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immer wieder wundere und ärgere ich mich über seltsame Lösch- und Sperraktionen von Facebook. Mal geht es um ein historisches Kriegsfoto, mal um das Bild einer nackten Neptun-Statue. Gerade fragt man sich im Netz, was es mit einer Sperre der Facebook-Seite der Autorin Stefanie Sargnagel auf sich hat.

Facebook habe sie wegen "problematischer Inhalte" für 30 Tage gesperrt, schreibt Sargnagel selbst auf Twitter. In Österreich hatte es zuvor Aufregung um einen satirischen Bericht von Sargnagel und zwei weiteren Autorinnen über eine Marokkoreise gegeben. Kritiker hätten daraufhin massenweise ihr Profil gemeldet - und waren mit der Aktion wohl erfolgreich.

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Während Facebook in diesem Fall offenbar aktiv wurde, unternimmt es bei Hetze und Hasskommentaren an anderer Stelle oft nicht genug, finde ich. Jüngst zeigte das der Fall des Syrers Anas Modamani, dessen Selfie mit der Kanzlerin für Diffamierungen missbraucht wird. Das diese Woche erwartete Gesetz von Justizminister Heiko Maas dürfte Opfern in ähnlichen Situationen kaum helfen. Wie meine SPIEGEL-Kollegen herausgefunden haben, dürfte die Facebook-Regulierung nämlich weniger hart als erwartet ausfallen.

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Gewalt in Herne: War da was im Darknet?

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Sehr bewegt haben mich letzte Woche die Bluttaten von Herne. Ein Detail der ersten Meldungen ließ viele schaudern und auch mich als Netzwelt-Redakteurin aufhorchen: Laut Polizei gebe es ein Video der Tat im sogenannten Darknet, hieß es. Auch SPIEGEL ONLINE berichtete das mit Verweis auf die Angaben der Polizei. Von vielen unbemerkt verschwand im Verlauf der Woche der Darknet-Erzählstrang aber wieder.

Praktisch scheint es so gewesen zu sein, dass die Polizei nicht genau wusste, was mit dem Begriff des Darknet gemeint ist (Dem kann man abhelfen: Hier und hier finden Sie eine ausführliche Erklärung, was das Darknet ist). Sie verwendete das Wort offenbar schlicht falsch - und machte nach aktuellem Kenntnisstand das frei im Netz zugängliche Forum "4chan" zum Teil des Darknet.

Die Ermittlungen hat diese Panne wohl nicht behindert. Dem Ruf des Darknets dürfte der falsche Informationsschnipsel aber geschadet haben. Sein Image war schon spätestens im Sommer ramponiert, als bekannt wurde, dass der Amoktäter von München dort eine Waffe gekauft hatte.

"You are wanted": Schweighöfers Hackerserie startet auf Amazon

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Matthias Schweighöfer spielt seit vielen Jahren Variationen der Rolle des liebenswerten Schussels. Mit seiner neuen Amazon-Serie "You are wanted", die Freitag startet, will der Schauspieler, 36, diesen Ruf möglicherweise loswerden. Schweighöfer spielt darin Lukas Franke, dessen Leben von Hackern übernommen wird.

Gespannt auf die Serie bin ich auch, weil es die erste deutsche Amazon-Serie ist. Zuschauer in 200 Ländern, die Prime-Video-Kunden sind, bekommen die sechs Folgen zu sehen. Hoffen wir mal, dass mit "You are wanted" ein guter Beitrag zum Genre der Hackerfilme hinzukommt. Mit "Mr. Robot" gibt es ja seit einiger Zeit ein gutes US-Vorbild, das Filmsünden der Vergangenheit fast vergessen macht (ich sage nur: "Passwort Swordfish").

Wer kein Amazon-Kunde ist, aber Hackerfilme mag, kann am Sonntag auch "Tatort" gucken. In "Borowski und das schwarze Netz" von "Feuchtgebiete"-Regisseur David Wnendt geht es - und ja, diesmal ist es wirklich gemeint - ums Darknet.


Seltsame Digitalwelt - eine Anekdote: Nerds in Rikschas
von Fabian Reinbold, Netzwelt-Redakteur

Ich bin gerade auf der Digital-Konferenz South by Southwest (SXSW) in Austin, Texas, unterwegs. "Connected mobility" lautet hier eines der Hauptthemen. Doch ausgerechnet auf dieser durchweg technikbegeisterten Konferenz ließ die vielbeschworene Mobilitätsrevolution die Branche schon einmal im Regen stehen.

