Spam-Trends: Ruhe im Postfach, Fallen bei Facebook

Spam gehörte lange zu den profitabelsten Geschäftsmodellen im Netz. Doch bessere Filter und aufgeklärte Verbraucher verderben Abzockern zunehmend das Geschäft. Wie gut, dass es neue Opfer gibt, die jeden für ihren Freund halten - bei Facebook und anderswo.

Facebook: Wo sich 600 Millionen Menschen unter Freunden wähnen, sind Betrüger nicht fern Zur Großansicht
dpa

Facebook: Wo sich 600 Millionen Menschen unter Freunden wähnen, sind Betrüger nicht fern

Robert Alan Soloway ist wieder draußen. Nach 32 Monaten Haft und einer Geldstrafe von 700.000 Dollar sucht der "Spam King", der einst Millionen damit verdiente, Internetnutzer mit mal lästigem, mal betrügerischem E-Mail-Werbemüll einzudecken, den Weg zurück in die Gesellschaft. Soloway ist auf Bewährung entlassen, arbeitet nun für zehn Dollar die Stunde in einem Druck- und Kopiershop in Seattle - und plant sein Comeback auf der Gegenseite: Als Unternehmensberater will er künftig Firmen und Behörden beibringen, wie sie besser mit der Spamflut fertigwerden können.

Gut möglich, dass der Plan ein wenig spät kommt, denn Soloways ganz spezielle Expertise wird offenbar gerade von der Zeit überholt: 2010 war das erste Jahr, in dem das Spamvolumen insgesamt nicht mehr wuchs, sondern sogar zurückging, behaupten mehrere Internet-Sicherheitsfirmen.

Bereits im Januar hatten mehrere Honeypot-Betreiber, die mit Hilfe von "Honigtopf" genannten Lock-Servern versuchen, Spam- und Viren-Belastungen zu erfassen, einen verblüffenden Einbruch um 30 Prozent und mehr im Spam-Volumen festgestellt. Cisco erklärte damals, damit sei das Spam-Aufkommen ähnlich niedrig wie zeitweilig 2008, als mehrere große Botnetze dichtgemacht wurden. Eine Erklärung für den Einbruch ausgerechnet im Weihnachtsgeschäft wurde nicht gefunden. Seitdem fluktuiert das Spam-Volumen wieder, hat aber unter dem Strich das Niveau des Herbstes 2010 nicht wieder erreicht.

Spam verpufft immer öfter

Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die meisten Netz-Nutzer das alles noch nicht einmal bemerkt haben, denn die meisten von uns bekommen nicht mehr viel Spam zu sehen. Filtertechniken werden immer besser und greifen auf allen möglichen Ebenen des Mail-Verkehrs - vom Provider, der erkannte, virenbelastete Spam-Nachrichten präventiv killt, über die Netzwerke von Firmen, die Angestellte zunehmend besser vor Spam schützen, bis hin zu den Freemail-Anbietern, deren Filter ebenfalls immer besser greifen.

Was an Spam durchkommt, ist dafür immer häufiger mit Schadsoftware oder Phishing-Fallen versetzt. An die Stelle meist absurder Angebote sind fiese Attacken getreten, die den Spammern auf andere Weise als bisher Nutzen bringen sollen - wir haben das im letzten Jahr als Revival der E-Mail-Viren beobachtet. Die Zeit, in der Spammer mit Penis-Verlängerungen per Zuckertablette oder fast echtem, handgeknetetem Viagra aus kasachischen Tabletten-Manufakturen noch viel Geld machen konnten, scheint vorbei: Nach Milliarden solcher Mails ist der Pool der Viagra-Willigen offenbar überfischt. Nur noch etwas über 80 Prozent (das ist wenig!) aller weltweit verschickten Mails sind Spam - und die meisten kommen nie an.

Und damit nicht genug. Eine 2008 an den Universitäten Berkeley und San Diego durchgeführte Studie ergab, dass schon damals nur eine von 12,5 Millionen verschickten Spam-Botschaften ihren Zweck erfüllte, also zu einem Profit für den Spammer führte. Seitdem aber sind nicht nur die Filter besser und die Konsumenten etwas weiser geworden, es gibt auch eine neue Spielwiese für Spammer, die weit bessere Erfolgsquoten verspricht: Facebook. Der vermeintliche Rückgang an Mail-Spam, vermuten immer mehr Experten, könnte nicht mehr sein als ein Indiz für eine Verlagerung der kriminellen Geschäfte auf andere Verbreitungsplattformen.

