Spieler verspottet RTL entschuldigt sich für Gamescom-Beitrag

Sender und Redakteur lenken ein: Nach einem Beitrag über die Spielemesse Gamescom brach eine Flut wütender Reaktionen über RTL herein, viele Gamer fühlten sich von dem tendenziösen Film beleidigt und lächerlich gemacht. Nun gibt es zerknirschte Entschuldigungen.

Gamescom in Köln: RTL-Bericht verspottete die Gamer
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Gamescom in Köln: RTL-Bericht verspottete die Gamer


Hamburg - Ein RTL-Reporter diagnostizierte bei der Kölner Spielemesse einen "Computerspieler-Einheitslook: dunkle Schlabberklamotten, die manchmal etwas streng riechen". Mit Sätzen wie diesem hat ein Beitrag des RTL-Boulevardmagazins "Explosiv" für ziemlich viel Wut unter Gamern gesorgt.

Nach "über 100 Mails" hat sich jetzt der Autor des Filmchens, Tim Kickbusch, öffentlich entschuldigt, (via Facebook - die Entschuldigung können nur angemeldete Nutzer lesen). Die Beschwerden der Zuschauer hätten ihm "gezeigt, dass ich die Wirkung meines Beitrags zur Gamescom ganz falsch eingeschätzt habe. Der sollte lustig werden. Das ist mir gründlich misslungen", schreibt Kickbusch auf seiner Facebook-Seite. "Ich wollte niemanden beleidigen oder verletzen. Dass das jetzt dennoch geschehen ist, tut mir sehr leid."

In dem Beitrag hatte Kickbusch unter anderem eine Messe-Hostess die "Computer-Freaks" in Gruppen wie interessant anzuschauende Fans in Fantasy-Verkleidungen, introvertierte und unrasierte, ungewaschene Süchtige einordnen lassen. Die Kamera musterte sie von oben bis unten. "Echt komische Gestalten" und "Freaks" seien das; dargestellt wurde die Gamercommunity, als bestünde sie fast ausschließlich aus Jungs, die keine Freundin haben, sich selten waschen und die meiste Zeit über debil vor sich hinglotzen. Zur Gamescom kamen insgesamt 275.000 Menschen, männlich wie weiblich, aus unterschiedlichen Altersgruppen - die meisten von ihnen dürften sich in der Darstellung bei RTL kaum wiedererkennen.

Auch in der Sendung "Explosiv", die schon mehr als einmal mit tendenziöser Berichterstattung aufgefallen ist, wurde am Donnerstag eine Entschuldigung ausgestrahlt. "Die Verallgemeinerung und Überzeichnung des Beitrags war ein Fehler", sagte der Moderator. Ein bei Facebook privat veröffentlichter Kommentar des Urhebers sei "ausschließlich dessen private Meinung und in keinster Weise die von RTL". Zu privaten Veröffentlichungen nahm auch Kickbusch Stellung. Die Diskussion auf seiner Facebook-Seite sei "hitzig" gewesen, seine Äußerungen "unüberlegt", schrieb er.

Der Fernsehbeitrag hatte seit der Ausstrahlung in der vergangenen Woche einen Proteststurm mit mehr als 8000 Beschwerden ausgelöst, der Clip wurde als einseitig und die Menschenwürde verletzend kritisiert. Auch die Niedersächsische Landesmedienanstalt (NLM) prüfe inzwischen, ob RTL mit dem den Fünfminüter vom vergangenen Freitag gegen medienrechtliche Bestimmungen verstoßen habe, sagte NLM-Direktor Andreas Fischer.

Wie sueddeutsche.de berichtet, hatte der Beitrag bereits Folgen für RTL. Die Website des Senders sei am Donnerstag gehackt worden; Besucher hätten teilweise eine Fehlermeldung bekommen und nur das Wort "GAMEZ" auf der Seite gesehen, heißt es in dem Bericht. Obwohl Anonymous offenbar schon am Mittwoch in einem Video zum Boykott von RTL aufrief, hat die Hacktivisten-Gruppe den Angriff auf die Website laut sueddeutsche.de dementiert.

