Steve Jobs' Wertesystem Der i-Philosoph

Er hat geniale Geräte gebaut, Design-Ikonen geschaffen, die Musikindustrie umgekrempelt - ja, sicher. Doch Steve Jobs' wahres Vermächtnis liegt woanders: Der Kalifornier war der größte praktische Philosoph unserer Zeit.

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Apple-Gründer Jobs: "Folge deinem Herzen. Finde das, was du liebst"
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Apple-Gründer Jobs: "Folge deinem Herzen. Finde das, was du liebst"


Nun zählen wir noch einmal auf, was er alles geschaffen hat: iMac, iPhone, iPad. Und weil es im Angesicht des Todes kleinlich ist, diesen großen Mann nur über seine Gadgets zu definieren, lassen wir das Was rasch hinter uns und beschäftigen uns stattdessen mit dem Wie: Wie hat er das gemacht? Wie hat er, wie es die Zeitung "O Globo" einst formulierte, "unsere Welt erschaffen"?

Man kann versuchen, die Antwort nachzulesen - in Büchern wie "The Innovation Secrets of Steve Jobs" oder "iLeadership". Dort steht, dass er stets vom Produkt her dachte, dass er Marktforschung verabscheute. Man kann sich die Lektüre sparen. Ausnahmeerscheinungen wie Steven Paul Jobs haben keine "fünf geheimen Erfolgsmethoden". Sie besitzen keine Checklisten - sondern einen inneren Kompass. Eine Lebensphilosophie. Oder anders gesagt: Sie wissen im Herzen, warum sie etwas so tun, wie sie es tun.

Von einem, der seinem Herzen folgte

Dieses Warum interessierte mich an Steve Jobs schon immer mehr als seine zweifelsohne schönen Produkte. Ich hörte mir alle Reden des Apple-Chefs an, um mehr über sein Wertesystem zu erfahren. Nicht seine Verkaufsshows, sondern Auftritte vor Studenten oder auf Konferenzen. Und dabei stieß ich auf einen Jobs, der mich seitdem fasziniert.

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Steve Jobs: Sie nannten ihn iGod
Er ist eine Inspirationsquelle für mich. Religiöse Menschen lesen Psalme oder Suren, Agnostiker wie ich versuchen es mit dem Zen-Buddhisten Thich Nhat Tan, mit Nietzsche oder Marc Aurel. In deren Büchern steht viel Bedenkenswertes. Aber am meisten geholfen hat mir Steve Jobs, der größte praktische Philosoph des 21. Jahrhunderts.

Vor allem seine Stanford-Rede ist ein Manifest, sie enthält so ziemlich alles, was man über das Leben wissen muss. Wer sich manchmal fragt, ob er eigentlich in die richtige Richtung läuft, der sollte sie sich anhören. 15 Minuten geballte praktische Philosophie sind das, die gesamte Lebensweisheit des Steve Jobs. Erklärt in jener einfachen und eindringlichen Sprache, die eine seiner größten Gaben war.

Höre auf deine innere Stimme

Wie jeder gute Prediger verpackte Jobs seine Lebensweisheiten in Geschichten. Ein Beispiel: Als man ihn mit 30 bei Apple rauswarf, wurde ihm klar, dass das nicht schlimm war. Weil er nämlich nicht die Firma geliebt hatte, sondern das Computerdesign. Und diese Liebe konnte ihm niemand wegnehmen. "Liebe, was du tust", predigt Jobs. Nur dann wirst du etwas Gutes zustande bringen. Nur dann wirst du durchhalten, wenn es mal düster wird: "Wenn du deine Arbeit nicht liebst, wirst du aufgeben."

