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Spaß-Spendenaktion: Kirche stoppt "Brot für die GEZ"

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Das Diakonische Werk hat die Aktion "Brot für die GEZ" unter Hinweis auf das Markenrecht beenden lassen. Zwei Karlsruher Studenten wollten damit satirisch gegen GEZ-Gebühren auf Computer protestieren. Die Kirche sieht die Rechte an ihrer Marke "Brot für die Welt" verletzt und drohte mit einer Klage.

Logo der Aktion: "Verunglimpfung der Marke 'Brot für die Welt'"
www.brot-fuer-die-gez.de.vu

Logo der Aktion: "Verunglimpfung der Marke 'Brot für die Welt'"

Das Ende kam schneller als erwartet. Wenige Stunden nach dem Start einer eBay-Auktion und einem Bericht bei SPIEGEL ONLINE wurde die Aktion "Brot für die GEZ" gestoppt - zumindest vorläufig. Christian Benz, ein 22-jähriger Physikstudent aus Karlsruhe, nahm die eigens eingerichtete Website www.brot-fuer-die-gez.de vom Netz und beendete die eBay-Auktion, bei der Spendengelder für den Kauf von Brot gesammelt werden sollte.

Mit der gestalterisch "Brot für die Welt" ähnelnden Aktion wollten Benz und sein Mitbewohner Bastiaan Hovestreydt, ein Informatikstudent, auf spaßige Weise gegen GEZ-Gebühren auf Internet-PCs protestieren, die ab dem Jahr 2007 fällig werden.

Beide hatten zu "einer Scheibe Gerechtigkeit" aufgerufen, um den nach ihrer Vorstellung am Hungertuch nagenden GEZ-Mitarbeitern aus ihrer misslichen Situation zu helfen. Wenn man Internet-PCs zu Fernsehern erklärt, um mehr Gebühren einzunehmen, dann muss es den Leuten in der Gebühreneinzugszentrale richtig schlecht gehen - so dachten die beiden wohl.

Brotspende die GEZ: "Widerspricht zutiefst unseren Grundsätzen"
www.brot-fuer-die-gez.de.vu

Brotspende die GEZ: "Widerspricht zutiefst unseren Grundsätzen"

Das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche Deutschlands fand die Aktion weniger lustig und stellte den Studenten ein Ultimatum: Bis Freitag 12 Uhr solle die Website "Brot für die GEZ" geschlossen werden, ansonsten werde man "den Gesamtvorgang zur Einleitung gerichtlicher Schritte unseren Anwälten übergeben", schrieb die Justiziarin in einer E-Mail.

Der Name "Brot für die Welt" sowie das dazugehörige Logo seien eine geschützte Marke. Das Diakonische Werk als Inhaber der Marke "Brot für die Welt" habe die Namens- und Markennutzung für die Aktion "Brot für die GEZ" nicht gestattet. Es handle sich um eine "Verunglimpfung der Marke".

"Eine Aktion, die dazu aufruft, Brotscheiben mit Farbe zu beschreiben, also ein Nahrungsmittel für eine Protestaktion zu nutzen, widerspricht zutiefst unseren Grundsätzen", sagte Ute Dilg, Sprecherin von "Brot für die Welt", "damit möchten wir keinesfalls in Verbindung gebracht werden."

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Aktion: "Brot für die GEZ"

Christian Benz entschied nach Rücksprache mit einem Anwalt und der Justitiarin des Diakonischen Werks, der Aufforderung nachzukommen. Die EKD-Juristin habe ihm erklärt, sowohl die Anwälte von "Brot für die Welt" als auch die der GEZ würden eingeschaltet, wenn er die Seite nicht vom Netz nehme, sagte Benz SPIEGEL ONLINE. Auch sei darauf hingewiesen worden, dass Markenrechtsstreitigkeiten sehr teuer werden könnten.

"Unsere Aktion richtete sich ausschließlich gegen die GEZ und nicht gegen 'Brot für die Welt'", betonte Benz. Er kündigte an, die Seite in den nächsten Tagen in überarbeiteter Form und unter neuem Namen wieder ins Netz zu stellen.

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