can/dpa



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insgesamt 124 Beiträge
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ogni42 26.08.2011
1. Wie man bei der NLM schnell mit der Prüfung durchkommt:
Man ersetze alle Nennungen von "Gamer", "Spieler", etc. Mit Begriffen wie "Christ", "Jude", "Moslem". Ich denke, dann hat sich das schnell erledigt. Weiss jemand, was RTL in dem Fall droht? Ich wundere mich ja, warum der Sender noch nicht brennt. Denn immerhin sind Computerspieler ja bekanntermaßen alles potenzielle Amokläufer, ultra-agressiv und bis an die Zähne bewaffnet.
KurtFolkert 26.08.2011
2. ...
Naja, die Entschuldigung ist ja nur zustande gekommen, weil sich ein paar beschwert haben. Ob sich RTL bei all den gebashten DSDS-Kandidaten entschuldigt? Und auch die Nummer mit der Vera wurde erst durch andere Medien herausgekehrt. Und da wars dann eine externe Produktionsfirma. Es ist peinlich für RTL dass sie allen Schrott senden, aber dann nichts damit zu tun haben wollen. Allein Tim Kickbusch hat auf seinem Facebook Profil bereits vor der GC mächtig über die Spieler abgelästert und sie als Irre aus Wacken bezeichnet. Davon wollte er dann nichts mehr wissen. Diese aufgezwungene Entschuldigung reicht unmöglich. Schon seit Jahrzehnten hetzt RTL in verschiedene Richtungen. Aber wie bei der BILD passiert auch hier nichts, da die Wirtschaftsmacht zu Groß ist. Jedenfalls gibt sich die Landesmedienanstalt immer wahnsinnig kleinlaut. Schade, dass die meisten Geschädigten nicht die Möglichkeit haben, sich so umfassend zu organisieren.
sorum11 26.08.2011
3. Klarstellung
Eine gute Gelegenheit, mal Dinge klarzustellen: Wenn das nächste Mal einer Steine von Brücken schmeißt, dann schreibe ich der Regierung, sie soll Tetris sofort verbieten lassen! Beim nächste Amoklauf zählen wir erst mal genüsslich auf, wieviele Millionen durch Glaubenskriege umgekommen sind und dann schreiben wir, dass die Regierung sofort und ohne Zögern alle Religionen verbieten MUSS. Erst danach ist jeder mit IQ über 50 bereit, über "Ballerspiele-Verbot" zu diskutieren, vorher nicht! Ach, ich vergaß: Vorher müssen wir noch Autos abschaffen, der nachweislich mit Abstand gefährlichste Gegenstand in Deutschland. Außerdem ist durch die Hirnforschung nachgewiesen, dass beim Zielen mit einer Waffe auf echte Menschen andere Hirnbereiche aktiv sind als beim Spielen auf einem Screen. Dankbar sollten die Kritiker sein, denn ohne die stundenlange tägliche Ablenkung in (Online)Welten würden viele der Nutzer wohl eher keine Fachbücher lesen oder brav Rollenspiele im Wohnzimmer spielen, sondern in Parks rumlungern, Rentner belästigen, randalieren oder sonstigen Unfug machen...
Lexington67 26.08.2011
4. ...
Zitat von sysopSender und Redakteur lenken ein: Nach einem Beitrag über die Spielemesse Gamescom brach eine Flut wütender Reaktionen über RTL herein, viele Gamer fühlten sich von dem tendenziösen Film beleidigt und lächerlich gemacht. Nun gibt es zerknirschte Entschuldigungen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,782546,00.html
Mann kann nur jeden Veranstalter von irgendwelchen Events warnen die Schmeissfliegen von RTL/SAT/Pro7 mit Kameras in die Räume zu lassen. Den Bericht haben wahrscheinlich hunderttausende gesehen, die Entschuldigung wird an den meisten vorbeigehen, der Schaden ist und bleibt angerichtet.
Der Meyer Klaus 26.08.2011
5.
Wenn ich mal eine Convention sehen würde in denen es nicht furchtbar nach Ungewaschenen stinkt, würde ich den Aufreger ja verstehen. Mag aber auch an der hoffnungslosen Überfullung aufgrund mangelnder Kompetenz seitens der Planung liegen, daß einige wenige Stinker ausgereicht haben... oder es waren eben doch mehr.
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