Spam, Spam, Spam Das steckt hinter dem Müll-Mail-Schwachsinn

Deutlich mehr als 80 Prozent aller weltweit verschickten E-Mails sind reiner Müll. Lästiger Werbe-Trash, betrügerische Angebote, virtuelle Tretminen - Spam eben. Vom Nigeria-Scam bis zur Phishing-Falle: Wir haben uns angesehen, was da im Postfach lauert - und wie es funktioniert.

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Bis die Box platzt: Warum ist das Gros aller E-Mails Müll?
Corbis

Bis die Box platzt: Warum ist das Gros aller E-Mails Müll?


Linda, die mich wahnsinnig interessant findet, will mich unbedingt kennenlernen. Die Uno gratuliert mir wegen der fünf Millionen, die ich gerade gewonnen habe. FBI-Direktor Robert Mueller will von mir wissen, ob der in New York beschlagnahmte Karton voller Geld wirklich mir gehört. Er schickt den dann eben rüber, sobald ich - gegen eine kleine Gebühr - meine Aussage von einer Bank in Nigeria beglaubigen lasse.

Briefschreiber aus der Türkei, Spanien, Brasilien und aus südostasiatischen Regionen, deren Schriftzeichen ich nicht lesen kann, wollen irgendwas. "Patalong!", schreit mich eine E-Mail-Betreffzeile an, "78 % off on VIAGRA!". Und der vertrauenswürdige Pinky aus Hongkong will einen Vertrag mit mir machen, um den SPIEGEL künftig günstiger zu drucken: "Any question? No hesitation to contact us. It's our great honor to work with you in long term business relationships. Yours Sincerely, Pinky."

Es gibt auch weniger freundliche Post. Anwalt XYZ warnt, dass bald eine fette Mahnung folgt, wenn ich die 40 Euro nicht zahle (wofür oder weswegen ist der E-Mail nicht zu entnehmen). Paypal warnt mich, dass mein (nicht existentes) Konto soeben storniert wurde: Ich solle mich doch bitte auf folgender Web-Seite mit allen meinen Daten einloggen, um Schaden zu vermeiden...

Natürlich sind all die oben geschilderten Zuschriften nichts anderes als lästiger, meist betrügerischer, manchmal Viren transportierender Werbemüll. Meistens aber klingt Spam erfreulich.

Wenn es nach den Inhalten meines stets prall gefüllten Spam-Verdacht-Ordners geht, liebt mich die Welt, will mich vor Schaden bewahren, will mit mir äußerst lukrative Geschäfte machen oder direkt ins Bett hüpfen. Und das alles seit Jahren mit zwar vielfältigen, aber letztlich immer mit den gleichen Maschen. Meist in englischer Sprache (oder einem Kauderwelsch, das zumindest daran erinnert), seit ein paar Jahren auch auf Deutsch (meist aber in einer maschinell übersetzten Variante, bei der man manchmal sogar ahnt, worum es geht). Meistens finden wir das lästig, oft aber auch lustig.

Was soll der ganze Müll?

Wie kann das sein, fragt sich da jeder halbwegs Zurechnungsfähige, dass sich das für diese Spammer lohnt? Wie machen die Geld mit diesen Bagger-Mails, diesen so offensichtlich falschen Mahnungen, Warnungen, Offerten und Lock-Mails? Warum hört das nicht auf? Warum werden die Trickbetrugs-E-Mails nicht zumindest besser? Müsste sich das nicht ausmendeln, müssten miese Abzock-Mailings sich per Erfolglosigkeit nicht selbst erledigen und am Ende nur die Maschen übrigbleiben, die halbwegs überzeugend wirken?

Offenbar nicht, bei Spam macht es die Masse, nicht die Klasse. Das Gros der Werbemüll-, Trickbetrugs- und Virenträger-Zuschriften, die noch immer mehr als 80 Prozent des weltweiten Mail-Aufkommens ausmachen, wird heute zum Glück ausgefiltert. Was dann noch durchkommt, ist für die Versender offenbar immer noch lohnend genug.



