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Spanischer Politiker: Bin-Laden-Haarmodel prüft Klage gegen FBI

Gaspar Llamazares ist empört: Das FBI hat mittels seines Porträts ein Phantombild von Osama Bin Laden erstellt. Die US-Bundespolizei nutze Stirnpartie und Haare des spanischen Politikers - der sorgt sich nun um seinen Ruf.

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4  Bilder
Das FBI und Google: Woher Bin Ladens Stirnfalte kommt
Madrid - Osama Bin Laden ist wohl der meistgesuchte Mann der Welt - und Gaspar Llamazares darf bei seiner Fahndung mithelfen. Allerdings ist der Politiker der spanischen Vereinigten Linken nicht gerade begeistert von seiner Rolle im Anti-Terrorkampf: Das FBI hat sein Foto benutzt, um ein Bild des gealterten Bin Laden zu erstellen.

"Ich habe ja schon einige sehr merkwürdige Verwicklungen der Geheimdienste gesehen, aber ich hätte nie geglaubt, dass es mich so persönlich betreffen könnte", sagte Llamazares laut der britischen Zeitung "The Independent". Außer dem Alter gebe es keinerlei Gemeinsamkeiten zwischen ihm und Osama Bin Laden, "weder körperlich noch ideologisch".

Das Aussehen des Qaida-Führers auf einem Archivbild von 1998 war digital so verändert worden, wie es seinem heutigen Alter von 52 Jahren entsprechen könnte. Offenbar war der beauftragte Computerspezialist dabei unzufrieden mit den Haar-Optionen des FBI-Programms zur Erstellung von Phantombildern.

Bei seiner Internetrecherche stieß er auf das Bild von Llamazares - und bediente sich bei Haaren und Stirn. Mit der Verwendung von Google-Bildmaterial habe der Mitarbeiter klar gegen FBI-Richtlinien verstoßen, sagte ein Sprecher der US-Bundespolizei. Hinter der Auswahl des Fotos stecke aber keine böse Absicht: "Der Techniker hatte nicht die geringste Ahnung, um wen es sich da handelte."

Methoden wie bei Clever und Smart

Llamazares, der jahrelang das spanische Mehrparteienbündnis IU (Vereinte Linke) angeführt hatte, hat da seine Zweifel. Er kann angesichts der Millionen von Fotos, die bei Google zu finden sind, nicht so recht an einen Zufall glauben. Der Politiker geht davon aus, dass seine politische Haltung bei der Auswahl des Fotos eine Rolle gespielt hat. Die spanische Presse enthüllte mittlerweile auch noch, dass das FBI auch für das Computerbild eines libyschen Terroristen sich bei einer Llamazares-Aufnahme bediente.

Der Politiker erwägt eine Klage gegen das FBI. "Das beeinflusst meine Ehre und die Sicherheit von uns allen", sagte Llamazares. Weil zunehmend Technik eingesetzt werde, um Gesichtsmerkmale mit den Pässen von Passagieren abzugleichen, fühle er sich bei Reisen in die USA nicht mehr sicher. Die US-Botschaft entschuldigte sich bei dem Abgeordneten.

In Spanien will man die Sache nicht als Lappalie abtun. Die Madrider Regierung verlangt von Washington eine Erklärung. Das Schlimmste ist nach Ansicht von Kommentatoren in spanischen Zeitungen dabei, dass die Foto-Affäre die Arbeitsweise des FBI in einem äußerst ungünstigen Licht erscheinen lässt. Wenn eine Polizeibehörde mit einem Milliarden-Budget sich ihre Fahndungsfotos bei Google beschaffe, erinnere dies an die Methoden der Comic-Helden Clever und Smart, der dusseligsten Geheimagenten der Welt, schreibt "El Mundo" am Sonntag in einem Leitartikel.

"Keine Ahnung, wie Bin Laden heute aussieht"

"Es läuft einem kalt den Rücken runter, wenn man daran denkt, in wessen Händen unsere Sicherheit liegt", schreibt das rechtsliberale Blatt und leitet aus der Foto-Affäre die Schlussfolgerung ab: "Jedenfalls ist nun klar, dass die US-Geheimdienste und Sicherheitsbehörden nicht die geringste Ahnung haben, wie Bin Laden heute wirklich aussieht."

Das FBI hat inzwischen angekündigt, das Foto von der Seite rewardsforjustice.net zu entfernen. Dort war es mit dem Hinweis auf eine Belohnung von bis zu 25 Millionen Dollar auf die Ergreifung von Bin Laden veröffentlicht worden. Doch aus der Welt ist die verunglückte Montage damit noch lange nicht: Auf unzähligen Internetseiten wird Gaspar Llamazares noch weiter dem gealterten Bin Laden seine Haare und seine Stirn leihen - selbst das FBI wird das Bild nicht mehr einfangen können.

sac/dpa/AP/AFP/Reuters

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 16 Beiträge
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1. Stirn zeigen.
Parzival v. d. Dräuen 17.01.2010
Damit hat Llamazares seine 15 Minuten Weltruhm verbraucht. Stirnmodel gegen den Terrorismus. Trivia für die Geschichtsbücher.
2. Vorgestern hat der Spiegel dem FBI noch geglaubt
1lauto 17.01.2010
"die Rede von "fortgeschrittenen digitalen Bearbeitungstechniken", die "machtvolle Beispiele" seien, wie Technologie und Wissenschaft helfen können, gesuchte Terroristen der Gerechtigkeit zuzuführen." http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,672175,00.html Das FBI ist unfähig und dreist- glauben darf man denen offensichtlich kein Wort, ein Bild oder Video sowieso nicht. Sollte man dann die offizielle Verschwörungstheorie von 9/11 glauben?
3. Besondere Kennzeichen
Yabanci Unsur 17.01.2010
Berichtigung: Gesucht wird Osama Bin Laden; besondere Kennzeichen: zwei Augen und eine Nase. Wir bitten die Verwechselung mit allen anderen zweiäugigen und einnasigen Personen zu entschuldigen... FB-Ei
4. Tia
Achim 17.01.2010
Zitat von sysopGaspar Llamazares ist empört: Das FBI hat mittels seines Porträts ein Phantombild von Osama Bin Laden erstellt. Die US-Bundespolizei nutze Stirnpartie und Haare des spanischen Politikers - der sorgt sich nun um seinen Ruf. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,672390,00.html
Bliebe noch anzufügen, dass die in "El Mundo" erwähnten "Clever und Smart" im Original "Mortadelo y Filemón" heißen, aus der Feder des spanischen Comiczeichners Francisco Ibáñez stammen und für eine Organisation namens T.I.A. arbeiten - ausgesprochen wird das "Tiya" und ist damit eine klare Parodie auf die CIA, die im Spanischen "Ssiya" ausgesprochen wird; so schließt sich fast der Kreis zum FBI.
5. Eigentlich war genug Zeit.... und wenn schon elmundo zitiert wird
1lauto 17.01.2010
Es ist noch viel ärger: Der arme Parlamentarier wird gleich als Vorlage für mehrere Terroristen mißbraucht, bei Atiyah Abd al-Rahman wurde auch noch die Augenpartie verwendet: http://www.elmundo.es/elmundo/2010/0...263682182.html oder hier auf deutsch, auch schon von gestern: http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2010/01/llamaraez-haare-und-augen-wurden-fur.html
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