Man ist ja unter Freunden ...

Beschworen wird diese Gefahr seit langem. In einem Netzwerk, in der jeder per definitionem erst einmal als "Freund" verbucht wird, liegt es Nahe, dass auch die Bereitschaft, lockende Nachrichten anzuklicken, ausgeprägter ist als normal. Facebooks Grundfunktionalität ist in dieser Hinsicht zudem ein idealer Spam-Verbreitungsweg. Wer bei Facebook Freundes-, bei Twitter Follower-Status hat, der veröffentlicht seinen Käse einfach auf den Profilseiten seiner Opfer - auf das dort andere Freunde aus dem Netzwerk den falschen Klick wagen.

Der ist weit schwieriger zu erkennen als der Blödsinn, mit dem Spammer traditionell ihre Kundschaft lockten. Eines der beliebtesten Mittel von Betrügern, Unbedarfte auf Fallen-Seiten zu locken, sind ausgerechnet die so beliebten Kurz-URLs, warnt das IT-Sicherheitsunternehmen Symantec. Verkürzte URLs aber sind beispielsweise bei Twitter die Standardform, um einen Link zu veröffentlichen - da fällt eine Falle in keiner Weise auf.

Das alles, behauptet nun das IT-Security-Unternehmen Websense, sei schon lange kein kleines Problem mehr. Auf der DEMO-Konferenz im kalifornischen Palm Desert demonstrierte Websense in der vergangenen Woche mit dem Dienst Defensio eine Art Echtzeit-Scanner für Schadsoftware und Spam im Facebook-Netzwerk. Innerhalb von sechs Minuten sammelte die Scan-Software rund 450.000 verdächtige Facebook-Veröffentlichungen ein.

"Facebook", erklärte kürzlich ein Vertreter des kleinen, sich ebenfalls gerade auf Social Networks spezialisierenden Sicherheitsunternehmens ESET gegenüber siliconrepublic, sei "durch sein design unsicher" - die Sicherheitslücke also quasi Teil des Konzepts. ESET will festgestellt haben, dass Facebook von regelrechten Spam-Wellen eingedeckt werde - in der letzten Woche wollen die Security-Verkäufer vier innerhalb von 24 Stunden beobachtet haben. Das würde darauf hindeuten, dass Facebook-Spam ähnlich wie Mail-Spam in koordinierten Massenaussendungen verbreitet würde - möglicherweise per Botnetz.

Trend hin zu sehr gezielten Attacken: Beispiel Fallen für Autoverkäufer

Tom Gillis, Security-Experte bei Cisco, erklärte auf der DEMO-Konferenz, wir würden derzeit Zeugen einer Verlagerung: Binnen fünf Jahren, so seine Prognose, werde sich das Hauptgeschäft der Spammer auf Social Networks wie Facebook und auf Smartphones verlegt haben. Denn direkter als per Handy-Nachricht lässt sich ein Opfer kaum ansprechen: Schon das Öffnen einer solchen Nachricht kann im Extremfall die Schädigung einleiten, jede Antwort oder Klick-Reaktion gleichbedeutend mit einer Zahlung sein.

Ende Februar ging in den USA die Federal Trade Commission erstmals vor Gericht, um einem SMS-Spammer das Geschäft zu verbieten. Der Unternehmer Phillip A. Flora soll bereits ab August 2009 Millionen von SMS-Spams an willkürlich ausgewählte Empfänger verschickt haben - zu Hochzeiten seines Geschäftes 85 Stück pro Minute. Grundlage der Klage ist auch hier der "CAN-Spam-Act", mit dem die Amerikaner versuchen, dem betrügerischen Mail-Müll beizukommen. Der Eingangs erwähnte Soloway war die zweite Person, die auf Basis dieses Gesetzes verurteilt wurde. Ein Urteil im SMS-Spam-Fall steht noch aus.

