Kinder-App "Stadtsache" Das eigene Viertel per App entdecken

Diese App schickt Kinder vor die Tür: Mit "Stadtsache" können sie ihr Viertel mit Fotos dokumentieren - und kommentieren, wie zufrieden sie mit Spielplätzen oder Radwegen sind.

Screenshot aus der App
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Screenshot aus der App

Von "c't"-Redakteurin Dorothee Wiegand


"Welches Graffiti gefällt Dir?" "Wo ist die Stadt zu laut?": Das sind typische Fragen in der kostenlosen Kinder-App "Stadtsache". Sie soll Kinder dazu anregen, sich eine Meinung über ihren Wohnort zu bilden und diese mitzuteilen. Andere Aufgaben schärfen den Blick fürs Detail: für Häusernamen, für falsch zusammengesetzte Pflastersteine oder Pflanzen, die aus Mauerritzen wachsen.

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Um die App zu nutzen, sollten Kinder verantwortungsvoll mit dem Smartphone umgehen können und wissen, wie sie dessen Kamera verwenden. Auch solide Lese- und Schreibkenntnisse sind nötig.

Die "Stadtsache"-App gibt es kostenlos, ohne Werbung oder In-App-Käufe. Sie ist so simpel gestrickt, dass Kinder sehr schnell damit zurechtkommen. Hier lässt sich die iOS- oder Android-Version direkt herunterladen.

Auf der Projekt-Website finden sich aber auch Downloads für jüngere Kinder, zum Beispiel DIN-A4-Bögen mit Anregungen, um die Stadt zu erkunden oder Straßenmalfarben zu mixen. Es handelt sich um einen Auszug aus dem Buch "Jetzt entdecke ich meine Stadt" aus dem Beltz Verlag.

Ebenso bietet die Webseite kindgerecht formulierte Ratschläge rund ums Fotografieren. Beim "Stadt-Check" können Kinder ihren Wohnort online bewerten, indem sie für Spielplätze oder Radwege Noten vergeben.

Wo sollte gespielt werden dürfen?
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Wo sollte gespielt werden dürfen?

Ausprobieren

Eine Weltkarte dient als Startbildschirm. Von hier führt das Zahnrad oben links nicht etwa zu den Programmeinstellungen. Es ist vielmehr der Dreh- und Angelpunkt der App. Über das Zahnrad gelangt man zu thematisch sortierten Aufgabenlisten, beispielsweise "Grünes", "Poetisches" oder "Technisches". Die Technikliste enthält dann wiederum Fragen wie "Wo gibt es ein schnelles, offenes WLAN-Netz?" oder Aufgaben wie "Mach ein kleines Erklärvideo zu einem Fahrkartenautomaten!".

Über "Meine Fundsachen" erreicht man eine Übersicht aller innerhalb der App bereits geschossenen Fotos inklusive Aufnahmeort. Die Bilder können auch beschriftet und zum Beispiel durch Bemalen verschönert werden. Das Beschnittwerkzeug versagte im Test auf einem Moto Z Play aber den Dienst.

Das Fotografieren im quadratischen Einheitsformat selbst gelingt leicht, auch Video-Aufnahmen sind möglich. Das Material kann nicht öffentlich in der eigenen Sammlung oder für alle App-Nutzer sichtbar abgelegt werden.

Für manche Aufgaben müssen Dinge gezählt werden, Kanaldeckel beispielsweise oder Kaugummis, die auf dem Asphalt kleben. Dafür gibt es eine Zählfunktion. Schließlich kann man auch gelaufene Strecken als Tracks aufzeichnen. Das funktioniert auch, wenn die App im Hintergrund läuft; sie muss also nicht während der gesamten Aufzeichnung geöffnet sein. Routen können unterbrochen und fortgesetzt werden.

Die App lenkt den Blick auf Details im Stadtbild
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Die App lenkt den Blick auf Details im Stadtbild

Mitmachen

Mit "Stadtsache" können Kinder anderen Kindern mitteilen, wo sich ihre Lieblingsspielplätze befinden. So kann nach und nach eine Karte voller Kinderkommentare entstehen. Noch ist die App in der Entwicklungsphase. Mit jedem Update kommen neue Funktionen, aber auch weitere Fragen und Aufgaben hinzu.

So kann man Bilder seit dem Update auf Version 2.7 nun auch nachträglich hochladen, falls sie GPS-getagged sind. Auf diese Weise lassen sich Fotos mit einer Bildbearbeitungs-App detailliert nachbearbeiten, bevor sie in "Stadtsache" landen - einerseits führt das zu fotografisch besonders ansprechenden Fundstücken, andererseits hat die App damit aber ein wenig von ihrem Quick-and-dirty-Charme eingebüßt.

Kurze Texte fürs Beschreiben der Lieblingsplätze
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Kurze Texte fürs Beschreiben der Lieblingsplätze

Ebenfalls neu ist die Option für eine "vereinfachte Anzeige", die sich für ältere Mobilgeräte empfiehlt, da sie auf aufwendige Grafikdetails verzichtet. Außerdem kann man in Version 2.7 festlegen, dass neue oder bearbeitete Fotos erst dann hochgeladen werden, wenn das Mobilgerät mit einem WLAN verbunden ist - so wird das monatliche Datenvolumen geschont.

