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Statusmeldungen in sozialen Netzwerken: Chef liest mit

Statusmeldungen in sozialen Netzwerken sind der Spiegel des Online-Ichs. Wenn Nutzer sich über ihre Laune, ihre Gesundheit oder den Chef auslassen, vergessen sie allerdings oft, dass Leute die Botschaften mitlesen können, für die sie nicht bestimmt sind.

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TMN

Statusmeldungen: Vor der Veröffentlichung genau prüfen, wer sie lesen kann

Barbie hat heute keine Lust auf ihre Arbeit. "Es ist einer dieser Tage, an dem Du nichts hinbekommst", lässt sie über eine Statusmeldung beim sozialen Netzwerk Facebook wissen. Aber sie weiß Abhilfe: "Wenn der Chef vorbei kommt, tust Du so, als hättest Du viel zu tun." Was die Amerikanerin über ihre Langeweile vergessen hat: Ihr Boss kann mitlesen - und die ganze Welt ebenso. Denn der Kommentar ist offen im Internet zu finden.

Statusmeldungen sind Stimmungsbarometer, virtuelle Klowand und Bühne zur Selbstdarstellung zugleich - mit anderen Worten: der Spiegel des Online-Ichs. Praktisch alle großen sozialen Netzwerke bieten ihren Nutzern die Möglichkeit, ihre Kontakte mit diesen kurzen Nachrichten auf dem Laufenden zu halten. Doch was sich oft nur an Freunde oder Verwandte richtet, gerät schnell an eine größere Öffentlichkeit. Die richtigen Einstellungen und Verhaltensregeln helfen, peinliche Pannen zu vermeiden.

Trotz aller Berichte über Datenschutzprobleme ist das nicht selbstverständlich. "Viele denken, ihre Äußerungen in sozialen Netzwerken seien privat", weiß der Kommunikationsberater Klaus Eck aus seinen Seminaren. Gerade das Beispiel des Marktführers Facebook zeigt, dass Nutzer sich unbedingt mit den Datenschutz-Optionen beschäftigen sollten.

Denn einerseits lässt sich nirgendwo genauer festlegen, wer Inhalte sehen darf. "Nutzer können bei jedem Eintrag - egal ob Link, Foto, Text oder Video - festlegen, wer ihn sehen soll", sagt eine Sprecherin des Unternehmens. Dies geschieht über das Schloss-Symbol, das beim Tippen des Textes erscheint. Selbst einzelne Personen lassen sich als Zielgruppe festlegen oder vom Leserkreis ausschließen.

Nutzer müssen sich vom Begriff Privatsphäre verabschieden

Wer sich die Mühe macht und seine Kontakte über "Listen" in unterschiedliche Kategorien unterteilt, kann mit einem Klick Fotos von der Betriebsfeier für die Kollegen freischalten, ihnen aber beschwipste Kommentare von der Kegeltour vorenthalten.

Andererseits gibt es bei Facebook eine tückische Option, die Statusmeldungen in die weite Welt des Internet posaunt: Die Freigabe "Alle" bedeutet, dass sie auch außerhalb des Netzwerks einsehbar sind. Portale wie youropenbook.org oder booshaka.com durchsuchen die Inhalte und fördern auch Unmutsbekunden wie die von der unmotivierten Barbie zutage. Wer hier die Kombination aus "Chef" und beliebigen Schimpfwörtern eingibt, merkt: Vielen Nutzern ist das nicht bewusst.

Dass es auch anders geht, zeigen die VZ-Netzwerke. Prinzipiell können Statusmeldungen von VZ-Nutzern nicht außerhalb des Netzwerkes eingesehen werden", sagt Unternehmenssprecher Dirk Hensen. Und bevor Nutzer dort einen "Buschfunk" ablassen - so heißt die Funktion bei dem deutschen Anbieter -, müssen sie in einem aufpoppenden Menü die Einstellungen für den Datenschutz vornehmen.

Auf die technischen Kontrollen allein sollten sich Netzwerker nicht verlassen. Denn in den Adressbüchern sammeln sich nicht nur echte Freunde, sondern auch alte Schulkumpel, die Eltern oder Kollegen. Der vermeintlich private Kreis wird so schnell zu einer großen, mindestens halb-öffentlichen Runde - 100 Kontakte kommen schnell zusammen. "Wer in sozialen Netzwerken aktiv ist, muss sich vom Begriff Privatsphäre verabschieden", sagt Berater Klaus Eck.

Im Zweifelsfall: Abbrechen

Daher sollte vor jeder Äußerung die Frage stehen: "Wäre es schlimm, wenn das so in der Zeitung steht?" Wenn die Antwort "ja" lautet, klicken Nutzer besser auf "Abbrechen". "Wer sich unsicher ist, wie das eigene Profil wirkt, sollte seine Freunde um eine ehrliche Meinung bitten", rät Eck.

