Spionageprogramm: Angriff von "Roter Oktober"

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Anti-Viren-Experten haben einen ausgeklügelten Spionagevirus auf Rechnern vor allem in Russland und Zentralasien entdeckt. Dateien und E-Mails wurden in großem Stil entwendet. Zu den Zielen gehörten Regierungen, Botschaften, Forschungseinrichtungen, Militär und Energiewirtschaft.

Code: Das Spionageprogramm prüft die Internetverbindung über einen Anruf bei Microsoft Zur Großansicht
Kaspersky Lab

Code: Das Spionageprogramm prüft die Internetverbindung über einen Anruf bei Microsoft

Moskau - Sicherheitsexperten haben einen großangelegten Spionageangriff auf diplomatische Vertretungen, Regierungsorganisationen und Forschungsinstitute in Osteuropa und Zentralasien entdeckt. Die Fachleute der russischen Sicherheitssoftware-Firma Kaspersky berichten, dass die Spionageprogramme über fünf Jahre hinweg unentdeckt auf den Computern und in den Netzwerken der betroffenen Organisationen systematisch nach hochsensiblen Dokumenten mit vertraulichen, oft geopolitisch relevanten Inhalten suchten. Weil die Spionagesoftware so lange unentdeckt blieb, haben die Kaspersky-Experten sie "Red October" (kurz Rocra) getauft - wie das lautlose U-Boot in Tom Clancys Thriller.

Die Angreifer nutzen demnach hochspezialisierte Schadprogramme. Die russischen Experten zeigen sich beeindruckt von der dabei genutzten Infrastruktur: Die Komplexität der Rocra-Software könnte es mit Flame aufnahmen, schreiben sie. Der Hightech-Schädling Flame galt bei der Entdeckung Anfang 2012 als eine der komplexesten Bedrohungen, die je entdeckt worden sind.

Rocras Komponenten spionierten verschiedene Plattformen aus: PC, iPhones, Nokia- und Window-Mobile-Smartphone sowie Business-Hardware des US-Konzerns Cisco.

Kommando-Rechner haben die Kaspersky-Experten an 60 verschiedenen Serverstandorten beobachtet, davon viele in Russland und Deutschland. Mit der Virenfamilie um Flame, Gauss und Duqu, deren Ziele sich vor allem in Iran und im Nahen Osten befinden, hat Rocra aber nichts zu tun, glauben die Kaspersky-Forscher. Man habe keine Verbindungen finden können, Rocra sei wesentlich "personalisierter" als Flame, Duqu und Gauss.

Wer ist betroffen?

Kaspersky schreibt, man habe "mehrere hundert" befallene Rechner weltweit entdeckt. Betroffen seien vor allem Computer und Netzwerke in Regierungsstellen, diplomatischen Vertretungen, Forschungsinstituten, im Nuklearsektor, in der Öl- und Gasindustrie, in Luftfahrtunternehmen und im Militär.

Kaspersky hat zudem über Monate hinweg analysiert, in welchen Staaten die eigene Software Spuren von Rocra-Infektionen findet. So entstand diese Rangliste der Infektionen nach Standort der betroffenen Systeme (in Klammern steht jeweils die Zahl der infizierten Systeme):

  • Russland (35)
  • Kasachstan (21)
  • Aserbaidschan (15)
  • Belgien (15)
  • Indien (14)
  • Afghanistan (10)
  • Armenien (10)
  • Iran (7)
  • Turkmenistan (7)

Außerdem betroffen sind demnach jeweils fünf oder sechs Rechner oder Netzwerke in der Ukraine, den USA, Vietnam, Weißrussland, Griechenland, Italien, Marokko, Pakistan, der Schweiz, Uganda und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Was suchten die Täter?

Laut Kaspersky wurden Dateien in großem Stil von den infizierten Rechnern kopiert. Die Beschreibung klingt eher nach einer breit angelegten Erkundung als nach zielgerichteten Angriffen. Die Täter haben nach Textdateien, Tabellen, Schlüsseln für die Kryptografie-Programme PGP und GnuPG gesucht. Auch E-Mails wurden kopiert, angeschlossene Laufwerke und Smartphones ausgelesen.

