Startup miomi Magische Momente im globalen Dorf

100 Millionen Dollar erhielten drei Studenten als Starthilfe für ihr Projekt miomi, eine Community, in der Nutzer ihre Erlebnisse entlang einer Zeitleiste aufschreiben. SPIEGEL ONLINE sprach mit den Gründern.

Von Karolin Schaps, London


"Du bist die erste, die unsere neuen Visitenkarten sehen darf", sagt Thomas Whitfield, 25, Mitbegründer der Website miomi. Stolz legt er eine kleine graue Karte in Form eines Laptop-Computers auf den Tisch. "miomi – it’s about time", steht da, der Slogan der Website, die Whitfield momentan mit seinem Team kreiert. Als ich Thomas vor gut drei Monaten zum ersten Mal traf, hieß "miomi" noch "design the time". Die Idee ist aber dieselbe geblieben: Zeit in Form von durch die User zu befüllenden Momenten im Internet anzubieten, zugänglich gemacht über eine Zeitleiste.

miomi-Gründer Richard, Karlheinz, Thomas: Auf den Spuren von MySpace, YouTube und Co?

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"Die Idee war ganz simpel. Wir haben uns überlegt, dass es einfach unglaublich interessant zu wissen wäre, was anderen Menschen in eben dem Moment geschieht, in dem wir etwas erleben", erzählt Karlheinz Toni, genannt "Charly", ebenfalls 25 und Mitbegründer der Website, "und zwar weltweit. Haben sie sich auch verliebt? Haben sie etwas Trauriges erlebt? Ein Abenteuer?"

Anfang des Jahres gewann das Team mit der Präsentation des Konzeptes einen Entrepreneur-Wettbewerb an der University of Oxford. Die Jury-Mitglieder waren so begeistert, dass sie dem Start-up Zugriff auf 100 Millionen Dollar zur Verwirklichung des Projektes gewährten. "It totally blew us off our socks", sollen die Vertreter der Bright Station Ventures, die das Geld zur Verfügung stellen, gesagt haben - "es haute uns total um". Nach wenigen Wochen verzeichnete die Website bereits 100.000 Vor-Registrierungen - noch bevor irgendein Moment virtuell geteilt werden konnte.

Seitdem hat sich alles verändert für Thomas, Charly und ihren Kollegen Richard Schreiber: 14-Stunden-Tage, das Studium rückte in den Hintergrund, London als neues Zuhause. Eine 30 Mann starke Truppe - Designer, Journalisten, Webmaster - arbeitet nun an der Website, um die Idee der geteilten Momente in die Realität umzusetzen.

Community-Netzwerk für Schreibfreudige

Die Kernidee von miomi ist der "Sozialcharakter", wie die Gründer das nennen. Ähnlich wie auf MySpace oder Facebook können Nutzer sich registrieren, ein Profil anlegen, sich gegenseitig als "Freunde" einladen; vor allem aber können sie eigene Erlebnisse auf einer als Veröffentlichungsplattform genutzten Zeitleiste mit anderen teilen und deren Beiträge kommentieren. "Das Soziale an miomi ist, dass man schauen kann, was andere Leute erlebt haben, so wie im echten Leben auch", erklärt Charly. "Wer hat ähnliche Sachen wie ich erfahren, was prägt Charakter und Persönlichkeit?"

Die Zeitleiste der Momente funktioniert über ein Zoom-System, ähnlich wie bei Google Maps, erklärt Charly. Je näher man heranzoome, desto kleiner der dargestellte Zeitraum. "Dann kommt man von Monaten auf Wochen und Tage und trifft vielleicht auf jemanden, der ähnliche Erfahrungen zur gleichen Zeit gemacht hat." Eine Zeitreise per Mausklick, sozusagen.

Doch das ist nicht alles. Zwar sei der Community-Aspekt Kernidee der Website, doch für Thomas ist miomi mehr: Der Dienst sei nicht nur ein weiteres virtuelles Sozialnetzwerk, sondern eine regelrechte "Revolution im Onlinejournalismus", tönt er.

"Leute können von überall her eigene Artikel zu verschiedenen Geschehnissen veröffentlichen. Wenn irgendwo ein Unfall passiert, können Betroffene ihre Meinung aussprechen. Jemand, der bei den Londoner Terroranschlägen einen qualmenden U-Bahn-Schacht gefilmt hat, kann seine Erkenntnisse über die Website teilen."



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