Bisher wurden aus der App heraus erstellte Fotos und Videos automatisch sowohl auf dem Server des Anbieters als auch in der Fotogalerie des Mobilgeräts abgelegt. Dieses doppelte Speichern kann man jetzt in den Einstellungen der App unterbinden.

Die Anbieter arbeiten mit zahlreichen Kommunen zusammen, um bei der Stadtplanung und -entwicklung den Wünschen und Bedürfnissen von Kindern mehr Gewicht zu geben. Das Projekt wird von der Landesinitiative StadtBauKultur NRW 2020 gefördert - dadurch ist die Nutzung der App kostenlos.

Um in einer nichtöffentlichen Gruppe eigene Fragen und Aufgabenstellungen einzurichten, benötigen Gruppenleiter einen Admin-Zugang; diese Art der Nutzung soll pro Teilnehmer für sechs Monate 10 Euro kosten. Für Gruppen ab 100 Teilnehmern wollen die Anbieter Sonderkonditionen gewähren.


Der c't-Tipp für Kinder und Eltern

Die eigene Stadt per App erkunden

Technik: Mobilgerät, App "Stadtsache" für Android (ab 4.1) oderiOS (ab 8.0)
Voraussetzungen:
Sicherer Umgang mit der Smartphone-Kamera; um Fotos zu kommentieren, sollten die Kinder flüssig schreiben können.
Dauer: Beliebig - von einem kurzen Spaziergang bis zu einem Tagesausflug ist alles möglich.
Für: Kinder im Grundschulalter
Kosten: Die App ist kostenlos.



insgesamt 3 Beiträge
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ttvtt 29.10.2017
1. Kanaldeckel zählen...
Naja, wenn ich mir jetzt Kinder im Straßenverkehr vorstelle, die mit einem Smartphone in der Hand Kanaldeckel zählen und fotografieren, läuft es mir kält den Rücken runter. Wenn die App kostenlos ist, warum nicht auch der Gruppenzugang? So kann man es doch gar nicht in der Schule oder Freizeiteinrichtung als Angebot nutzen, denn 10,- Euro sind eine Menge Geld. Und ohne Aufsicht die Kinder im Straßenverkehr lassen, halte ich nicht für die beste Idee.
Onkel Drops 29.10.2017
2. dann entwickle ich die Land APP...
ganz simpel gestrickt , Dauer Anzeige gratis WLAN mit nen heulenden Smiley. ja in NRW steckt man Geld in schwachfug. statt das "Neuland" mal auszubauen, Fehlanzeige! dort werden email gefühlt noch per trommeln Versand. Kreis Lippe betont auch jedes mal explizit das noch nicht alle Gewerbegebiete gut versorgt sind ( von der Abdeckung beim Bürger reden wir lieber gar nicht!). die Land APP kann dann die kids auch vor dem Besuch des alten Spielplatzes warnen (Hauptsache die Junkies haben nen Treffpunkt, der nicht in der Fußgängerzone liegt. da wird in Detmold schon mal hinterm Landestheater ein Kinderspielplatz für vergewaltigt und in ein Drogen Park mit Bänken und Überdachung verwandelt.)! Inklusive einem Timer für Busse, man will ja den Bus der nur alle 2 Stunden fährt Richtung Stadt nicht verpassen. und die letzten Bäder ( gerettet von Mitbürgern und Vereinen) werden dort auch aufgelistet sein. wir brauchen den Kindern keine Sehenswürdigkeiten präsentieren, sie sehen selbst wie Vater/Mutter nach der Arbeit daran mit schuften. ein hoch auf die Politik und ihre Blindheit...
Dirk007 29.10.2017
3. App 'Stadtsache' ist eine Datenkrake
Wenn Apps für Kinder (von Spiegel online oder c't) empfohlen werden, sollte dann nicht auch untersucht werden, ob die App den Schutz der Daten und der Privatspähre einhält? 1.) Die App soll für Kinder geeignet sein, aber es gibt ein Mindestalter von 13 Jahren (https://stadtsache.de/agb.php). Das Mindestalter wird aber bei der Registrierunng innerhalb der App gar nicht genannt. Es ist in der App selbst nicht einmal zu finden. Bei Kind gerechten Apps sollte Mindestalter und Hinweise auf Datennutzung nicht im Kleingedruckten versteckt werden. Wenn es aber ein Mindestalter von 13 Jahren gibt, heisst dies auch, dass die Daten der Kinder verarbeitet werden. 2.) Die App fordert besondere Berechtigungen: Unter anderem Identität, Zugriff auf Kontakte. Wenn eine App für Kinder geeignet sein soll, sollten keine persönlichen Daten gesammelt werden und die Berechtigungen der App auf ein Minimum reduziert werden. Warum wird die Identität des Smartphones benötigt, wenn man sich doch per Email registriert. Wozu der Zugriff auf die Kontakte? 3.) Was ist das Geschäftsmodel hinter der App, wenn sie kostenlos ist. Es mag sein, dass es eine Anschubfinanzierung der Landesinitiative StadtBauKultur NRW gibt, aber davon läßt sich die App und die Infrastruktur nicht auf Dauer finanzieren. Wenn eine App kostenlos ist, wird mit persönlichen Daten bezahlt. Mit persönlichen Daten von unseren Kindern? Nein, dies App ist nicht für Kinder geeignet.
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