Unerwünschte E-Mails: Wie stopft man das Loch im Spam-Filter?

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Bizarre Phishing-Mails, falsche Anwaltsdrohungen, bedrohliche Bank-Benachrichtigungen: Der E-Mail-Betrug scheint unausrottbar. Experte Michel Krämer erklärt, wie man sich gegen die Spam-Flut schützen kann und sollte.

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Corbis

Die Hand am anderen Ende: Das Gros der Betrugsdelikte wird heute online eingeleitet

SPIEGEL ONLINE: Wer setzt Spam- und Phishing-Mails in Umlauf und warum?

Michel Krämer: Viele Spam-Nachrichten sind unerwünschte Werbung, mit der der Versender Geld verdienen will. Im einfachsten Fall handelt es sich um Angebote, die der Empfänger erhält, weil er zum Beispiel einmal an einem Preisausschreiben teilgenommen und dort seine E-Mail-Adresse angegeben hat. In den allermeisten Fällen sind es jedoch unseriöse Mails mit Produkten aus dem Erotik-Bereich. Darüber hinaus werden häufig Mails versendet, die einfach nur Kauderwelsch enthalten. Es ist nicht ganz geklärt, warum die letzte Art überhaupt vorkommt.

SPIEGEL ONLINE: Eine Theorie ist ja, dass sie dazu dienen, automatisch generierte Mail-Adressen darauf zu prüfen, ob sie wirklich existieren. Die meisten Mail-Accounts verfügen heute über Spam-Filter: Warum kommt sowas trotzdem durch?

Krämer: Die Art und der Inhalt der Spam-Nachrichten, die täglich im Internet unterwegs sind, ändern sich ständig. Unter anderem auch, weil die Versender nach neuen Wegen suchen, Spam-Filter zu umgehen. Die Filter müssen daher regelmäßig aktuell gehalten werden.

Beispiele: Spam- und Phishing-Mails
Angebliche Bank- und Paypal-Briefe
Typ: Phishing-Mail
Masche: Aus aktuellem Anlass Einloggen nötig, sonst Sperrung etc.
Ziel: Passwörter und PINs abgreifen
Qualität der Attacke: Meist dämlich bis durchsichtig

Beispiel 1: Die angebliche Paypal-E-Mail

"Ungewöhnliche Kontobewegungen haben es notwendig gemacht Ihr Konto einzugrenzen bis zusätzliche Informationen zur Überprüfung gesammelt werden. Zur Zeit haben Sie nur begrenzten Zugang zu Ihrem Pay Pal Konto. Wir bitten Sie daher die von uns angeforderten Kontodaten zu erneuern.
Bitte klicken Sie hier"

Beispiel 2: Die angebliche Visa-/Mastercard-Mail

"Sehr geehrter Kunde,
Die Kreditkarte aus Sicherheitsgründen gesperrt worden. Wieder herzustellen und weiter zu tätigen und entgegenzunehmen Zahlungen online.
Zum Aktualisieren hier klicken"

Payload-Briefe: E-Mails mit Schadsoftware-Anhang
Typ: Lock-E-Mails
Masche: Versuch, den Empfänger mit vermeintlichen Services oder lockenden Versprechungen zum Öffnen eines Anhangs zu bringen (oft PDF)
Ziel: Verseuchung des Rechners mit Trojaner oder Ähnlichem
Qualität der Attacke: Variiert von sprachlich katastrophal bis ganz schön ausgefuchst

Beispiel 1: Post von der Post

"Lieber Kunde,
Es ist unserem Boten leider misslungen einen Postsendung an Ihre Adresse zuzustellen. Grund: Ein Fehler in der Leiferanschrift.
Sie konnen Ihre Postsendung in unserer Postabteilung personlich kriegen. Anbei finden Sie einen Postetikett. Sie sollen dieses Postetikett drucken lassen, um Ihre Postsendung in der Postabteilung empfangen zu konnen.
Vielen Dank!
Deutsche Post AG"

Beispiel 2: Der Gewinn in der Lotterie, an der man nie teilgenommen hat

"Im Anhang finden Sie die Gewinnbenachrichtigung.
Bitte affnen Sie die Anlage, ist sicher und Scan-pdf..
Dank.
Management

