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SPIEGEL ONLINE auf Sächsisch: Hat uns da wer gegidnäppd?

Das Web, mosern zahlreiche Bedenkenträger, zerstört die regionalen Kulturen. Das ist Unsinn: Die Technik verhilft uns zu Angeboten, von denen wir noch gestern kaum zu (alp-) träumen wagten.

Etwas anders, aber durchaus lesenswert: Den SPIEGEL gibt's nun auch als SCHBIEGL
SPIEGEL ONLINE

Etwas anders, aber durchaus lesenswert: Den SPIEGEL gibt's nun auch als SCHBIEGL

Was ist das?

In der ersten Sekunde fährt dem Redakteur da doch der Schreck in die Glieder: Seit wann heißt das Spiel rund um Lara Croft "Domb Raidor", was ist ein "Schbrachgombjuder", und seid wann heiße ich "Frang Badalong"? Hat uns da wer "gegidnäppd"?

Nein, so guttural kommt die Homepage normalerweise nicht daher.

Das dies nun so ist, fällt in die Kategorie "die Geister, die ich rief": Henning Thielemann, Programmierer des "Sax'o'phone", verpasste SPIEGEL ONLINE das nahezu sächsische Facelifting - per "Übersetzungs"-Software.

Sein Sax'o'phone steht seit über einem Jahr im Web und übersetzt wacker alle möglichen Inhalte in sein geliebtes heimisches Idiom: Sächsisch - oder "Löffelsprache", wie er das nennt. Ähnlich wie beim "Schwobifying Proxy" der Heidelberger Uni-Zeitung "UNImut" steht dahinter nicht mehr als ein relativ einfaches Skript, das bestimmte Lautfolgen in die dem Dialekt typischen "Ersatzlaute" übersetzt. Oi gugge do.

Sprachverwurstelung im Dienst der Völkerverständigung

Thielemann: "Sicher handelt es sich hier um einen weiteren Schritt zur besseren Verständlichkeit der Inhalte im Netz und sicher liefert dieses Programm auch ein gutes Argument gegen die Befürchtung, dass das Netz zur Sprachverarmung führen könnte, dass also im Netz bald nur noch Sprachen wie Englisch dominieren würden."

Was zu zeigen scheint, dass solche Angebote nicht etwa aus Jux und Dollerei entstehen, sondern aus edelsten Motiven.

Da ist es uns ein besonderes Vergnügen, dem werten Leser endlich neben der auch eine auf (annähernd) Sächsisch anbieten zu können.

Bleibt nur die Frage, wo der Rest der Republik bleibt: Gibt es solche Übersetzungsengines nicht auch noch für (Rheinisches) Platt, Bayrisch, Hessisch, Badensisch? Falls ja:
E-Mail genügt!

Frank Patalong

P.S.: Die Links zur sächsischen Version scheinen zur Zeit nicht mehr zu funktionieren. Offenbar wurde der Account des Sax'o'phone-Programmierers bei der Uni Halle deaktiviert. Bis zur Klärung der Frage, ob dies zeitweilig oder aber endgültig so ist, mag sich der Dialekt-Begeisterte die Zeit mit Steffen Jakobs "Ei gudde wie!"-Seite vertreiben: Die bietet keine Übersetzung vollständiger Webseiten, dafür aber ein Online-Übersetzungsformular für die notwendige Übertragung aller hochdeutschen Sätze ins wunderschöne Süd-Hessische (im Gegensatz zum Nord-Hessischen).

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