Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Stellenstreichungen: WAZ baut offline ab, investiert online

Von

32 Millionen Euro will die WAZ-Zeitungsgruppe im Jahr 2009 einsparen. Nun ist klar, was das für die Belegschaft bedeutet: 300 Stellen sollen in den Print-Blättern der Gruppe wegfallen. Die Online-Redaktion dagegen bekommt 20 Stellen hinzu. Fotografen sollen in eine eigene Firma ausgelagert werden.

Essen - "Im Zuge der Umstrukturierungen werden bei den vier NRW-Titeln rund 300 Redakteurstellen in den Mantel- und Lokalredaktionen abgebaut", so eine Mitteilung der WAZ-Gruppe. Man hofft aber, viele der abzubauenden Stellen über Altersteilzeitlösungen oder Auflösungsverträge auffangen zu können. Die Unternehmensberatung Schickler hatte der WAZ-Gruppe empfohlen, 275 Stellen abzubauen.

Verwaltung der WAZ-Mediengruppe in Essen: Print verliert, Online gewinnt
DPA

Verwaltung der WAZ-Mediengruppe in Essen: Print verliert, Online gewinnt

Gewinnen wird bei der gewaltigen Umstrukturierung vor allem das Online-Angebot "Der Westen", das zentrale Web-Portal für die Blätter der WAZ-Gruppe. "Der Westen" verliert keine Stellen, sondern bekommt 20 neue dazu. Diese würden intern ausgeschrieben, sagte Online-Chefredakteurin Katharina Borchert SPIEGEL ONLINE: "Das werden alles ehemalige Printkollegen sein." Borchert gehört auch der Geschäftsleitung der WAZ-Gruppe an.

Es gebe innerhalb der Gruppe bei Print längst "viele Kollegen, die auch jetzt schon tolle Online-Arbeit machen". Die neuen Netz-Stellen würden "in der Region verteilt", an den sogenannten Regio-Desks, schließlich sei die Lokalberichterstattung "unser Herzstück".

"Print verdient immer noch das Geld"

Einen Triumph des Neuen über das Alte will Borchert in der Entscheidung nicht sehen: "Print verdient immer noch das Geld, Online ist weit davon entfernt, die Verluste auffangen zu können." Es handele sich lediglich um eine "willkommene Stärkung für das Online-Angebot".

Insgesamt arbeiten für die WAZ-Gruppe 18.000 Menschen - der Konzern gibt 33 Tageszeitungen, 18 Wochenzeitungen, 176 Publikums- und Fachzeitschriften und 107 Anzeigenblätter heraus. Flaggschiffe sind neben der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (WAZ) die "Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung" (NRZ) und die "Westfälische Rundschau" (WR).

Fotoredakteure sollen Inhouse-Agentur bilden

Nun soll in Essen ein zentraler sogenannter Content-Desk entstehen, der die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" (WAZ) mit Inhalten beliefern soll. Die "Westfalenpost" (WP) bleibt als "Heimatzeitung" selbständig.

In jeder Stadt soll es nun nur noch eine Lokalredaktion geben, was bedeutet, dass Dutzende geschlossen werden. Acht lokale Produktions-Desks übernehmen das Layout. 55 Fotoredakteure sollten ursprünglich freigestellt und dann als freie Mitarbeiter beschäftigt werden - nun aber zeichnet sich eine andere Lösung ab: Man verhandele darüber, erklärte Borchert SPIEGEL ONLINE, die Fotoredakteure in ein eigenständiges Unternehmen auszugliedern, das seine Dienste dann an WAZ-Publikationen, aber auch an andere Abnehmer verkaufen könne.

So könnten die Fotografen von vor Ort etwa Bilder für Agenturen wie Getty oder ddp liefern. "Darüber müssen sich Betriebsräte und Gruppengeschäftsführer jetzt einigen", sagte Borchert. Möglicherweise werde diese Inhouse-Fotoagentur unter dem Dach von "Der Westen" angesiedelt.

"Wir stellen jetzt die Weichen dafür, dass wir gestärkt aus der Krise hervorgehen. Jeder Titel soll seinen Weg aus den roten Zahlen finden", kommentierte WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach die Sparmaßnahmen. Umgesetzt werden sollen die Pläne ab Mai.

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
DerWesten: Neustart der "WAZ"


Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Bei Amazon kaufen.
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: