Indizierte Webseiten Bundesprüfstelle stellt Strafanzeige gegen Sperrlisten-Hacker

Hacker haben eine Liste mit indizierten Websites veröffentlicht. Die offizielle Prüfstelle droht nun auch Berichterstattern mit rechtlichen Konsequenzen, wenn sie dabei helfen, die Liste auffindbar zu machen.

Verkehrsschild: Suchmaschinen halten sich an die offizielle Sperrliste
DPA

Verkehrsschild: Suchmaschinen halten sich an die offizielle Sperrliste


Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) unterhält eine Liste von insgesamt 3000 Websites, deren Inhalte zum Teil pornografisch oder sogar pädokriminell sind. Am Dienstag wurde bekannt, dass sich Hacker offenbar Zugang zu dieser Aufstellung verschafft hatten.

Ein Behördensprecher erklärte zunächst, es sei nur ein kleiner Teil der Liste in die Hände der Hacker gelangt. Am Mittwoch stellten die Verantwortlichen Strafanzeige gegen unbekannt, denn die Inhalte der Sperrliste sollten keinesfalls öffentlich frei zugänglich sein. Eine entsprechende Entscheidung, die Liste der jugendgefährdenden Internetdienste geheim zu halten, hatte das Verwaltungsgericht Köln im Juli 2013 getroffen.

Wie die Tech-Website "Golem" erfahren haben will, bestehe die Liste zu mehr als der Hälfte aus toten Links, die verzeichneten URLs würden auf Websites verweisen, die online nicht mehr zugänglich seien. Überdies würden einige der aufgelisteten Websites in Deutschland gehostet und könnten gelöscht werden. Das stelle im Vergleich zu einer bloßen Sperre, die die dahinterliegende Seite unangetastet lasse, die viel effizientere Methode dar.

Über den Vorfall berichtete unter anderem auch das Blog Netzpolitik.org und setzte dabei einen Link auf die beim Freehoster Neocities abgelegte Datei mit den Listeneinträgen. Daraufhin habe sich die Kommission für Jugendmedienschutz der Landesmedienanstalten (KJM) telefonisch gemeldet und die Entfernung des Links gefordert.

Andernfalls werde Netzpolitik.org wegen "Zugänglichmachung von Kinderpornografie" belangt. Diese Drohung stieß bei den Blog-Machern auf Unverständnis. Schließlich verlinke das Blog ja nicht direkt auf das strafbare Material, sondern lediglich auf eine URL, die zu besagter Auflistung führe. Die ständige Rechtsprechung habe sich wiederholt gegen die Linkhaftung ausgesprochen.

Da zum aktuellen Fall befragte Juristen sich in ihrer Einschätzung uneinig gezeigt hätten, hätten sich die Blog-Macher jedoch dazu entschlossen, den Link zu entfernen. Das Risiko eines Prozesses und nachfolgender finanzieller Belastungen sei zu groß.

meu

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insgesamt 48 Beiträge
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Seite 1
rofldub 10.07.2014
1.
Typisch Behörden, sperren statt löschen. Lächerlich. Und dann die Liste nicht mal aktuell halten können, oder gar Tippfehler in den Domains. Die sollen einfach einen Jugendlichen den Pornoteil der Liste einpflegen lassen, dürfte "besser" sein als das, was die Behörden da machen. Und die Drohung an die Berichterstatter ist auch unverständlich, immerhin haben sich Gerichte gegen die Linkhaftung ausgesprochen.
hansiii 10.07.2014
2.
Das der Zugang zu pädokriminellen Seiten gesperrt wird ist ohne Zweifel richtig. Aber weshalb wird der Zugang zu Seiten gesperrt "deren Inhalte zum Teil pornografisch" sind? Und das in einem freien Land in dem nicht einmal Prostitution verboten ist und dass Sodomie nur aus Tierschutzgründen unter Strafe stellt.
zensiertes Medien-Opfer 10.07.2014
3. Das Fundstück der Sperrliste :-D
Zitat von sysopDPAHacker haben eine Liste mit indizierten Websites veröffentlicht. Die offizielle Prüfstelle droht nun auch Berichterstattern mit rechtlichen Konsequenzen, wenn sie dabei helfen, die Liste auffindbar zu machen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/sperrlisten-hacker-bundespruefstelle-stellt-strafanzeige-a-980257.html
Ich hab die Liste gesehen... einmal Google benutzt mit den BUZZ-Words des SPON-Artikels und schon sieht man was in diesem Land alles zensiert werden muss. Der beste gesperrte Link liegt übrigens tief in den Untiefen der christlichen Webseite Bible.org wo es um die Prügelstrafe bei Kindern geht... keine Bilder dafür 7081 Wörter reiner Text. So gebildet sind doch die zu schützenden Kinder heute nach JÜL in der Schule gar nicht mehr, dass die Texte in solchem Umfang überhaupt lesen könnten. Aber na ja, wenigstens ist das Thema dieser Bibel-Unterseite doch schon fast wieder pädokriminell... denn sie wollen die ungezogenen Kinder züchtigen... mit einer Rute. Der Text ist Satire in reinstform, aber in Deutschland wird sowas zensiert. P.S. Bible.org ist selbst nicht indiziert, sondern nur der Sublink auf diese eine ebend beschriebene Seite, den ich nicht veröffentlich habe.
kernspalter 10.07.2014
4. Nein
Zitat von hansiiiDas der Zugang zu pädokriminellen Seiten gesperrt wird ist ohne Zweifel richtig. Aber weshalb wird der Zugang zu Seiten gesperrt "deren Inhalte zum Teil pornografisch" sind? Und das in einem freien Land in dem nicht einmal Prostitution verboten ist und dass Sodomie nur aus Tierschutzgründen unter Strafe stellt.
Sie haben nicht lange genug nachgedacht. Auch da sind die Sperren falsch, denn wer will prüfen, daß die Regierung die Wahrheit sagt wenn die Daten unzugänglich sind? Wenn die Inhalte strafbar sind, dann kann man die betreffende Seite durch die ganz normale Arbeit von Polizei und Justiz, ggf. durch internationale Zusammenarbeit, außer Betrieb nehmen.
spon-facebook-1629421895 10.07.2014
5.
Das Interview mit dem Leaker sagt einfach alles. Offenbar ist die BPjM zu blöde, ihr eigenes Netz vernünftig abzusichern. In den USA würde man den Hacker als extrenen Berater einstellen um das zu ändern. Gleichzeitig gibt der Hacker an, dass er - so bald er Informationen bekommt, dass es pädokriminelle Inhalte gibt - den Link rausnehmen und vorallendingen den Betreiber und den Provider dazu auffordern wird, den Inhalt zu löschen. Scheint man bei der BPjM nicht zu können - und da muss man sich dann doch die Frage stellen, was von dieser "Medienkompetenz" zu halten ist. Im Darkweb regelt sich die Angelegenheit von selbst.
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