Auch Twitter eignet sich, um die Freunde auf dem Laufenden zu halten. "Das war der Wegbereiter für die Statusmeldungen bei Netzwerken wie Facebook", sagt der Social-Media-Experte Stefan Berns. Der populäre Microblogging-Dienst habe sich allerdings immer mehr zu einem "öffentlichen Kommunikationskanal" entwickelt, so der Autor des Buches "Der Twitter-Faktor".

Es ist möglich, seine 140-Zeichen-Nachrichten als "protected tweets" nur den eigenen Kontakten zu zeigen - Außenstehende sehen dann nur ein Schloss. Die Mehrheit präsentiert sich jedoch der Öffentlichkeit. Um dabei keinen schlechten Eindruck zu hinterlassen, müssen Nutzer an ihrem Erscheinungsbild arbeiten, meint Berns: "Man sollte sich ein passendes Profilfoto suchen und über die Kurz-Biografie Gedanken machen." Wer das tut, kriegt auch keine Probleme mit dem Chef.

Christof Kerkmann, dpa

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Soziale Netzwerke
Facebook
DPA
Facebook ging Anfang 2004 als soziales Netzwerk für Harvard-Studenten online. Zunächst konnten nur Menschen mit E-Mail-Adressen ausgewählter US-Hochschulen Mitglieder werden, seit 2006 ist die Seite für alle Über-13-Jährigen offen. Nach eigenen Angaben hat Facebook 845 Millionen aktive Mitglieder weltweit (Dezember 2011). Mehr zu Facebook auf der Themenseite.
Google+
Google+ ist der Versuch, den sozialen Funktionen von Facebook und Twitter etwas entgegenzusetzen. Das soziale Netzwerk wurde im Juni 2011 gestartet und hat nach Firmenangaben rund 170 Millionen Nutzer (April 2012). Der Funktionsumfang ist rein aus Nutzersicht vergleichbar mit Facebook, Schnittstellen für externe Entwickler sind allerdings eingeschränkt. Google animiert seine Nutzer, das Netzwerk als zentralen Hub für seine Dienste zu nutzen. Mehr zu Google+ auf der Themenseite.
Twitter
DPA
Der auf kurze Textnachrichten spezilalisierte Dienst Twitter wurde im Juli 2006 gegründet. Populär wurde der Dienst als Verteilnetzwerk für Links, Fotos und Videos. Twitter zählt nach eigenen Angaben mehr als 140 Millionen Nutzer (März 2012). Mehr zu Twitter auf der Themenseite.
Xing
Xing (früher OpenBC) wurde 2003 von Lars Hinrichs gegründet. Nach eigenen Angaben hat Xing über 11,7 Millionen Mitglieder (Stand: Dezember 2011), etwa acht Prozent haben einen kostenpflichtigen Premium Account. Bei Xing geht es vor allem um berufliche Kontaktaufnahme. Mehr zu Xing auf der Themenseite...
StudiVZ
Ehssan Dariani hat die Studenten-Community StudiVZ 2005 gegründet. Zuerst investierten Lukasz Gadowski und Matthias Spiess in StudiVZ, später finanzierten es vor allem die Gebrüder Samwer - bekannt für die Klingeltonfirma Jamba - und der Venture-Capital-Arm des Holtzbrinck-Verlags ("Die Zeit", "Handelsblatt"). Im Januar 2007 übernahm Holtzbrinck StudiVZ. Derzeit haben die Plattformen studiVZ.net, schuelerVZ.net und meinVZ.net nach eigenen Angaben rund 17,4 Millionen Nutzer (Stand: Januar 2011). Mehr zu StudiVZ auf der Themenseite...
Lokalisten
Im Mai 2005 gegründet, hat das Netzwerk Lokalisten nach eigenen Angaben (Stand Juli 2010) inzwischen 3,6 Millionen Nutzer. Mehr zu Lokalisten bei Wikipedia...
Spin.de
Das 1996 in Regensburg gegründete Unternehmen Spin betreibt ein eigenes soziales Netzwerk, aber auch integrierte Unter-Communitys mit regionalem Fokus, die mit Partnern vor Ort (Lokalradios vor allem) betrieben werden. Nach eigenen Angaben (Stand Februar 2011) hat Spin.de eine Million aktive Mitglieder. Mehr zu Spin.de bei Wikipedia...
Wer kennt wen
Wer-kennt-wen wurde von den beiden Studenten Fabian Jager und Patrick Ohler gegründet. Seit Februar 2009 gehört das Netzwerk vollständig RTL Interactiv, die Gründer schieden Ende August 2010 aus. Das Netzwerk hat laut Betreiber über 9,5 Millionen Nutzer (Stand: Januar 2012). Mehr zu Wer-kennt-wen bei Wikipedia...
MySpace
MySpace war 2006 das populärste soziale Netzwerk in den USA. Ein Jahr zuvor war es von Rupert Murdochs News Corporation gekauft worden. Bekannt wurde es durch die Möglichkeit, Musik einzubinden. Künstler und Bands nutzten die Plattform als Marketingplattform. Zeitweise hatte MySpace mehr als 220 Millionen Nutzer, nach Berechnungen von Google rund 30 Millionen Nutzer (Dezember 2011). Mehr zu MySpace auf der Themenseite...


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