Bedrohlich ist all das, weil sowohl Mobiltelefone, als auch Social-Media-Profilseiten einen so direkten Zugang zu persönlichen Informationen erlauben. Neben den üblichen Abzock-Angeboten dürften darum Phishing und Social-Hack-Methoden einen Boom erleben.

Profitabel wird das auch für die IT-Securitybranche. Websense wird kaum allein bleiben mit seinem Angebot dedizierter Facebook-Spamfilter. In Indien stellte Ende letzter Woche eine Entwicklergruppe ihren SMSAssassin vor, ein Programm, um SMS-Spam zu eliminieren.

Mit der gewohnten Hartnäckigkeit dürften sich vor allem aber auch die berühmt-berüchtigten Nigeria-Scammer auf eine neue Klientel stürzen: deren Phantasie ist bekanntlich unerschöpflich.

In den letzten Monaten scheinen sich solche Trickbetrüger vor allem darauf eingeschossen zu haben, auf Anzeigen zu reagieren. Wer zurzeit ein Auto zu verkaufen hat und dieses auf Plattformen wie mobile.de oder autoscout24 anbietet, wird mit einiger Wahrscheinlichkeit auch Offerten bekommen, die scheinbar aus Großbritannien, Spanien oder anderen Ländern der EU kommen. Nur zu gern würden vermeintliche Käufer dort demnach Ihre alte Schrottmöhre für einen erfrischend satten Preis erwerben, allerdings müssten Sie als Verkäufer vorher noch eben die kleine Bearbeitungsgebühr auf ein Konto bei ... - die Masche ist dreißig Jahre alt, aber augenscheinlich noch immer erfolgreich.

