Sponsored Stories: Richter lehnt Facebook-Vergleich ab

Der Rechtsstreit um Werbeanzeigen bei Facebook mit Gesichtern und Namen von Nutzern geht weiter: Das soziale Netzwerk änderte seine Einstellungen und sollte 20 Millionen Dollar zahlen - dem Richter reichte das nicht. Nicht nur Anwälte, sondern auch die Kläger müssten von dem Vergleich etwas haben.

Facebook-Werbeform "Sponsored Story": Zehn Millionen Dollar Anwaltshonorar Zur Großansicht

Facebook-Werbeform "Sponsored Story": Zehn Millionen Dollar Anwaltshonorar

Ein US-Richter hat den im Streit um "Sponsored Stories" auf Facebook getroffenen Vergleich fürs Erste nicht angenommen. In seiner Erklärung argumentierte er, die Parteien müssten nachweisen, dass die Summen von je zehn Millionen Dollar für Entschädigung und Anwaltskosten nicht "aus der Luft gegriffen" seien.

Der Richter erkannte zwar an, wie aufwendig es wäre, an mehr als 70 Millionen Betroffene Zahlungen zu tätigen. Dennoch stellte er die in solchen Prozessen gängige Praxis in Frage, bei der die Nutzer leer ausgehen, während die Taschen der Anwälte bis zum Rand gefüllt werden.

Mehrere amerikanische Facebook-Nutzer hatten sich im Frühjahr zusammengeschlossen, um gegen die Benutzung ihres Namens und Benutzerprofils im Rahmen der sogenannten "Sponsored Stories" auf der Seite zu klagen. Facebook nutzt die Gesichter und Namen seiner Kunden, um für Unternehmen Werbung zu machen. Wer eine Seite "liked", der lief bislang Gefahr, sich plötzlich mitsamt Facebook-Konterfei als Fürsprecher in einem werbenden Umfeld wiederzufinden.

Im Juni hatten die Parteien dann einen Vergleich geschlossen: Die Sammelklage wurde beigelegt, Facebook verpflichtete sich zu einer Zahlung von zehn Millionen Dollar an wohltätige Organisationen. Außerdem wollte der Konzern die Anwaltskosten in Höhe von bis zu zehn Millionen Dollar übernehmen. Viele Prozessbeobachter hatten kritisiert, dass wie so oft vor allem die Anwälte profitierten, während die Geschädigten kein Geld sähen.

Kläger müssen Summe erklären

In diese Kerbe schlug nun auch Richard Seeborg, der Richter, der die Einigung für rechtens erklären sollte. Dass die Anwaltskosten ebenso hoch sein sollten wie die Entschädigungssumme, ließ er nicht durchgehen und thematisierte in seiner Erklärung die Unverhältnismäßigkeit des Betrages. Er verlangt von den Klägern, die Summe zu erklären und damit zu belegen, dass es nicht nur um eine schnelle Beilegung des Konfliktes ohne Rücksicht auf Ansprüche der klagenden Facebook-Nutzer gegangen sei. Dafür spricht laut Seeborg, dass die Anwälte der Beklagten die Anwaltsgebühren nicht moniert hätten.

Schon während der Anhörung zum Vergleich hatte der Richter seine Zweifel geäußert und unter anderem gefragt, warum die Entschädigung nicht bei 100 Millionen Dollar liege. Die Parteien müssen nun neue Bedingungen vorlegen, um im zweiten Anlauf einen Vergleich durchzubringen.

Nutzungsbedingungen geändert

Eines ist bei aller Kritik an der Vergleichspraxis jedoch nicht zu vernachlässigen, und das ist laut der richterlichen Erklärung auch etwas, das den Teilnehmern der Sammelklage das Wichtigste war: Vom finanziellen Aspekt abgesehen haben sie genau das bewirkt, was sie wollten - dass Facebook nicht mehr so einfach ihre Daten für seine "Sponsored Stories" nutzen darf, sondern umdenken muss.

Wertete das Unternehmen zuvor das Klicken von "Gefällt mir" bereits als Einverständnis, haben Kunden nun die Möglichkeit, der Nutzung ihrer Daten zu diesem Zweck zu widersprechen. Dafür muss man allerdings - typisch für Privatsphäre- und Sicherheitseinstellungen bei Facebook - erst einmal danach suchen, denn die "Sponsored Stories", übersetzt mit "Soziale Werbeanzeigen", sind nicht sonderlich präsent in den Einstellungen. Zu finden sind sie unter Privatsphäre-Einstellungen > Werbeanzeigen > Einstellungen bearbeiten > Einstellungen für soziale Werbeanzeigen.

can

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Typisch Facebook
Andalusier 20.08.2012
Zitat von sysopDer Rechtsstreit um Werbeanzeigen bei Facebook mit Gesichtern und Namen von Nutzern geht weiter: Das soziale Netzwerk änderte seine Einstellungen und sollte 20 Millionen Dollar zahlen - dem Richter reichte das nicht aus. Auch die Kläger müssten von dem Vergleich etwas haben. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,850933,00.html
Eigentlich sollte es Facebook generell verboten sein die Fotos der Mitglieder ungefragt für Werbung zu verwenden.
2. mein sicherer Facebook Account.......
hmcgrath1966 21.08.2012
Es ist eine Schande ohnegleichen das mein ach so sicherer Facebook Account nun Doch nicht allein meiner ist sondern Facebook mehr uber mich und meine Familie und Freunde und sogar über meine ArbeitKollegen. Nichts ist sicher vor Hackern bei Facebook und unsere Konten wurden schon mehrfach gehackt Passwörter von diesen Leuten abgeändert so das Man selbst keinen Zugang mehr hat. Ich finde es unglaublich das die kleinsten Kinder sich dort anmelden dürfen ohne den Personalausweis zu überprüfen. Da brauch nur ein x beliebiges Alter erfunden werden. Kein Wunder d a s heutzutage soviel schlimme Dinge passieren können. Unglaublich!!!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Web
RSS
alles zum Thema Facebook
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 2 Kommentare
Zur Autorin
  • Carolin Neumann berichtet und bloggt aus Hamburg über die Zukunft der Medien. Nebenbei schaut sie viel zu viele Serien.

Netzwelt auf Twitter

Über diesen Account erreichen Sie das Ressort und verpassen keinen Artikel.



Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon kaufen.