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TheBear, 18.03.2011
1.
Zitat von sysopDeutlich mehr als 80 Prozent aller weltweit verschickten E-Mails sind reiner Müll. Lästiger Werbe-Trash, betrügerische Angebote, virtuelle Tretminen - Spam eben. Vom Nigeria-Scam bis zur Phishing-Falle: Wir haben uns angesehen, was da im Postfach lauert - und wie es funktioniert. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,749826,00.html
Der Schwachsinn liegt nicht bei den Versendern des Spam, sondern bei den Millionen von Empfängern, die den Versendern riesige Profitmöglichkeiten bescheren. Leider, wie so oft im Leben, beschert der schwachsinnige Anteil an den Usern den normalen die vollen mail-Boxen. Wenn man nicht endlich das Spammen illegal macht, mit Geldstrafen, die den Spammern den Gewinn auf 0 (oder negative Werte) reduzieren, wird es nie aufhören.
menschsagwas 18.03.2011
2. Spam
...solange jeden Morgen eine handvoll "Menschen" wach wird die darauf reinfällt, rechnet sich das und geht so auch weiter........ Erst wenn jeder Nutzer eine URL lesen und definieren kann wird das aufhören.
waelder 18.03.2011
3. Spam
Also mit Spam habe ich weder bei Yahoo noch bei gmx wirkliche Probleme. Ein einziges Mal als "spam" markiert und alle mails mit derselben Addresse landen nicht in meiner mailbox sondern im Mülleimer. Und der wird regelmäßig automatisch geleert. Aber für die Versender gilt: "There's a sucker born every day, let's get out to catch him." Und solange für eine viel zu große Gruppe die Analyse "Gier frißt Hirn" gilt haben die Spam-Versender Erfolg.
waelder 18.03.2011
4. Spam
Also mit Spam habe ich weder bei Yahoo noch bei gmx wirkliche Probleme. Ein einziges Mal als "spam" markiert und alle mails mit derselben Addresse landen nicht in meiner mailbox sondern im Mülleimer. Und der wird regelmäßig automatisch geleert. Aber für die Versender gilt: "There's a sucker born every day, let's get out to catch him." Und solange für eine viel zu große Gruppe die Analyse "Gier frißt Hirn" gilt haben die Spam-Versender Erfolg.
herkurius 18.03.2011
5. Werbemails
Das Märchen vom Gewinnspiel, bei dem man mal die Bedingungen nicht verstanden haben muss, sodass die eigene E-Mail-Adresse in den Adress-CDs auf dem Spam-Markt gelandet sei, dürfte nur in den seltensten Fällen wahr sein. Ich selber habe nie irgend einer Werbung zugestimmt, war schon als Kind gegen Rundfunkwerbung usw. allergisch (mangelnde Reizfilterung), habe immer das Einverständnis, "von Zeit zu Zeit unseren Newsletter zu erhalten", ent-hakt usw. Es ist aber normal, bei Internetbestellungen eine E-Mail-Adresse obligatorisch zu machen. So bekomme ich dann eben seit Jahren von der Perle der deutschen Elektronikversender jede Woche ein oder mehrere unerwünschte Mails, obwohl ich mich ausdrücklich damit nicht einverstanden erklärt und eine Einstellung dieser Werbung verlangt habe (und obwohl ich für eine fehlerhafte Ware bis zur Anwaltsdrohung gehen musste, um mein Geld wiederzubekommen). Ich wohne auf dem Lande, ohne funktionierendes Auto und decke viel Bedarf über den Versandhandel. Verlage, hochdekorierte Powerseller, Spezialversandhäuser - kein Mensch schert sich darum, ob ich mich je einverstanden erklärt habe, ihren Werbemüll zu bekommen. Abhilfe: man logge sich mal in das Kundenportal seines Kabel-, Telefon- oder Handyvertragsanbieter ein. Sie alle bieten kostenlose E-Mail-Adressen, und fast immer eine mehr oder minder große Anzahl Aliase oder direkt "Wegwerfadressen", die nach 14 Tagen von selber erlöschen. Bei vielen Providern besteht die Möglichkeit auch, wenn man nicht Kunde ist. Muss man wirklich z.B. für eine Bestellbestätigung oder den Erhalt eines Passwortes eine Adresse angeben, so holt man sich eben seine Post dort online ab oder programmiert in Gottesnamen auch diesen Provider in seinem E-Mail-Programm zum Abruf ein.
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