ONLINE: In den letzten Monaten scheint die Zahl der Spams, die es durch die Filter schaffen, wieder gestiegen zu sein. Ist das ein Trend?

Krämer: Spam tritt häufig in Wellen auf. In der Presse wird des öfteren berichtet, dass sogenannte Bot-Netzwerke ausgehoben wurden. In den darauf folgenden Monaten berichten viele Nutzer tatsächlich auch von einem Rückgang im Spam-Aufkommen. Internetbetrüger schlafen aber nicht und bauen neue Netzwerke auf, mit denen automatisch weiterer Spam versandt wird.

Die Fragen stellte Frank Patalong

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  • Samstag, 25.08.2012 – 07:23 Uhr
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Zur Person
Michel Krämer arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung (IGD) in Darmstadt. Seine Forschungsinteressen liegen in der Anwendung moderner und neuartiger Programmiersprachen sowie im Bereich der künstlichen Intelligenz für Geographische Informationssysteme (GIS). Er ist Autor der freien Anti-Spam-Software Spamihilator sowie verschiedener Open-Source-Veröffentlichungen. Darüber hinaus ist er Redner auf Konferenzen und Workshops im Bereich der Geoinformatik und übt einen Lehrauftrag an der Technischen Hochschule Mittelhessen aus.

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