Spam-Schadensersatz: AOL gräbt (wirklich) nach Gold
AOL ist in jüngerer Zeit meist mit eher unangenehmen Meldungen in die Schlagzeilen geraten. Das soll sich jetzt ändern: Im Garten eines verurteilten Spammers will das Unternehmen Gold und Platin finden, das der Mann dort vergraben haben soll.
Goldgräberstimmung herrscht eigentlich nicht in der AOL-Zentrale in den USA. In jüngerer Zeit musste man sich eher mit Themen wie der ungeschickten Veröffentlichung von Suchanfragen hunderttausender US-Nutzer herumschlagen, und mit dem bevorstehenden Verkauf von Teilen des Unternehmens, der wohl zum Verlust von Arbeitsplätzen führen wird. Nun jedoch ist AOL auf Goldsuche - im Garten eines verurteilten Spammers. Der versteckt sich nämlich und kann die 12,8 Millionen Dollar Schadensersatz nicht bezahlen, die er AOL schuldet.
Polizeiauto verlässt das Grundstück von Hawkes Eltern: "Gold- und Platinbarren" im Boden?
"Sie werden sich nur zum Narren machen"
AOL hat einem Richter Quittungen vorgelegt, die nachweisen sollen, dass Hawke große Mengen von Gold- und Platinbarren eingekauft hatte, und die vermutet man nun auf dem Grundstück seiner Eltern. Mit einer Schaufel habe er seine Schätze dort vergraben - nun will man sie mit Hilfe von Geologen und Bulldozern heben.
Hawkes Familie ist davon nicht begeistert: "Mir ist es egal, wenn sie den kompletten Hof umgraben, sie werden sich nur zum Narren machen", sagte seine Mutter, "es gibt absolut keinen Grund anzunehmen, dass Davis Hawke dumm genug wäre, Gold auf unserem Grund und Boden zu vergraben. Mein Sohn ist schon lange weg." Sie habe ihn seit über einem Jahr nicht gesehen. Während AOL die geplante Aktion als "vom Gericht verfügten, von einem Richter gebilligten Rechtsprozess" bezeichnet, "der nur darauf zielt, verborgene Wertgegenstände zu entdecken", will Hawkes Familie das Umpflügen ihres Hinterhofs juristisch stoppen.
Peinlich und demütigend für die Familie
Man hätte "ihm nie erlaubt, irgendwelches Gold auf unserem Besitz zu verstecken", sagte seine Mutter und klagte, die Schatzsuche sei peinlich und demütigend für die Familie. Sie selbst vermutet, ihr Sohn habe seine Schätze in den White Mountains gut 200 Kilometer nördlich von Boston vergraben. Dass es solche Schätze gibt, daran zweifelt auch sie nicht: Davis Hawke habe ihr einmal anvertraut, dass er Gold und nicht teure Häuser oder Autos mit seinen Erträgen kaufe, weil das in Gerichtsverfahren schwerer zu beschlagnahmen sei.
Auch in den USA ist es ungewöhnlich, dass im Garten von Delinquenten nach Gold gesucht wird. In anderen Prozessen gegen Spammer wurden schon Plasmafernseher, Jetskis und andere Wertgegenstände beschlagnahmt - nach Gold gegraben wurde aber noch nie. AOL versicherte der Familie, man werde bei der Aktion so diskret wie möglich vorgehen.
cis/AP
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