pat

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insgesamt 31 Beiträge
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1. Facebook: so gefährlich wie entbehrlich
josha_de 08.03.2011
Zitat von sysopWie gut, dass es neue Opfer gibt, die jeden für ihren Freund halten - bei Facebook und anderswo.
Nachdem mich ein »Freund« einer »Gruppe« hinzufügte, zu der ich partout nicht hinzugefügt werden wollte, und nachdem ich feststellen musste, dass ich – ohne Bitten und Betteln – keinerlei Handhabe gehabt hätte, mich aus dieser »Gruppe« wieder zu lösen, war der Fall entschieden: Facebook-Account gelöscht. Dauerhaft. Und ich habe diesen Kinderkram nicht einen einzigen Tag vermisst. Stattdessen freue ich mich über zurückgewonnene Zeit – meine Zeit. Lebenszeit. (Gut, wer das Hineinstieren in plane Monitorflächen als »Leben« bezeichnen will, mag jetzt widersprechen. Guter Freund, tu’s!) BTW: Entgegen allen Gerüchten ist es sehr wohl möglich, sich aus Facebook zu verabschieden – dauerhaft und spurenlos. Entweder man geht den einfachen Weg (http://bit.ly/erQBhV): Dann darf man sich nur nicht wieder bei Facebook anmelden, 14 Tage lang. Angeblich werden danach alle Daten gelöscht. Oder man geht den gründlichen Weg (http://bit.ly/eCr0hW), der zu einer sofortigen Löschung aller Daten führt. Nachhelfen kann man beim zweiten Verfahren auch noch dadurch, dass man die dort benötigte Interims-Mail-Adresse so wählt, dass sie dem Konzern nicht gefällt, zum Beispiel »destroy.facebook@domain« (»domain« muss natürlich ersetzt werden). Wenn man Glück hat, bekommt man so recht fix eine nette Bestätigungs-Mail eines Facebook-Robots mit diesem Wortlaut, ich zitiere: »Hello, Du hast eine Seite erstellt, die gegen unsere Nutzungsbedingungen verstößt. […] Sollte deine Seite aus den oben genannten Gründen entfernt worden sein, wird sie nicht wiederhergestellt.« So soll’s sein.
2. wenn wunderts?
keingestern 08.03.2011
Die "social Networks" sind weder sozial noch Netzwerke, sie sind schlichtweg Plattformen fuer ungehemten Exhibitionismus Billige Moeglichkeit unzaehlige Unbekannte mit bedeutungslosen "Informationen" zu begluecken, Bilder zu veroeffentlichen, die so peinlich sind das sie besser gar nicht gemacht worden waeren und Kreti und Pleti an Tisch und Bett, Bank und Bloedheit teilhaben zu lassen. Wie vereinsamt und wie dumm sind Menschen die glauben dort "Freunde" zu haben? Namenslisten sind keine Freunde.... Die nicht erkennen das sie mitwirken an einer der genialsten Verdummungkampagnen der Geschichte. Behutsam, klug und sehr sicher wird die Gesellschaft umgebaut. Unsere Aufmerksamkeit soll (und wird grossteils schon) vom Schwachsinnstv, vom gigantischen Informationsmuell in den Medien und Internett absorbiert werden. Was danach noch an (sich)Selbst-Bewusstsein ueber ist soll der "Kontaktpflege" in eben diesen Plattformen dienen. Am Ende bleibt keine Zeit und kein Raum mehr, sich seiner selbst bewusst zu sein, eine eigene Meinung zu haben und eigene Werte. Es bleibt eine amorphe Masse Menschenvieh, bloede und manipulierbar wie gewuenscht. Wahrhaft eine "brave new World"!
3. Wie immer ist "Maßvoll" das Maß der Dinge
gehdoch 08.03.2011
Gott, wie ich diese SocialNetwork basher albern finde... Macht halt nicht mit und gut is.... Ich für meinen Teil nutze Facebook für folgende -meines Erachtens- sinnvolle Dinge: -Ich halte sehr leicht Kontakt zu Leuten, die ich zwar kenne, mit denen ich aber nicht unbedingt oft zusammentreffe (Alte bis sehr alte Bekannte, Urlaubsbekanntschaften...) -Ich habe durchaus schon viele Leute wiedergetroffen, die ich mal gekannt habe und bei denen es mcih gefreut hat, sie wiederzutreffen (Ehemalige Nachbarn, Kinder- oder Jugendfreunde, ehemalige Klassenkameraden) -Ich nutze die Plattform als Musiker, um zu Veranstaltungen und Gigs einzuladen. Das beschert mir mittlerweile regelmäßig ein Mehr an Publikum. Das exessive Datenspeicherverhalten von den Facebookbetriebern ist doch bekannt. Von mir gibt es dort weder Telefonnummern, noch sonst irgendwelche Infos, von denen ich nicht möchte, dass sie öffentlich könnten. Was Andere machen ist doch deren Bier... Wie bei allen Netzangeboten oder im Fernsehen, oder in Discos, oder in U-Bahnen oder oder oder... ist auch Facebook voll von Schwachsinn und Swchwachsinnigen. Ich für meinen Teil unterscheide sehr genau zwischen "echten" Bekannten und einfachen Kontakten... Wo ist nun das Problem?
4. Hm...
gehdoch 08.03.2011
Zitat von gehdochGott, wie ich diese SocialNetwork basher albern finde... Macht halt nicht mit und gut is.... Ich für meinen Teil ....
Gott wie ich diese Rechtschreibfehler albern finde. Wieso kann man hier im Nachhinein auch nicht mehr editieren? Sorry, aber ich habe das eben nur mal schnell zwischen zwei Facebook Statusaktualisierungen hingeschludert... Jetzt aber wieder schnell an die Arbeit ;)
5. Facebook is scho a wahnsinn
marlow 08.03.2011
Facebook hatte meinen Account gesperrt, scheinbar nach mehrmaligen Nachfragen, da ich nicht ich sein soll. So weit so gut, sie wollten zur Wiederherstellung einen amtlichen Ausweis eingescannt oder abfotografiert. Das ging mir aus datenschutzrechtlichen Gründen eine ganze Ecke zu weit. Daraufhin habe ich die gesamte Löschung all meiner Daten bei FB verlangt. FB wiederum sagt, dass sei aus Sicherheitsgründen nicht möglich und mein Konto sei auch nicht sichtbar. Meine Daten bleiben trotzdem im System. Nach mehrmaligem Mailverkehr ist die letzte Aussage von FB, ich soll einen amtlichen Ausweis einscannen oder abfotografieren, damit meine Daten gelöscht werden können. Ist schon seltsam eine solche soziale Seite
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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potentiell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.


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