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200 Disketten: Experten retten Daten des "Star Trek"-Erfinders

Gene Roddenberry: Der Inhalt von 200 Disketten des "Star Trek"-Erfinders wurde wiederhergestellt Zur Großansicht
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Gene Roddenberry: Der Inhalt von 200 Disketten des "Star Trek"-Erfinders wurde wiederhergestellt

Mitarbeiter einer Datenrettungsfirma haben sich dem Nachlass des "Star Trek"-Erfinders Gene Roddenberry gewidmet: Um die Daten von 200 Disketten zu retten, mussten Techniker eigens ein Programm schreiben.

Rechtzeitig zum 50-jährigen Jubiläum von "Star Trek" ist es Technikern einer Datenrettungsfirma gelungen, den Inhalt von 200 Disketten aus dem Nachlass Gene Roddenberrys auszulesen. Der Serienerfinder, gestorben 1991, hatte seine Notizen, Skripte und Entwürfe zuletzt auf zwei tragbaren IBM-Computern geschrieben. Auf ihnen lief ein speziell auf die Bedürfnisse des Drehbuchautors zugeschnittenes Betriebssystem.

Da einer der beiden Rechner nicht mehr funktionierte und der andere vor fünf Jahren bei einer Auktion verkauft wurde, war über die Besonderheiten dieses Betriebssystems nichts Genaues in Erfahrung zu bringen. Diese Infos hätten die Roddenberry-Nachlassverwalter aber gut gebrauchen können, als 200 Disketten auftauchten, auf denen der TV-Produzent Daten gespeichert hatte.

Wie das Magazin "VentureBeat" berichtet, wurden sämtliche der 5,25 Zoll messenden Disketten an eine Datenrettungsfirma namens DriveSavers geschickt. Ohne ein Benutzerhandbuch oder sonstige Hilfen brauchten die Techniker ein Vierteljahr, um das Material zu analysieren und eine Software zu programmieren, mit der die Informationen ausgelesen werden konnten.

Was genau Roddenberry auf den jeweils 160 Kilobyte fassenden Datenträgern gespeichert hatte, teilte das Unternehmen nicht mit. DriveSavers' technischer Direktor Mike Cobb erklärte lediglich, man habe jede Menge Dokumente gefunden. Ob also die Geschichte des "Star Trek"-Universums umgeschrieben werden muss, steht buchstäblich noch in den Sternen. "Alles kann passieren", so Cobb geheimnisvoll. "Die Welt wird abwarten müssen."

Datenfunde als Zeitkapsel

Dass Computer oder Speichermedien aus der Versenkung auftauchen, kommt immer wieder vor, teilweise Jahrzehnte nach ihrem Verschwinden. Wie Zeitkapseln erlauben sie einen direkten Blick auf lang vergangene Tage. So zum Beispiel im April 2014, als 27 Jahre nach dem Tod von Andy Wahrhol mehrere 30 Jahre alte Disketten im Archiv des Andy Warhol Museums entdeckt wurden. Auf den Disketten hatte der Pop-Art-Künstler 18 Digitalzeichnungen abgespeichert, die er mit einem Commodore Amiga 1000 erstellt hatte.

Auch in diesem Fall war es nicht einfach gewesen, den Disketten ihre Informationen zu entlocken. Nach drei Jahrzehnten waren die Datenträger ziemlich ramponiert, verfügbare Programme konnten das Speicherformat nicht lesen. Mit speziellen magnetischen Lesegeräten gelang es am Ende trotzdem, den digitalen Kunstschatz zu heben.

Diese Beispiele werfen ein Schlaglicht auf ein grundsätzliches Problem mit vielen Speichermedien. Schon vor knapp 16 Jahren berichtete der SPIEGEL über den drohenden Gedächtnisschwund der Informationsgesellschaft: Disketten, Magnetbänder und Festplatten bleiben nur eine absehbare Zeit lang lesbar, nach längerer Zeit lösen sie sich buchstäblich auf.

Viele Daten sind nicht digitalisiert

Als Rettungsmaßnahme bleibt da nur regelmäßiges Umkopieren, wobei auch Datenträger wie CDs oder DVDs vorm Altersverfall nicht sicher sind. Dazu kommt noch das Wirrwarr der Datenformate, die oft schon nach wenigen Jahren von den dann gebräuchlichen Programmen nicht mehr entschlüsselt werden können.

Das stellt nicht nur Kunstarchivare vor Probleme, auch Wissenschaftlern erschwert die Überalterung der Datenträger und -formate die Arbeit. Zuweilen mangelt es schon an der Digitalisierung. 2011 zeigte eine britische Studie, dass Klimaforscher nur auf 20 Prozent aller weltweit gesammelten Wetteraufzeichnungen zugreifen können. 80 Prozent seien nie digitalisiert worden, ruhten in unzugänglichen Archiven und stünden der Forschung nicht ohne Weiteres zur Verfügung.

meu

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insgesamt 13 Beiträge
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1. (°!°)
floydpink 06.01.2016
Hieroglyphen & Runensteine kann man heute noch lesen, 30 Jahre alte Disketten nicht mehr. Ein Hoch dem Fortschritt.
2. Wer 30 Jahre
ichbinsjetzt 06.01.2016
die Daten nicht gebraucht hat, braucht diese nicht mehr. So handele ich auch, wenn ich wieder entrümple und den Anhänger voll lade. Da sind Disketten oder CD's keine Ausnahme.
3. wie war das nochmal?
snigger 06.01.2016
... mit dem recht auf digitales vergessen? (-.-)
4. Disketten von IBM-PC nicht entzifferbar, unglaubwürdig
stranzjoseffrauss 06.01.2016
Egal was der Herr für Bedürfnisse hatte, das Standard-Diskettenformat dürfte kaum zur Disposition gestanden haben. Schlimmstenfalls hat er Daten mit dem Grossrechner ausgetauscht, und die Information waren im EBCDIC-Format. Aber auch dafür gibt es Tools und somit ist die Konvertierung auch für Laien durchführbar.
5.
doedelheimer 06.01.2016
Zitat von floydpinkHieroglyphen & Runensteine kann man heute noch lesen, 30 Jahre alte Disketten nicht mehr. Ein Hoch dem Fortschritt.
Und einen einmal eingescannten Runenstein können Sie um die Welt schicken, und auf ewig auf neue Medien kopieren, während Ihr Original zwar sehr lange, aber eben nicht ewig hält. Ja, ein Hoch auf den Fortschritt! Übrigens, SPON phantasiert hier gerne ein Pseudoproblem herbei - es gibt diverse Formate, die zertifiziert sind, und für die es noch in Tausenden von Jahren Weichware geben wird, die diese Formate lesen und anzeigen kann. Ebenso kann endlos in neue Formate konvertiert werden. Es geht nix verloren, was nicht verloren gehen soll; umgekehrt nagt an jedem Papyr, an jeder Rune, der Zahn der Zeit - mal langsam, mal schneller...
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