Von Felix Knoke
Berlin - Zwischen Morgen-Macchiato und After Hour in halblegalen Hinterhof-Clubs brodelt es. Berlin ist hip, das ist nichts Neues. Jetzt aber zieht die Hauptstadt mehr und mehr Menschen an, für die eine gepflegte Club- und Kneipenszene, bezahlbare Wohnungen und verrückte Frisuren nur Randaspekte des Berliner Lebens sind. Sie versammeln sich in "Shared-Working-Spaces", an Gründer-Stammtischen und in iPad-Cafés: Viele Dutzend Internet-Start-ups zählt die Stadt Berlin, manche Insider schätzen sogar, es seien über 100. Jedenfalls mehr als in Hamburg, Köln oder München.
SPIEGEL ONLINE will dem Hype um die Gründerstadt Berlin auf den Grund gehen. In einer kleinen Serie werden hier die Geschichten junger Start-ups, die für sie wichtigen Personen und Orte vorgestellt. Denn das ist derzeit vielleicht das Spannendste an Berlin: Dass noch relativ wenige Protagonisten das Bild und Ansehen dieser Stadt beeinflussen - und jeder, der eine gute Idee und Lust auf Berlin hat, an dieser ständig voranschreitenden Entwicklung teilhaben kann.
Vielleicht hat sich das noch nicht so sehr in Deutschland herumgesprochen - der Berlin-Hype findet derzeit vor allem in den Tech-Blogs der Welt und Internetressorts internationaler Medien statt - und wird auch sicherlich von ihnen angefeuert:
Warum aber ausgerechnet Berlin? Gründe gibt es viele: Berlin hat eine florierende kreative Szene, auch weit ab von den Themen Internet und Computer; Berlin bietet eine hohe Lebensqualität bei niedrigen Lebenshaltungskosten; Berlin ist verkehrstechnisch hervorragend an andere deutsche und internationale Städte angebunden; in Berlin sammeln sich nicht nur die Gründer, sondern auch ihre Kunden: der Berlin-Hype wird vom Berlin-Hype angefeuert - hier trifft sich die kreative Elite, eben weil man hier auf viele Gleichgesinnte stößt und sich viele, für Neuankömmlinge offene Eine-Hand-wäscht-die-andere-Netze gebildet haben und weiter wachsen.
Trotzdem muss man sich fragen: Ist der Aufschwung Berlins als Gründer-Metropole nur ein Trend oder ein Hype? SPIEGEL ONLINE hat sich bei den Start-up-Blogs umgehört:
Weigert, Hüsing und Deerman sind sich einig: Berlin bleibt attraktiv für Neuzugänge. Dadurch, dass die Mieten so niedrig, dass Wohn- und Arbeitsraum so vielfältig und verfügbar sind und die Stadt noch immer keine eingefahrenen, rigiden Strukturen hat, haben es Neuankömmlinge besonders einfach, ihren Platz zu finden und sich auf das zu konzentrieren, was sie am besten können: Kreativ sein und Kontakte knüpfen. Andersherum können Start-ups aus einer großen Zahl fähiger potentieller Mitarbeiter schöpfen, die bereit sind, für weit geringere Löhne als etwa in London, zu arbeiten - und ihr eigenes Sozialkapital, ihr Netzwerk einzubringen.
Kurzum: Berlin macht es Start-ups, Kreativen und Entwicklern besonders leicht. Nicht in London, nicht in Amsterdam, nicht in Kopenhagen kann man so einfach für ein paar Monate, für ein paar Jahre etwas aufbauen - und sei es nur ein spannendes Leben zwischen Morgen-Macchiato und After-Hour-Party in einem Berliner Hinterhof.
In den kommenden Tagen und Wochen lesen Sie hier bei SPIEGEL ONLINE, wer die neuen Gründer sind, was sie antreibt - und natürlich, mit welchen Ideen sie die Welt verändern wollen.
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