Dateiendungen, nach denen Rocra Ausschau hielt, deuten laut Kaspersky auch auf ein besonderes Interesse an Dateien hin, die mit dem von der EU und Nato genutzten Verschlüsselungsprogramm Acid Cryptofiler in Zusammenhang stehen. Die Dateiendung xia könnte ein Hinweis auf die deutsche Verschlüsselungssoftware Chiasmus sein.

Wie wurde der Angriff entdeckt?

Auf den Angriff wurde Kaspersky nach eigenen Angaben von einem Geschäftspartner hingewiesen, der anonym bleiben möchte. Die Analyse des entdeckten Schädlings brachte die Forscher dann auf die Spur weiterer Opfer. Mit einer Art Fallenkonstruktion, einem sogenannten Sinkhole, identifizierte Kaspersky schließlich sechs der 60 Kontrollserver, von denen die befallenen Rechner Befehle empfangen.

Wie gingen die Angreifer vor?

Die Attacken waren offenbar genau auf die jeweiligen Opfer zugeschnitten. So verschickten die Angreifer per E-Mail Dokumente, die für die Opfer interessant zu sein schienen. Als Beispiel präsentiert Kaspersky den Screenshot einer Werbeanzeige für ein gebrauchtes Diplomatenfahrzeug. Spätere Infektions-E-Mails seien offenbar auf Basis früher entwendeter Daten passgenau aufgesetzt worden. Die Dokumente waren mit einem Schadcode kombiniert, der bereits bekannte Sicherheitslücken ausnutzte, und zwar in Microsoft Word und Excel.

Sobald der Empfänger einen solchen Dateianhang öffnete, wurde ein Trojaner in die Rechner eingeschleust, der dann wiederum einen weiteren Schadcode aus einer gewaltigen Bibliothek nachlud. Gesteuert wurden die gekaperten Rechner dann von einer Kaskade von 60 sogenannten Command-&-Control-Servern (C&C). Die seien so hintereinander geschaltet, dass es unmöglich sei, die eigentliche Quelle der Steuerbefehle auszumachen, so Kaspersky.

Die Spionagewerkzeuge, die nachgeladen wurden, sind vielfältig und ausgeklügelt. Über tausend Software-Module habe man gefunden, die 34 verschiedene Funktionen erfüllten. Manche Module erkundeten das befallene Netzwerk, kopierten die Surf-History des installierten Browsers oder prüften, welche Laufwerke angeschlossen waren. Andere waren auf Passwort-Klau spezialisiert oder darauf, gleich den gesamten E-Mail-Verkehr oder ganze Verzeichnisse von dem befallenen Rechner zu kopieren. Andere Module waren auf das Auslesen von angeschlossenen USB-Laufwerken spezialisiert, einige sogar auf das Wiederherstellen gelöschter Daten auf solchen Laufwerken.

Auch an infizierte Rechner angeschlossene Mobiltelefone kann Rocra übernehmen oder zumindest auslesen, die Kontaktliste beispielsweise. Fast schon selbstverständlich, dass die Angreifer auch Hintertüren auf den befallenen Rechnern und Telefonen installierten, um später weitere Befehle ausführen oder Software nachladen zu können. Rocra überträgt die gefundenen Dateien schließlich gepackt und verschlüsselt über das Internet an Steuerungsrechner.

Wer könnte dahinterstecken?

Kaspersky zufolge enthält die Schadsoftware Hinweise auf Entwickler aus mindestens zwei unterschiedlichen Nationen. Die Exploits, also die Teile des Schadcodes, die bestimmte Sicherheitslücken ausnutzen, "scheinen von chinesischen Hackern entwickelt worden zu sein", schreiben die Autoren des Berichts. Sie seien in der Vergangenheit auch schon bei Cyberangriffen gegen tibetische Aktivisten und Ziele aus dem Energie- und Militärbereich in Asien eingesetzt worden. Solche Exploits könnten auch auf dem Schwarzmarkt eingekauft worden sein. Der Malware-Code selbst aber scheine von "russischsprachigen" Entwicklern zu stammen.

