Strafvollzug Podcast aus dem Knast

Digitale Botschaften von jenseits der Gefängnismauern: In einem Modellprojekt namens Podknast.de können junge Straftäter aus Haftanstalten Audio- oder Videobotschaften übers Netz nach draußen schicken. Sie erzählen von Einsamkeit, Angst vor Gewalt hinter Gittern - und von ihren Träumen.

Gefängniszelle: "Das Beste ist, gar nicht aufzufallen"
DPA

Gefängniszelle: "Das Beste ist, gar nicht aufzufallen"


Düsseldorf - Traurigkeit, Ungewissheit und das beklemmende Gefühl des Eingeschlossenseins - auf der Internetplattform Podknast.de erzählen jugendliche JVA-Häftlinge in selbst produzierten Hörfunk- und Videobeiträgen, wie sich das Leben hinter Gittern wirklich anfühlt. Vor gut einem Jahr ist das bundesweit einmalige Projekt in der Haftanstalt Düsseldorf gestartet. Seitdem stößt es auf wachsendes Interesse. Auch in Iserlohn, Siegburg und Herford können jugendliche JVA-Insassen inzwischen ihre "Podknasts" ins Netz stellen. Weitere Anstalten dürften in Kürze folgen, sagte die Düsseldorfer Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU) am Freitag.

Der 25-jährige Lukas weiß, wie hart das Leben im Knast sein kann. Siebeneinhalb Jahre muss er wegen eines Gewaltdelikts in der JVA Siegburg absitzen, und Gewalt bekommt auch er fast täglich zu spüren. Aufpassen müsse man überall, in den Freizeitstunden, der Dusche, auf der Arbeit, erzählt er in seinem Videocast. Es seien nicht unbedingt Schläge, die er fürchte. Oftmals reichten schon Worte und Drohungen, um das Leben hinter Gittern noch schwerer zu machen "Das Beste ist, gar nicht aufzufallen und so wenig Kontakt wie möglich zu anderen zu haben", sagt der 25-Jährige.

"Alles tun, um nicht in den Strafvollzug zu kommen"

Über die "Podknasts" sollen sich die jugendlichen Häftlinge mit sich selbst, dem Gefängnisalltag und ihrer Vergangenheit auseinandersetzen, wie Müller-Piepenkötter erklärt. Die Themen kämen dabei wie von selbst, die Häftlinge seien sehr kreativ, sagt Medienpädagoge Thomas Bruchhausen, der die Häftlinge betreut. Wichtig sei ihnen vor allem, anderen Jugendlichen dieses Schicksal, das sie durchlitten, zu ersparen.

Für die Ministerin ist das von der Landesanstalt für Medien (LfM) geförderte Projekt eine Möglichkeit zur Aufklärung, die dem Zeitgeist entspricht: "Jugendliche sollen über die Podcasts erkennen, dass es keinesfalls erstrebenswert ist, im Gefängnis zu landen, und dass sie alles tun sollten, um nicht in den Strafvollzug zu kommen", erklärt die CDU-Politikerin. Die Beiträge dauern maximal fünf Minuten und können auf der Seite www.podknast.de ähnlich wie bei YouTube abgerufen werden.

Niemals aufgeben wollen

Wer bei der Produktion der Video- und Hörfunkbeiträge mitmachen darf, entscheiden die Anstalten. "Wir gehen auf die Häftlinge zu, wenn wir meinen, es könnte passen", sagt Wolfgang Klein, Leiter der JVA Siegburg. Die meisten seien mit Herzblut dabei, wenn die erste Scheu vor der Kamera und dem Mikro überwunden sei, sagt der Freizeitkoordinator der JVA Herford, Manfred Korte. Und das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen: So erzählen etwa drei Häftlinge in ihrem Rap-Song "Traum" über ihren Wunsch im Leben, niemals aufgeben zu wollen. Ein anderer Videocast zeigt die Abläufe, wenn jemand in der JVA eingewiesen wird. Nur über die Bilder kalter Flure und enger Zellen bekommt der Zuschauer vermittelt, was es heißt, inhaftiert zu werden.

Von Daniela Pegna, AP

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