Von Frank Patalong
Linda, die mich wahnsinnig interessant findet, will mich unbedingt kennenlernen. Die Uno gratuliert mir wegen der fünf Millionen, die ich gerade gewonnen habe. FBI-Direktor Robert Mueller will von mir wissen, ob der in New York beschlagnahmte Karton voller Geld wirklich mir gehört. Er schickt den dann eben rüber, sobald ich - gegen eine kleine Gebühr - meine Aussage von einer Bank in Nigeria beglaubigen lasse.
Briefschreiber aus der Türkei, Spanien, Brasilien und aus südostasiatischen Regionen, deren Schriftzeichen ich nicht lesen kann, wollen irgendwas. "Patalong!", schreit mich eine E-Mail-Betreffzeile an, "78 % off on VIAGRA!". Und der vertrauenswürdige Pinky aus Hongkong will einen Vertrag mit mir machen, um den SPIEGEL künftig günstiger zu drucken: "Any question? No hesitation to contact us. It's our great honor to work with you in long term business relationships. Yours Sincerely, Pinky."
Es gibt auch weniger freundliche Post. Anwalt XYZ warnt, dass bald eine fette Mahnung folgt, wenn ich die 40 Euro nicht zahle (wofür oder weswegen ist der E-Mail nicht zu entnehmen). Paypal warnt mich, dass mein (nicht existentes) Konto soeben storniert wurde: Ich solle mich doch bitte auf folgender Web-Seite mit allen meinen Daten einloggen, um Schaden zu vermeiden...
Natürlich sind all die oben geschilderten Zuschriften nichts anderes als lästiger, meist betrügerischer, manchmal Viren transportierender Werbemüll. Meistens aber klingt Spam erfreulich.
Wenn es nach den Inhalten meines stets prall gefüllten Spam-Verdacht-Ordners geht, liebt mich die Welt, will mich vor Schaden bewahren, will mit mir äußerst lukrative Geschäfte machen oder direkt ins Bett hüpfen. Und das alles seit Jahren mit zwar vielfältigen, aber letztlich immer mit den gleichen Maschen. Meist in englischer Sprache (oder einem Kauderwelsch, das zumindest daran erinnert), seit ein paar Jahren auch auf Deutsch (meist aber in einer maschinell übersetzten Variante, bei der man manchmal sogar ahnt, worum es geht). Meistens finden wir das lästig, oft aber auch lustig.
Was soll der ganze Müll?
Wie kann das sein, fragt sich da jeder halbwegs Zurechnungsfähige, dass sich das für diese Spammer lohnt? Wie machen die Geld mit diesen Bagger-Mails, diesen so offensichtlich falschen Mahnungen, Warnungen, Offerten und Lock-Mails? Warum hört das nicht auf? Warum werden die Trickbetrugs-E-Mails nicht zumindest besser? Müsste sich das nicht ausmendeln, müssten miese Abzock-Mailings sich per Erfolglosigkeit nicht selbst erledigen und am Ende nur die Maschen übrigbleiben, die halbwegs überzeugend wirken?
Offenbar nicht, bei Spam macht es die Masse, nicht die Klasse. Das Gros der Werbemüll-, Trickbetrugs- und Virenträger-Zuschriften, die noch immer mehr als 80 Prozent des weltweiten Mail-Aufkommens ausmachen, wird heute zum Glück ausgefiltert. Was dann noch durchkommt, ist für die Versender offenbar immer noch lohnend genug.
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