So tauchte im Programmcode beispielsweise der russische Begriff "Zakladka" auf. Es kann Grundstein heißen oder für etwas "Eingebettetes" stehen. Der Begriff könnte aber auch "Lesezeichen" oder einfach "nicht näher definierte Funktion" bedeuten. Damit könnte aber auch ein "in der Wand einer Botschaft verstecktes Mikrofon" gemeint sein, heißt es in dem Kaspersky-Bericht.

Die Registrierungsdaten der C&C-Server und "zahlreiche Artefakte in den ausführbaren Dateien der Malware" deuteten darauf hin, "dass die Angreifer russischsprachigen Ursprungs sind", schreiben die Kaspersky-Analysten.

Natürlich könnte diese Hinweise aber auch jemand bewusst platziert haben, um diesen Eindruck zu erwecken.

Es gebe derzeit "keine Hinweise auf eine von Nationalstaaten gelenkte Attacke". Die Information, die die Hacker mit ihrem Werkzeug entwenden könnten, sei jedoch sehr hochwertig und könnte wohl auch von Nationalstaaten genutzt werden. "Solche Information könnte im Untergrund meistbietend verkauft werden", mutmaßen die Kaspersky-Forscher.

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mit Material von dpa

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1. Selber schuld
wirklick 14.01.2013
Wer von den Viren und Spionageprogrammen geschädigt wird, hat selber schuld. Hochsensible Daten auf einen Rechner zu bringen, der mit dem Internet verbunden ist, ist einfach fahrlässig. Da braucht man nicht rumzujammern von wegen der bösen Spionageprogramme. Einfach das Lan - Kabel ziehen und das Problem ist gelöst.
2. Natürlich ist Kaspersky
spiegelwelt 14.01.2013
Natürlich zeigen sich die Kaspersky-Jungs beeindruckt, wenn ein Virus unentdeckt über lange Zeit großen Schaden anrichtet. Schließlich stellen sie Antiviren-Software her, die die Schadsoftware offensichtlich nicht erkannt hat. Da können sie ja schlecht sagen: "Eigentlich nicht zu fassen, dass unsere Software dermaßen Blind war!"
3. Besser Notizbuch mit eigenem Code verwenden.
Dr. Clix 14.01.2013
Da sich nun über USB angeschlossene Telefone auslesen lassen ohne grossartig geschützt zu sein sollte jeder vorsichtig sein Passwörter, PIN,etc. im Echtformat abzuspeichernb - nicht nur Militärs und Politiker. Aber durchaus eine Form den Volk zu erklären das alles schief läuft und es wurde und wird kein Schuldiger gefunden - Idioten!!!
4.
#2011-0001 14.01.2013
Zitat von wirklickWer von den Viren und Spionageprogrammen geschädigt wird, hat selber schuld. Hochsensible Daten auf einen Rechner zu bringen, der mit dem Internet verbunden ist, ist einfach fahrlässig. Da braucht man nicht rumzujammern von wegen der bösen Spionageprogramme. Einfach das Lan - Kabel ziehen und das Problem ist gelöst.
Wenn es so einfach wäre das "Einfach weg mit Internet". Wie soll das gehen bei einem Rechner mit dem man E-Mails versendet und empfängt, Termine organisiert oder surft. Tablets, Smartphones, Telefone - Wie wollen Sie die offline benutzen? Ich gehe davon aus, dass entsprechende Stellen - im Gegenzug zu vermutlich x Heimanwendern - nicht ihre Kennwörter und EC-Kartenpins in Textdateien auf der Festplatte speichern mit kreativen Namen wie Passwort.txt. Hier geht es um Überwachung von Korrespondenz. Das ist eine ganz andere Qualität. Wie wollen Sie offline kommunizieren? Rauchzeichen?
5.
#2011-0001 14.01.2013
Zitat von Dr. ClixDa sich nun über USB angeschlossene Telefone auslesen lassen ohne grossartig geschützt zu sein sollte jeder vorsichtig sein Passwörter, PIN,etc. im Echtformat abzuspeichernb - nicht nur Militärs und Politiker. Aber durchaus eine Form den Volk zu erklären das alles schief läuft und es wurde und wird kein Schuldiger gefunden - Idioten!!!
Passwörter und PINs soll man überhaupt nirgends abspeichern. Das führt sie ja ad absurdum...
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Schad- und Spähsoftware
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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potentiell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.


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