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Redtube: Spamwelle nach Porno-Abmahnungen

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Porno-Webseite: Spammer geben sich als Anwälte aus

Diese Gelegenheit wollen sich die Trittbrettfahrer nicht entgehen lassen: Nachdem Massenabmahnungen gegen Pornogucker viele Internetnutzer verunsichern, verschicken jetzt Kriminelle vermeintliche Abmahn-E-Mails. Doch die sind an einigen Merkmalen leicht zu erkennen.

Der Fall um die Massenabmahnungen gegen Nutzer der Sexfilm-Seite Redtube sorgt für neue Unruhe. Seit Dienstagmittag erreichen SPIEGEL ONLINE vermehrt Berichte von Lesern, die glauben ebenfalls Abmahnungen erhalten zu haben. In denen wird ihnen vorgeworfen, dass sie Urheberrechtsverletzungen begangen hätten, weil sie Pornofilme im Internet angesehen haben. Offensichtlich handelt es sich hier aber um Trittbrettfahrer. Die wollen die Verunsicherung vieler Internet-User ausnutzen. Sie geben sich dafür als Urmann + Collegen aus, jene Kanzlei, die tatsächlich Abmahnungen und Unterlassungserklärungen an angebliche Redtube-Nutzer verschickt hat.

Das Strickmuster der vermeintlichen Abmahnungen ist dabei stets das gleiche. Die E-Mails haben Betreffzeilen wie: "Abmahnung der Urheberrechtsverletzung an dem Werk Glamour Show Girls 10.12.2013". Und die Absender geben vor, beispielsweise von "Rechtsanwaltschaft", oder "Anwalt Urmann" zu stammen.

Im Text wird dem Empfänger teils ausführlich und mit vielen Paragrafen verziert dargelegt, welche Urheberrechtsverletzungen er begangen haben soll. Garniert wird das mit ausführlichen Erläuterungen über den Rechtsweg und einer kurzen Auflistung, wann und von welcher IP-Adresse aus sich der Nutzer einen bestimmten Film auf dem Pornoportal angesehen haben soll.

Anhänge bitte nicht öffnen

Im Anschluss folgt die Rechnung, die beispielsweise einen Gegenstandswert von mehr als 3000 Euro festlegt. Außerdem werden Geschäftsgebühren, Telekommunikationsgebühren, eine "Aufwendung für Ermittlung der Rechtsverletzung" sowie ein Schadensersatz (85,57 Euro) festgelegt. Eine der SPIEGEL ONLINE vorliegenden Spam-E-Mails schließt mit dem Hinweis: "Die Beweisdaten sowie die Bankdaten und unsere Kontaktdaten finden Sie in der beigefügten Datei."

Spätestens an dieser Stelle werden erfahrene Internetnutzer nicht grundlos misstrauisch. Denn in dem Dateianhang befindet sich in der Regel nicht nur eine PDF-Datei mit einer Bankverbindung, sondern auch eine Trojaner-Software. Der Anhang enthält ein Schadprogramm, das weitere Viren und Würmer nachladen oder gar Fremden den Zugang zum Computer und den gespeicherten Daten verschaffen kann.

Pornofilm angeblich zwölf Tage in der Zukunft gesehen

Zudem schafft ein Blick in die Metadaten der E-Mail Klarheit darüber, dass sie keinesfalls von den angegebenen Absendern stammen kann. Je nach E-Mail-Programm lässt sich die tatsächliche Absenderadresse beispielsweise durch einen Klick auf einen Menüeintrag mit der Bezeichnung "Details anzeigen" sichtbar machen.

In den uns vorliegenden Schreiben jedenfalls, fanden sich teils noch deutlichere Fehler, die auf Manipulationen hinwiesen. So ließen sich einige der genannten IP-Adresse als zu belgischen Providern gehörend zurückverfolgen. Noch drastischer sind allerdings Angaben, nach denen jemand einen Pornofilm um 23:23:62 Uhr gesehen haben soll. Oder am 22.12.2013, also von heute an in zwölf Tagen.

In allen uns vorliegenden Fällen sind die angeblich von Anwälten stammenden Nachrichten tatsächlich von den E-Mail-Konten Unbeteiligter verschickt worden, wie ihre E-Mail-Adressen von Anbietern wie GMX oder T-Online verrieten. Vermutlich handelt es sich um gehackte E-Mail-Postfächer, deren Besitzer sich nicht im Klaren sind, dass ihre Adresse für kriminelle Handlungen benutzt wird.

Telefonleitungen sind überlastet

Dass offensichtlich viele Empfänger solcher Spam-E-Mails verunsichert sind, lässt sich an der Website der Kanzlei Urmann + Collegen ablesen. Seit Dienstagnachmittag läuft dort eine Laufschrift über die Seite in der es heißt: "Aufgrund von vermehrten Anrufen können unsere Leitungen überlastet sein", man bitte um Geduld. Offensichtlich versuchen viele Internetnutzer die Anwälte direkt zu erreichen und sich gegen die Vorwürfe zu wehren.

Die Kanzlei selbst erklärt außerdem, dass sie mit dem Versand der vorgeblichen Abmahnungen nichts zu tun hat: "Abmahnungen im Namen unserer Mandantschaft werden ausschließlich per Post versandt." Außerdem gibt sie den guten Rat, den Dateianhang, der manchen diese E-Mails anhängt, nicht zu öffnen und die vermeintlichen Absender zu informieren, dass ihr E-Mail-Konto offenbar missbraucht wurde.

mak

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Schad- und Spähsoftware
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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potenziell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.


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