Als am Wochenende die Temperaturen abstürzten und es 24 Stunden lang schüttete, versagte die "Connected mobility" auf ganzer Linie: Die Apps der beiden großen Fahrdienst-Anbieter in der Stadt fielen zur Rushhour am Samstagabend wegen Überlastung aus. Den versammelten Technik-Gläubigen blieb für die langen Wege zwischen den Veranstaltungsorten nur: die Fahrradkutsche.

Die App der Woche: "Fabby"
getestet von Sebastian Meineck

Fabby Inc.

Lust auf ein Selfie vom Mond? Mit "Fabby" ist das möglich, auch ohne Reise in den Weltraum. Die App erkennt automatisch Personen auf einem Foto und rechnet den Hintergrund weg. Nutzer können dann einen neuen Hintergrund hinzufügen, beispielsweise eine Sternennacht, einen Strand oder Bilder aus der eigenen Galerie.

Das Besondere: "Fabby" braucht zum Freistellen eines Fotos nur wenige Sekunden und macht dabei verblüffend wenig Fehler. Mit professionellen Programmen wie Photoshop bräuchten Nutzer dafür deutlich länger. Wer es kitschig mag, kann sich mit "Fabby" sogar in eine Wolke aus rosa Herzen beamen.

Gratis von Fabby Inc., ohne In-App-Käufe: iOS, Android

Fremdlink: Drei Tipps aus anderen Medien

  • "The wired brain: How not to talk about an AI-powered future" (Englisch, sechs Leseminuten)
    Die Art, wie über Künstliche Intelligenz (KI) berichtet wird, weckt unrealistische Erwartungen: Entwicklerin Ines Montani erklärt, wie man es besser macht.

  • "Inside the cruellest RollerCoaster Tycoon park ever created" (Englisch, vier Leseminuten)
    Ein begeisterter Spieler der Freizeitparksimulation "RollerCoaster Tycoon" hat ein digitales Park-Labyrinth gebaut, das für Besucher zur unentrinnbaren Falle wird. "Eurogamer" stellt das haarsträubende Fleißprojekt vor.

  • "R u bot or not" (Englisch, zwei Leseminuten)
    Wie viele Bots gibt es auf Twitter? "Vice" stellt eine neue US-Studie vor, wonach rund 15 Prozent aller Nutzerprofile programmierte Meinungsroboter sind - und eben keine echten Nutzer, die ihre Meinung kundtun.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche, Ihre

Angela Gruber

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insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
dirkozoid 13.03.2017
1. Das arme Darknet
Können uns ja damit trösten, dass dem Darknet sein Euf völlig egal sein dürfte.
fri3ndlyghost 13.03.2017
2. Kann es sein, dass da gerade ein klassischer Hype läuft?
MS fast überall. Da sitzt ein Zwerg auf den Schultern von Riesen.
rgryf 13.03.2017
3. Ganz ehrlich dieses ganze Löschen führt zu nix
Aus meiner Sicht wäre es weit produktiver und wahrscheinlich auch revolutionärer, wenn das Prinzip Rede Gegenrede wieder möglich wäre. Es ist ja schon so, dass auf Facebook ein prima Handling von Kommentaren möglich ist. Es ist viel nutzerfreundlicher und komfortabler zu lesen als bspw. die Kommentarfunktion auf SPON. Dennoch haben sich die Hetzerei, Verleumdung und Banalität gerade bei Facebook banngebrochen. bis auf ein paar Ausnahmen leben die meisten in diesem schlagfertigen Medium in Filterblasen. Aber was passiert wirklich. Während sich einige Abmühen und rassistische Hetzerei melden, löschen Seiten wie Pegida knallhart selbst konstruktive und kritische Kommentare ohne großes Brimborium. Warum dürfen die das. Warum schränkt beispielsweise Facebook gerade diese Möglichkeit für politische Gruppen nicht ein? Löschung von Kommentaren auf solchen Seiten (egal ob rechts oder links, ob national oder global) dürfen durch die jeweiligen Admins nur bei rassistischen, verleumderischen oder sexistischen etc. Charakter erfolgen. Dann bekommen sie kritische Kommentare nicht mehr so schnell los und vor ihren Otto-Normal-Followern geschützt. Ich glaube, dass wäre ein wichtiger Schritt back to the internet. Wer macht mit?
micheleyquem 13.03.2017
4. Das ist keineswegs was die
Was die Techwelt bewegt ist Vault7. Aber beim Spon (nicht beim Spiegel!) werden Leute dafür bezahlt dafür zu sorgen, dass sich die Leser eben nicht um tatsächlich Wichtiges kümmern, sondern um Sargnägel leider nicht-schweigende Höfer ...
grabenkaempfer 14.03.2017
5.
ob sich Amazon wohl einen Gefallen getan hat mit einer Serie mit Schweighöfer? Ich glaube nicht.
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