Womöglich bekommen Sie dieser Tage in Ihrem Facebook-Stream oder anderswo vermehrt Links zu Musik von Metallica zu hören. Das ist kein Zufall: Seit dieser Woche ist das Gesamtwerk der Metal-Band beim Musik-Streaming-Service Spotify erhältlich. Im Rahmen einer Pressekonferenz in New York stellten Spotify-Chef Daniel Ek und Aufsichtsratmitglied Sean Parker die Kooperation vor und demonstrierten Einigkeit mit Metallica-Schlagzeuger Lars Ulrich.
Um den Symbolcharakter dieses Zusammentreffens zu verstehen, auf den es Spotify zweifelsohne angelegt hat, muss man wissen, dass Metallica - und vor allem Lars Ulrich - sich lange dagegen gewehrt haben, dass ihre Musik online angeboten wird. Die Fehde begann einst mit Raubkopien von Metallica-Songs, die über Parkers damaliges Start-up Napster verteilt wurden. Zwei Jahre nachdem Metallica deswegen geklagt und damit eine regelrechte Klagewelle gegen den Musikdienst angestoßen hatte, ging Napster in seiner damaligen Form unter.
Ob eine "brüderliche Umarmung" die Heilung der Musikindustrie symbolisieren könne, fragt sich die "New York Times" im Anschluss. Wenn nicht heilen, dann zumindest ein Zeichen setzen, und sei es nur dafür, dass auch die noch zurückhaltenden Teile der Musikindustrie lernen müssen, dass sie sich dem Internet nicht verschließen können. Laut der "Times" stellte Ulrich klar, dass es bei der Aversion seiner Band nie um Geld gegangen sei, sondern "um Kontrolle". Als beispielsweise Apples iTunes-Store 2003 an den Start ging, wollte sich die Band nicht vorschreiben lassen, auch einzelne Songs über die Plattform zu vertreiben, weil sie den "Tod des Albums" befürchteten. 2006 gab sie diese Blockadehaltung auf und ließ ihre Musik über den iTunes Store anbieten.
Gute Nutzerzahlen, schlechte Bilanzen
Ansonsten rühmte sich Spotify bei dem Event vor allem mit Zahlen: Mehr als fünf Millionen Premium-Kunden gibt es nach Angaben des schwedischen Unternehmens inzwischen, eine Million davon schlossen in den vergangenen Monaten ihren Bezahlvertrag mit dem Streaming-Dienst ab.
Doch die Diskrepanz zwischen zahlenden Nutzern und denen, die das kostenlose Modell in Anspruch nehmen, sollte dem Unternehmen Sorgen machen: 20 Millionen Menschen sind weltweit bei Spotify angemeldet, die Zahl der Kostenlos-Nutzer steigt deutlich schneller als die der zahlenden Kundschaft.
Auch sind Nutzerzahlen nur die eine Seite der Medaille. Die finanzielle Bilanz des populären Dienstes sieht bekanntlich ganz anders aus: 2011 machte Spotify 188 Millionen Euro und musste trotzdem 40 Millionen Euro Verlust verbuchen. Und das, obwohl die Tantiemen, die den Umsatz auffressen, dem Vernehmen nach so gering sind, dass die meisten Künstler von Spotify nur einen Bruchteil dessen erhalten, was ihnen beim Verkauf einer CD zugute kommen würde.
Ohne Finanzspritzen könnte Spotify deshalb nicht überleben. Erst im vergangenen Monat wurde eine neue Finanzierungsrunde von erneut 100 Millionen Dollar bekannt. Investoren sind vor allem Goldman Sachs und der Konzern Coca-Cola.
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