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Es geht Jobs nur vordergründig um Arbeit. In Wirklichkeit geht es um das Leben. Es nicht in seiner Fülle zu leben, den eigenen Wünschen und Träumen folgend, das war für ihn die wahre Sünde. Werde, der du bist, hat Nietzsche als Lebensziel des Menschen formuliert. Jobs hat dies adaptiert, mit einer Prise urkalifornischem Selbstverwirklichungsethos: "Folge deinem Herzen. Finde das, was du liebst. Und begnüge dich niemals mit etwas Geringerem."

Schon als Teenager hatte Jobs etwas verinnerlicht, das im Alltag für uns Normalsterbliche so schwierig umzusetzen ist: dass das Leben zu kurz ist, um es mit Zweitrangigem zu verschwenden. Jeden Tag schaute er in den Spiegel und fragte sich: "Wenn ich morgen stürbe, würde ich dann tun, was ich heute tue?"

Der Apple-Gründer hat sich für Zen-Buddhismus interessiert, für die Idee, das Leben achtsam zu leben und stets im Hier und Jetzt zu sein. Man merkt es seiner Philosophie an. Sie nutzt sich nicht ab. Ich habe seine Stanford-Rede schon oft gehört und werde sie mir immer wieder anhören. Danach fühle ich mich stets inspiriert.

Alle wahrhaft großen Ideen sind kitschig

Das ganze Gerede von Liebe und Herzensdingen klingt kitschig? Alle wahrhaft großen Ideen sind kitschig. Die von Steve Jobs werden mich noch begleiten, wenn mein iPhone längst durch ein anderes Gadget ersetzt worden ist.

Jobs sagte: "Eure Zeit ist begrenzt. Vergeudet sie nicht damit, das Leben eines anderen zu leben. Lasst euch nicht von Dogmen einengen - dem Resultat des Denkens anderer. Lasst den Lärm der Stimmen anderer nicht eure innere Stimme ersticken. Das Wichtigste: Folgt eurem Herzen und eurer Intuition, sie wissen bereits, was ihr wirklich werden wollt. Alles andere ist zweitrangig."



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 288 Beiträge
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dongerdo 06.10.2011
1. -
Zitat von sysopEr hat*geniale Geräte gebaut, Design-Ikonen geschaffen, die Musikindustrie umgekrempelt - ja, sicher. Doch Steve Jobs' wahres Vermächtnis*liegt woanders: Der Kalifornier war der größte praktische Philosoph des 21. Jahrhunderts. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,790209,00.html
Liebe Leute - langsam wird es peinlich. Bringt Details über die Firmengeschichte von Apple, zeigt seine Verdienste bei Pixar auf, schreibt etwas über seinen Einflkuss in der IT-Welt - aber dieser pathos-triefende Kitsch ist lächerlich. Es gibt mehr als genug Nachrichten am heutigen Tag die auf die SPON Top-Spots gehören. Dieser Nachruf ist sicher keine davon.
Ready, 06.10.2011
2. sülz
ja, er war ein übervater, held der helden – ein GOTT. der größte. die welt wird nie mehr sein, was sie war. und wir müssen alle sterben.
micha-mille 06.10.2011
3. Seine Leistung in Ehren...
...aber auf einen Thron sollte man ihn nicht unbedingt heben.
gambio 06.10.2011
4. Ich stell mir gerade vor..
Zitat von sysopEr hat*geniale Geräte gebaut, Design-Ikonen geschaffen, die Musikindustrie umgekrempelt - ja, sicher. Doch Steve Jobs' wahres Vermächtnis*liegt woanders: Der Kalifornier war der größte praktische Philosoph des 21. Jahrhunderts. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,790209,00.html
..wie sich die nächsten Tage lang die SPON Redaktion schluchzend in den Armen liegt. Mist, jetzt muss ich lachen..:-))
Mo2 06.10.2011
5. Vielosauf
Also, Tom Hillenbrand, nehmen Sie um die Uhrzeit schon Drogen? Trinken Sie? "Der größte Philosoph", hahaha, als ob Vergleiche mit Einstein usw. im vorigen Artikel an Dummerhaftigkeit nicht zu überbieten waren.
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