Steel Battalion Freak-Spielzeug aus Japan

Wer hat da gesagt, die Entwicklung ginge nicht weiter? Die japanische Robotersimulation "Steel Battalion" verspricht dank Highend-Controller intensive Spielerlebnisse - sofern es gelingt, überhaupt ein Exemplar aus der hier zu Lande limitierten Auflage zu ergattern.


Herausforderung an Feinmotorik und Geldbörse: der "Steel Batallion"-Controller ist schon fast ein Möbelstück

Herausforderung an Feinmotorik und Geldbörse: der "Steel Batallion"-Controller ist schon fast ein Möbelstück

Japanische Daddler haben seit jeher eine Vorliebe für digitale Spiele der ausgefallenen Art. Hier werden Videogames nicht nur konsumiert, sondern gelebt; man fühlt und fiebert mit, entspannt sich. Tanzspiele, Eisenbahn-, Angel- oder Marschtrommel-Simulationen - in Fernost gibt's fast nichts, das es nicht gibt.

Der neueste Schrei bei den Japanern heißt "Tekki". Dahinter verbirgt sich eine innovative Robotersimulation für Microsofts Xbox-Konsole. Hier zu Lande wird das Programm den markigeren Namen "Steel Battalion" tragen, der andeuten soll, was zu erwarten ist: Spektakuläre Roboterschlachten, Bataillone von Stahlkolossen - und der Gamer ist als Mech-Pilot live dabei. Dieses Erlebnis garantiert in erster Linie der mitgelieferte Luxus-Controller, ohne den man "Steel Battalion" gar nicht erst spielen kann.

Der Mensch, die Maschine

Rund 200 Euros muss der Mech-Fan hinblättern, um ins Cockpit einsteigen zu dürfen. Für den Preis eines ordentlichen DVD-Players erhält er einen prall gefüllten Karton. Neben der "Steel Battalion"-CD befindet sich eine Furcht einflößende Anleitung in der Schachtel, und, kaum zu übersehen, das mehrteilige Controller-Set. Dieses beinhaltet:

  • drei Fußpedale
  • zwei Steuerknüppel, inklusive Gangschaltung
  • Schaltpult mit 40 Knöpfen

Was man damit anstellen soll, offenbart sich, wenn man die Geräte miteinander verbunden und "Steel Battalion" gestartet hat. Nach kurzer Einweisung findet man

Massenhaft Knöpfe: Rechter Joystick

Massenhaft Knöpfe: Rechter Joystick

sich in einem Roboter wieder, "Vertical Tank" genannt. Man verfolgt das Geschehen einzig aus der Ich-Perspektive eines Piloten, wobei der - ohnehin schon kleine - Bildschirmausschnitt von etlichen Instrumentenanzeigen versperrt wird.

Macht aber nichts, denn mit verschwitzen Händen an den zwei Steuereinheiten klebend, erwacht sofort der Kapitän im Daddler. Doof nur: der Roboter rührt sich nicht vom Fleck.

Hätte man einen Blick in das Bordhandbuch geworfen, dann wüsste man nämlich, dass erst die sechs Kippschalter am linken Joystick gedrückt werden müssen, damit das Blechmonster in Startposition geht. Jetzt noch den ersten Gang einlegen, klick-klack, und endlich tut sich was: Der Roboter stapft schwermütig los, ein paar Anzeigen auf dem mittleren Schaltpult leuchten auf, die erste Hürde ist genommen.

Zur Freude über die ersten Geherfolge bleibt aber wenig Zeit; ohne Vorwarnung greift ein feindlicher Mech an. Da die "Steel Battalions" mit mehreren Waffensystemen ausgerüstet sind, schießt man in so einem Fall zurück: Mit möglichst zügigen Handgriffen selektiert man das gewünschte Projektil und feuert es auf den Computerkontrahenten.

Ruhepausen sind selten: Ständig ist man in neue Kämpfe verwickelt, sogar Flugzeuge greifen im Tiefflug an. Man muss voll bei der Sache sein, um die Kontrolle über Roboter und Steuerpulte zu behalten. Und lernwillig, schließlich navigiert es sich mit Handbuch auf dem Schoß wesentlich unheldenhafter.

Jasmine hat alle Hände und Füße voll zu tun

Jasmine hat alle Hände und Füße voll zu tun

Nur im Notfall sollte man zudem die große, rote "Eject"-Taste touchieren, die als einziger aller Schalter in einer separaten Plastik-Klappbox untergebracht ist. Einmal betätigt, aktiviert sie den automatischen Schleudersitz. So rettet man sich das virtuelle Leben, hat die Mission aber dennoch verloren.

Das Erstaunliche an "Steel Battalion" ist, dass es dem Spieler konsequent vorgaukelt, wirklich einen Roboter zu manövrieren. Der Pseudorealismus geht größtenteils auf, nur manchmal fragt man sich, ob Nippon-Entwickler Capcom nicht etwas handzahmere Mechs hätte erschaffen können. Skurrilitäten-Sammlern und Technik-Freaks ist das ohnehin egal - Hauptsache, der XXL-Controller macht sich gut im Spieleregal!

Streng limitierte Auflage

Bei der Deutschland-Veröffentlichung von "Steel Battalion" Ende März sind schnell entschlossene Xbox-User gefragt: Microsofts liefert über seine Distributoren nur minimale Stückzahlen an die Einzelhändler und Großmärkte aus. Marc Fettweis, Inhaber des Online-Shops Spielegrotte.de: "Mehr als 500 Einheiten wird es nach unseren Informationen bundesweit nicht geben. Wir allein haben schon über 200 Anfragen von kaufwilligen Kunden, von daher wäre eine etwas großzügigere Verteilung wünschenswert gewesen!".

Dazu wird es aber nicht kommen: Ist "Steel Battalion" erst einmal ausverkauft, gibt's definitiv keinen Nachschub. Die ist Auflage streng limitiert, weshalb die Xbox-Rarität schnell zum begehrten Freakprodukt für Ebay-Jäger und -Sammler werden dürfte.

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