Sie haben gewonnen

Wir empfehlen Ihnen, pdf Attached Datei öffnen,und wenden Sie sich für Ihr Agent Lotteriegewinn..
Mit freundlichen Grüssen,.
Management"

Scare-Mail: Kombi aus Bank- und Schadsoftewarebriefen
Typ: Phishing-E-Mail
Masche: Sicherheitswarnung, deshalb angeblich Datenübermittlung nötig
Ziel: Persönliche Daten, Passwörter und PINs abgreifen. Kombi aus "Selbstauskunft" und Trojaner-Payload kommt vor
Qualität der Attacke: Meist dämlich bis durchsichtig

Beispiel: Die Kreditkartensperrung mit PDF

"Hallo Gast Visa Europe,
Ihre Kreditkarte wurde ausgesetzt, weil wir ein Problem festgestellt, auf Ihrem Konto. Wir haben zu bestimmen, dass jemand Ihre Karte ohne Ihre Erlaubnis verwendet haben. Für Ihren Schutz haben wir Ihre Kreditkarte aufgehangen.
Um diese Suspension aufzuheben Es ist ganz einfach:

1. Laden Sie die beiliegende Formular aus und offnen Sie sie in einen sicheren Browser-Fenster.
2.Einmal geoffnet, werden Sie mit den Schritten bereitgestellt werden, um Ihren Zugang wieder herzustellen und den Anweisungen folgen..

Vermerk: Wenn diese nicht vollstandig ist , werden wir gezwungen sein, Ihre Karte aussetzen
Wir bedanken uns fur Ihre Zusammenarbeit in dieser Angelegenheit.
Dossier n : PP-1124-075-998

Danke, Kunden-Support-Service.
Copyright 1999-2012 Verifed by Visa . Tous droits réserves."

Nigeria-Scam: Mit Geld lockt man Gierige
Typ: Finanzbetrug, Bauernfängerei, Trickbetrug
Masche: Jemand braucht die Hilfe des Empfängers, um ein paar Millionen zu retten/überweisen/vererben/verschenken etc.
Ziel: Empfänger dazu bringen, "Gebühren" für die Abwicklung halbseidener Millionengeschäfte zu bezahlen
Qualität der Attacke: Unterschiedlich, aber immer unterhaltsam

Beispielhafte Ausschnitte: Verzweifelte Witwen, Unterdrückte, Verfolgte, in Ungnade gefallene Ex-Einflussreiche...

"Guten Tag,
Ich kontaktiere Sie, weil ich auf der Suche nach einem Partner bei der Realisierung eines Projekts bin. Zunaechst moechte ich mich vorstellen; ich bin Barr. Emmanuel Gyan, ich lebe in Accra, Ghana und praktiziere als Rechtsanwalt und ich habe ein ungewoehnliches aber lukratives Angebot f?r Sie. Sie werden mich nicht kennen und ich kenne Sie auch nicht persoenlich und trotzdem bleibt mir keine Wahl eine unbekannte Person anzuschreiben.
Ich bin der Nachlassverwalter eines Klienten, der vor einiger Zeit im Ausland ploetzlich verstarb und ein grosses Vermoegen hinterliess, ohne ein Testament oder einen Erben zu hinterlassen. Es konnte auch nach intensiver Suche auch kein Erbe gefunden werden und nun steht das Vermoegen Gefahr an den Staat zu gehen. Mein Klient war deutsch und deshalb suche ich eine Person aus dem deutschsprachigen Raum, die ich als Erben einsetzen kann.
(...)"

"Guten Tag ,
Bitte nehmen Sie meine aufrichtigen Entschuldigungen an, wenn meine E-mail Ihre pers¿nliche Ethik nicht trifft und auch meine kleine Deutschkenntnisse.
(...)
Ich hei¿e Frau Sarah Britt (eine amerikanische Frau),eine Witwe zu Pensionierten General Micheal J. Britt (ehemaliger Kommandant von der amerikanischen Armee und er hat als Stabschef der Vereinigten Staaten Armee gedient). (...)
Mein sp¿ter Ehemann war sehr wohlhabend und reich und nach seinem Tod, habe ich 60% von seinem Gesch¿ft und Reichtum geerbt, unsere Kinder hat das Reste 40% geerbt.
Der Arzt hat mir geraten,dass ich f¿r mehr als zwei Monate nicht leben kann, deswegen habe ich mich jetzt entschieden, Teil von diesem Reichtum zu teilen,zur Entwicklung von dem wenigen privilegierten Leute in Deutsch-sprechenden Laendern beizutragen, da dies die Wunsch von meinem Ehemann Pensionierten General Micheal J. Britt bevor seinem Tod ist und ich habe ihm versprochen, dass ich alles moeglich machen werde, um zu versichern, dass diese Wunsch erfuellt worden ist.
(...) ICH HABE SiE WEGEN des Unter Grunden Gew¿hlt:

- Sie verstehen Deutsch
- Sie leben in einem Deutsch-sprechenden Land
- Aufzeichnungen an der Botschaft Ihres Landes hier in U.S.A beweisen Ihr hoher Sinn der st¿dtischer Verantwortung."

SPIEGEL ONLINE: So wie Virenschutz-Software also. Ist es egal, was für einen Filter man nutzt? Gibt es da überhaupt Unterschiede?

Krämer: Es gibt sehr unterschiedliche Filter. Der größte Unterschied liegt darin, ob die Software vom Mail-Account-Anbieter betrieben wird, oder ob der Benutzer selbst ein Programm installiert hat. Vom Anbieter betriebene Filter haben in der Regel den Nachteil, dass man als Benutzer keinen Einfluss darauf hat, welche Nachrichten herausgefiltert werden und welche nicht. Man ist also darauf angewiesen, dass der Mail-Account-Anbieter den Filter regelmäßig pflegt und darauf achtet, dass keine guten Nachrichten aus Versehen blockiert werden. Dies kann - je nach Anbieter - gut oder auch nicht so gut funktionieren.

SPIEGEL ONLINE: Also lieber selber filtern?

Krämer: Man hat mehr Kontrolle, wenn man sich ein spezielles Programm auf den eigenen Rechner installiert. Mein Freeware-Programm Spamihilator schaltet sich zwischen das Internet und das E-Mail-Programm (z.B. Outlook oder Thunderbird). Spamihilator bietet mehrere Spam-Filter, die hintereinander geschaltet sind. Jeder Filter ist für eine bestimmte Art von Spam optimiert. Dadurch, dass Spamihilator lokal installiert wird, hat man als Benutzer volle Kontrolle darüber, was mit den empfangenen Mails passiert.

SPIEGEL ONLINE: Als besonders gefährlich gelten Phishing-Mails...

Krämer: Hinter Phishing-Mails stehen Betrüger, die versuchen, an private Informationen der Empfänger zu gelangen (z.B. Kontodaten, Passwörter oder Kreditkartennummern). Besonders tückisch daran ist, dass Phishing-Mails aussehen wie normale E-Mails. Die Betrüger fälschen z.B. Nachrichten von Banken oder Kreditkartenunternehmen. Viele Empfänger halten solche Mails für echt und geben dann in gutem Glauben ihre privaten Informationen frei.

SPIEGEL ONLINE: Kann man so etwas mit Filtern allein verhindern?

Krämer: Filter sind ein gutes Mittel, um einen Großteil dieser Nachrichten von vornherein zu eliminieren. Man sollte sich aber nicht alleine darauf verlassen. E-Mail-Programme und Web-Browser besitzen zusätzliche Funktionen, um Phishing-Mails und entsprechende Webseiten zu erkennen. Achten Sie auf die Warnungen, die Ihnen in diesen Programmen angezeigt werden. Darüber hinaus seien Sie immer vorsichtig, wenn Sie private Informationen im Internet eingeben sollen. Prüfen Sie lieber zweimal, ob dies überhaupt nötig ist.

SPIEGEL ONLINE: Wie kann man selbst zu seinem Schutz beitragen?

Krämer: Weder Phishing- noch Spam-Mails können durch einen Filter alleine ausreichend geblockt werden. Einen guten Schutz erreichen Sie nur, wenn Sie mehrere Filter installieren. Darüber hinaus müssen diese regelmäßig gepflegt werden, damit sie auf das aktuelle Spam-Aufkommen reagieren können.

Spam-Varianten: Geldwäscher gesucht
7500 Euro Nebenverdienst als Mittelsmann?
"Guten Tag!

