Netzwelt

Mehrere Gigabyte pro Tag

Browserfunktion belastet SSDs

SSD-Festplatten sind leise, schnell und robust. Aber die Flash-Speicher vertragen nur eine bestimmte Zahl von Schreibvorgängen. Ein Tech-Blog behauptet, dass der Firefox-Browser die Geräte schneller an ihr Limit bringt.

Von

Matthias Kremp

SSD (Symbolfoto)

Donnerstag, 29.09.2016   17:42 Uhr

"Firefox frisst Ihre SSDs" titelt die IT-Website "Servethehome" - und tatsächlich sind die Beobachtungen von Artikelautor Sergei Bobik erst einmal verblüffend. Der Computerexperte hatte aus purer Neugier an zwei aufeinanderfolgenden Tagen den Zustand seiner SSD überprüft und sich gewundert. Seine Test-Software zeigte, dass in der kurzen Zeit zwölf Gigabyte (GB) auf das Medium geschrieben worden waren. Dabei hatte er nur seine E-Mails abgerufen und einige wenige Webseiten besucht.

Nach ein paar Wochen stand für Bobik fest: das war kein Ausrutscher, sondern normal. Die Ursache für den Datenstrom hatte er schnell identifiziert: den Webbrowser Firefox. Mit drei geöffneten Fenstern, in denen jeweils mehrere Tabs aufgeklappt waren, schrieb Firefox bei ihm 35 GB pro Tag auf die SSD.

Dahinter steckt eine Sicherungsfunktion, ein Feature, das die meisten User nicht missen wollen: Wenn Firefox abgestürzt ist, oder wenn man versehentlich das Programm geschlossen hat, zaubert der Befehl "vorherige Sitzung wiederherstellen" die zuvor geöffneten Fenster und Tabs wieder her. In der Standardeinstellung macht diese sogenannte "Sessionstore"-Funktion alle 15 Sekunden einen Schnappschuss - und erzeugt damit gewaltige Datenmengen.

Diagnose-Software für Samsung-SSDs

Dieses Verhalten ist kein spezifisches Firefox-Problem: Eine Sitzungswiederherstellung gibt es auch beim Internet Explorer und bei Chrome. Anwender dieser Browser berichten in den Kommentaren zu Bobiks Blogpost von ähnlich hohem Datenaufkommen - übrigens nicht nur unter Windows, sondern auch unter Linux. Die Zahlen lassen sich aber nicht auf jedem System reproduzieren.

Eine Frage des Speicherintervalls

Auf Nachfrage erklärte Firefox-Hersteller Mozilla: "Firefox schreibt die Daten der Browsersitzung regelmäßig auf das Laufwerk, damit wir sie im Falle eines Absturzes oder Stromausfalls wiederherstellen können. Die Standardeinstellung von Firefox räumt dabei der Sicherheit der Nutzerdaten einen höheren Stellenwert ein als der Schreibleistung des Laufwerks."

Bobik stimmt dieser Ansicht zu, schlägt als Kompromiss aber vor, das Speicherintervall zu verlängern. Genau das ist auch der offizielle Rat von Firefox: "Nutzer, die hier eine andere Abwägung treffen wollen, können die erweiterte Konfiguration aufrufen (about:config in die Adressleiste eingeben) und dort den Wert für das browser.sessionstore.interval erhöhen."

Ärgerlich, aber nicht bedrohlich

Bleibt die Frage, ob Firefox oder andere Browser mit ihrem andauernden Datenstrom tatsächlich die Lebensdauer von Speichermedien verkürzen, wie es Bobik befürchtet.

Samsung erklärte auf Anfrage, man sehe durch die Firefox-Funktion keine Gefahr für seine SSDs. Eine Schreibbelastung von zwölf GB am Tag stelle kein Problem für die modernen Massenspeicher dar. Eine Produktmanagerin rechnet vor, dass selbst günstige SSDs bei einer Nutzungsdauer von fünf Jahren für eine Datenmenge von gut 41 GB pro Tag ausgelegt sind. Teure SSD-Varianten mit 2 und 4 Terabyte Speicherplatz vertragen rechnerisch in demselben Zeitraum sogar bis zu 164 GB pro Tag.

Die von den Browsern verursachte Schreiblast sei demnach zwar ärgerlich, "aber nichts, was die Lebensdauer von SSDs bedroht", heißt es von Samsung.

Wer sich trotzdem nicht ganz auf die Garantien der Hersteller verlassen will, hat zwei Möglichkeiten: Zum einen sollte man den Tipp von Mozilla annehmen und das Speicherintervall in der Firefox-Konfiguration verlängern. Bobik hat beispielsweise die Zeit von 15 Sekunden auf 30 Minuten hochgesetzt. Dadurch seien nur noch zwei GB auf die Festplatte geschrieben worden. Dafür muss man in der entsprechenden Einstellung (siehe oben) lediglich den vorgegebenen Wert 15.000 überschreiben. Allerdings ist fraglich, ob das Feature dann überhaupt noch sinnvoll ist.

Zum anderen - und das ist eine Binsenweisheit - sollte man natürlich auch von SSDs regelmäßig Back-ups anfertigen. Sollte der Speicher dann doch einmal versagen, hätte man immerhin Sicherungskopien.

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