Norwegischer Geheimdienst NIS arbeitet beim Code-Knacken mit NSA zusammen

Norwegens Geheimdienst will einen Supercomputer. Wie aus neuen Snowden-Dokumenten hervorgeht, hat der NIS ein Hightech-Gerät namens Steelwinter gekauft. Mit der NSA sucht der Dienst Möglichkeiten, elektronische Verschlüsselung zu knacken.

Supercomputer (Archivbild eines Computers aus China): Norwegen investiert in Technik
DPA

Supercomputer (Archivbild eines Computers aus China): Norwegen investiert in Technik


Oslo - Der norwegische Geheimdienst Norwegian Intelligence Service (NIS) will seine gesammelten Daten schneller und in größeren Mengen verarbeiten. Dafür soll er einen Supercomputer mit dem Codenamen Steelwinter erworben haben, berichtet die norwegische Zeitung "Dagbladet" mit Bezug auf Geheimdokumente aus dem Fundus des Whistleblowers Edward Snowden.

Die zuvor unveröffentlichten Unterlagen aus dem März 2013 dokumentieren augenscheinlich Absprachen mit dem US-Geheimdienst NSA. Sie sollen dabei den Kauf des Supercomputers belegen, aber keine Informationen dazu enthalten, wann er geliefert wird. Der Kauf sei ein Teil eines größeren Investitionsprogramms mit rund hundert Millionen Dollar Budget.

Ergänzend zum Rechnerkauf soll der NIS eine Zusammenarbeit mit der NSA vereinbart haben, mit dem Ziel, gemeinsam Methoden zum Knacken von Verschlüsselungstechniken zu entwickeln. Viele der interessantesten Daten, die der NIS sammelt, seien verschlüsselt, schreibt das "Dagbladet". Für die aufwendigen Entschlüsselungsprozesse würde man große Mengen an Rechenkraft benötigen. Daten sammelt der NIS unter anderem in Vardø, einem Horchposten nahe der russischen Grenze.

Supercomputer im Stil von "Windsor Blue"

Mit der Investition in neue Technik soll der NIS auch das Ziel verfolgen, mehr große Datenmengen im eigenen Land verarbeiten zu können. Bislang werden umfangreiche Datensätze oft an die NSA geschickt, damit sie in den USA analysiert werden. Bei dem nun erworbenen Rechner soll es sich um ein Modell handeln, das denen aus dem Programm "Windsor Blue" des amerikanischen Herstellers IBM nahekommt. Genaue Angaben dazu, wie leistungsfähig der Rechner ist, liefert der "Dagbladet"-Artikel nicht.

Der Chef des NIS wollte das Thema Supercomputer nicht kommentieren. Kjell Grandhagen sagte dem "Dagbladet" lediglich: "Der NIS hat mit großen Menge an Daten zu tun und benötigt eine relativ große Rechenkraft." Grandhagen betonte dem Bericht zufolge aber, dass der Geheimdienst unter keinen Umständen Norweger in Norwegen überwache.

Bereits im Januar war durch Dokumente aus dem Fundus von Edward Snowden bekannt geworden, dass die NSA Grundlagenforschung an Quantencomputern finanziert. Die NSA verfolgt dabei das Ziel, Computer zu entwickeln, die auch starke Verschlüsselung knacken können, die derzeit noch als sicher gilt.

mbö

Mehr zum Thema


insgesamt 18 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
newsoholic 28.04.2014
1. GPG, Leute!
Erstellt euch für den E-Mail-Verkehr GPG-Schlüssel. Das gilt als eine der sichersten Verschlüsselungstechnologien schlechthin. Wer die zivilstaatliche Demokratie schützen will, muss sich zur Wehr setzen.
gorkamorka 28.04.2014
2.
Zitat von newsoholicErstellt euch für den E-Mail-Verkehr GPG-Schlüssel. Das gilt als eine der sichersten Verschlüsselungstechnologien schlechthin. Wer die zivilstaatliche Demokratie schützen will, muss sich zur Wehr setzen.
Das ist absolut richtig.
harald_t 28.04.2014
3. Eigentlich noch aktuell?
Ich frage mich, bei den all den Meldungen, die sich in letzter Zeit auf die Snowden-Unterlagen beziehen, wie aktuell die eigentlich noch sind? Wann ist Snowden nochmal damit getürmt? Schon ungefähr ein Jahr her oder?
wish-master 28.04.2014
4.
Zitat von harald_tIch frage mich, bei den all den Meldungen, die sich in letzter Zeit auf die Snowden-Unterlagen beziehen, wie aktuell die eigentlich noch sind? Wann ist Snowden nochmal damit getürmt? Schon ungefähr ein Jahr her oder?
...und selbst da waren die Unterlagen schon bis zu fünf Jahre alt
tailspin 28.04.2014
5. Konsequenz
Vertrauliche Sachen werden in Zukunft nur noch per vertauenswuerdigem Kurier befoerdert und persoenlich uebergeben, im Rektum ueber die Grenze geschmuggelt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.