Wie geht es Ihnen? Ich verfuege ueber Informationen, die sehr interessant fuer Sie sein koennen.
Die Gesellschaft "XXXXXX" sucht nach Geschaeftspartnern gerade in Ihrer Region. Sie sollen sich unbedingt mit den Informationen bekannt machen. Falls Sie zum Partner dieser Gesellschaft werden, koennen Sie in Gewaehrung von mehreren Dienstleistungen vermitteln, z.B.
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Das ist nur ein kleiner Teil der aussichtsreichen Richtungen der moeglichen Zusammenarbeit. Die Gesellschaft verspricht Entlohnung in Hoehe von 7.500,- Euro plus umsatzbezogene Provision. Sie bekommen auch volle juristische und finanzielle Unterstuetzung.

Um sich mit den Mitarbeitern der Gesellschaft "XXXXXX" in Verbindung zu setzen, schreiben Sie bitte eine Mitteilung an folgende Adresse: XXXXX@XXXXXX.xxx .

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Die Legende vom "Payment-Collector"
"Interested Payment Collector,

ABOUT THE COMPANY: I will like you to know more about my company. XXXXX Co., China was established February 1998 and presently, there are 4 subsidiaries under the administration of XXXXX Co., China. We deal in Import and export of (es folgt eine lange Liste von Produkten)...

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Please do send us the below informations immediately i recieved it I shall send you the MOU(memorandum of understanding) to enable us proceed as we have pressing clients in your region owing the company.

Name: Country: Date of Birth: Full Address: Company Name: Position: Phone/Fax: Postal code:

I hope to have informed you well enough, do get back to me asap so I can advise you further.

REGARDS"
SPIEGEL ONLINE: Der Filter muss also händisch "trainiert" werden, indem man ihm mitteilt, was gut ist und was nicht. Gibt es zusätzliche Tipps oder Verhaltensweisen, mit denen sich vermeiden lässt, Opfer von Spam-Betrügern zu werden?

Krämer: Die meisten Phishing-Mails und Betrugs-Spam-Mails kann man relativ leicht erkennen. Ihre Bank wird Sie zum Beispiel niemals nach Ihrem Passwort fragen. Außerdem ist es unwahrscheinlich, dass Ihnen ein Herr mit einem asiatisch klingenden Namen drei Millionen Dollar schenken möchte. Gehen Sie umsichtig mit E-Mails um und bleiben Sie ruhig, wenn Sie eine Nachricht erhalten, in der steht, dass Ihr Konto gesperrt wurde oder dass Sie eine besonders hohe Rechnung begleichen müssen für Waren, die Sie nie bestellt haben. Klicken Sie in solchen Fällen nie auf die Links, die in den Mails angegeben sind, sondern prüfen Sie erst, ob es sich hier vielleicht um einen Betrug handeln könnte. Achten Sie auch auf Fehler in der Rechtschreibung und Grammatik. Phishing-Mails werden häufig von Absendern versandt, die weder der deutschen noch der englischen Sprache besonders mächtig sind. Rechtschreibfehler in einer vermeintlichen E-Mail Ihrer Bank sollten Sie sofort aufmerksam machen.

SPIEGEL ONLINE: In den letzten Monaten scheint die Zahl der Spams, die es durch die Filter schaffen, wieder gestiegen zu sein. Ist das ein Trend?

Krämer: Spam tritt häufig in Wellen auf. In der Presse wird des öfteren berichtet, dass sogenannte Bot-Netzwerke ausgehoben wurden. In den darauf folgenden Monaten berichten viele Nutzer tatsächlich auch von einem Rückgang im Spam-Aufkommen. Internetbetrüger schlafen aber nicht und bauen neue Netzwerke auf, mit denen automatisch weiterer Spam versandt wird.

Die Fragen stellte Frank Patalong

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Zur Person
Michel Krämer arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung (IGD) in Darmstadt. Seine Forschungsinteressen liegen in der Anwendung moderner und neuartiger Programmiersprachen sowie im Bereich der künstlichen Intelligenz für Geographische Informationssysteme (GIS). Er ist Autor der freien Anti-Spam-Software Spamihilator sowie verschiedener Open-Source-Veröffentlichungen. Darüber hinaus ist er Redner auf Konferenzen und Workshops im Bereich der Geoinformatik und übt einen Lehrauftrag an der Technischen Hochschule Mittelhessen aus.

Schad- und Spähsoftware
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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potentiell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.

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