Seoul - Wer hat am Mittwoch wichtige Fernsehsender und Banken in Südkorea lahmgelegt? Die Behörden des asiatischen Landes haben Urheber des massiven Hacker-Angriffs noch nicht identifizieren können, allerdings gibt es erste Hinweise. Die Täter hätten eine chinesische IP-Adresse genutzt, "um die Server der sechs betroffenen Einrichtungen zu kontaktieren und die Schadsoftware zu installieren, die ihre Computer angriff", so ein Sprecher der südkoreanischen Behörde für Kommunikation.
Er betonte allerdings, dass der Angriff nicht unbedingt von China ausging, da eine chinesische IP-Adresse auch von Hackern aus anderen Ländern genutzt werden kann. Nach den Verantwortlichen werde weiter gesucht.
Am Mittwoch waren die Computer der Sender KBS, MBC und YTN, der Banken Shinhan und Nonghyu sowie eines auf Nordkorea spezialisierten Anbieters von Internetdiensten teilweise oder vollständig lahmgelegt worden.
Es war ein spektakulärer Ausfall: Am frühen Mittwochnachmittag, um Punkt 14 Uhr, wurden die Geldautomaten der Banken lahmgelegt und mit ihnen die Terminals für Kartenzahlungen in Cafés und Geschäften. In den Büros der führenden Fernsehender fielen die Bildschirme aus. Auf manchen Screens erschienen Totenköpfe. Das sei ein sicheres Zeichen dafür, dass Hacker Schadsoftware in südkoreanische Systeme eingeschleust hätten, sagte ein Sprecher der staatlichen Behörde für Informationssicherheit. Noch Stunden nach den Ausfällen im Computernetz des südkoreanischen Rundfunksenders war der Internetzugriff blockiert.
Fast reflexhaft fiel in Südkorea zunächst der Verdacht auf Nordkorea. Das kommunistische Nachbarland rüstet sich nach Einschätzung des südkoreanischen Geheimdienstes schon seit Jahren für einen Cyber-Krieg - auch wenn das Regime den eigenen Bürgern den Internetzugang verwehrt. Die Regierung in Seoul macht Pjöngjang nicht nur für Angriffe in den Jahren 2011 und 2012 verantwortlich. Auch eine massive tagelange Hacker-Attacke auf Dutzende Regierungs-Websites in den USA und Südkorea im Jahr 2009 ging nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums von Nordkorea aus.
Spannungen auf der koreanischen Halbinsel verschärfen sich
Nordkorea selbst hatte vor einigen Tagen eine "anhaltende und intensive" Hacker-Offensive auf sein Land beklagt. Mehrere staatliche nordkoreanische Websites seien fast zwei Tage lang lahmgelegt habe. Die Schuldigen fand das Regime schnell: Südkorea und die USA seien verantwortlich.
Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel hatten sich nach einem umstrittenen nordkoreanischen Raketenstart im Dezember und dem dritten Atomtest des Landes im Februar spürbar verschärft.
Nordkorea macht seither mit immer neuen Provokationen auf sich aufmerksam - Kriegsdrohungen und Militärübungen gehören zum Alltag. Am 8. März kündigte Pjöngjang einseitig den Nichtangriffspakt mit Südkorea auf. Am Donnerstag drohte das Regime den USA erneut mit Angriffen auf ihre Militärstützpunkte in Japan und Guam.
Außerdem wurden offenbar die nordkoreanische Armee und die Bevölkerung in Alarmzustand versetzt, weil die Volksarmee sich mitten in Übungen befinde. Das habe der nordkoreanische Rundfunk berichtet, sagte eine Sprecherin des südkoreanischen Vereinigungsministeriums in Seoul.
kgp/dpa/AFP
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