Street View: Google schlampt schon wieder beim Häuser-Pixeln

Street View ist gestartet, und schon gibt es Beschwerden. Internetnutzer beklagen sich, weil ihr Haus nicht aus jeder Perspektive verpixelt wurde. Andere kritisieren dagegen die Verschleierung auf Wunsch von Nachbarn - von diesem Problem ist sogar Googles Büro in München betroffen.

Google Street View

Hamburg - 20 deutsche Städte kann man seit diesem Donnerstagvormittag bei Google Street View ansehen. Die Straßenansichten, die Kameraautos des Konzerns in den vergangenen zwei Jahren aufgenommen haben, werden nun landauf, landab studiert.

Street View dürfte in Deutschlands Büros an diesem Tag einige Arbeitszeit vernichten.

Schon beschweren sich auf Twitter und Facebook reihenweise Internetnutzer, dass ihre Wohnhäuser auf Wunsch von Nachbarn verpixelt wurden. Man habe kein Verständnis für den Wunsch nach der "Architektur-Burka", ist da zu lesen. Einer twitterte, er wisse nun endlich, wer "die Querulanten in meiner Straße" seien. Auch das Münchner Büro von Google ist verpixelt worden (siehe Fotostrecke).

Fotostrecke

20  Bilder
Street View: So schlampt Googles Pixelroutine
Andere Nutzer dagegen klagen, dass ihr Haus zwar aus manchen Perspektiven mit einem digitalen Schleier bedeckt wurde - aus einem anderen Blickwinkel oder von der gegenüberliegenden Straßenseite aber vollständig sichtbar ist (siehe ebenfalls Fotostrecke). Die deutsche Street-View-Debatte dürfte noch nicht an ihrem Ende angekommen sein.

Diese Probleme erklärt Google-Sprecherin Lena Wagner mit dem komplexen Verfahren bei der Unkenntlichmachung eines Gebäudes. Dies sei "ein technisch hoch anspruchsvoller Vorgang". Es genüge nicht, das betreffende Gebäude "einmal" zu bearbeiten, bei jedem Gebäude seien diverse manuelle Arbeitsschritte in diversen Street View-Ansichten erforderlich. Dabei würden alle Perspektiven berücksichtigt, die ein Besucher der betreffenden Straße normalerweise einnehmen könne. Sollte das Gebäude aus einer Perspektive doch zu erkennen sein, sollen Eigentümer oder Bewohner das über die Funktion "Ein Problem melden" in den betreffenden Ansichten mitteilen.

Schon beim ersten deutschen Ort, den man seit gut zwei Wochen in Street View virtuell durchwandern kann, Oberstaufen im Allgäu, war beim Verpixeln offenbar ein Fehler passiert. Auf dem iPhone und iPad konnte man bei einigen Blickwinkeln Gebäude erkennen, die auf Wunsch von Mietern oder Eigentümern eigentlich unkenntlich gemacht werden sollten. Google hatte gewarnt, dass dies passieren kann, denn jedes Haus muss auf mehreren Bildern verwischt werden. Eigenen Angaben zufolge beschäftigte der Konzern eigens dafür 200 Mitarbeiter. Für solche Fälle gibt es in dem Dienst einen Schalter "Problem melden".

Street View - was haben Sie entdeckt?
Straßenzüge, Häuserfronten und Pixelwüsten: Googles Straßenfotodienst Street View ist in Deutschland in 20 Städten gestartet. Haben Sie schon Skurriles, Merkwürdiges, Eigentümliches entdeckt? Häuser mal verpixelt und mal nicht? Tauben vor der Kameralinse? Motorradfahrer dreimal auf einem Bild?

Schicken sie uns Ihre schönsten, schrägsten Street-View-Funde, am besten in Form eines Links (im Google-Maps-Fenster rechts oben auf "Link" klicken und dann die URL kopieren, die in einem kleinen Fenster erscheint). Mailen Sie sie an spon_netzwelt_upload@spiegel.de, Betreff: Street View

Eine Auswahl der Einsendungen wird bei SPIEGEL ONLINE veröffentlicht.
Was das Problem der ungewollten Verpixelung angeht: Dazu macht Google den Nutzern wenig Hoffnung. Sprecher sagten an diesem Donnerstag ein weiteres Mal, die Entscheidung könne nicht zurückgenommen werden. Die Bilder sollen nicht nur in den sogenannten Auslieferungsdaten mit dem Schleier bedeckt werden, sondern später auch im Original.

Die rechtliche Situation ist klar. Wenn nur ein Mieter eines Mehrfamilienhauses dies verlangt, wird das ganze Gebäude auf Street View unscharf dargestellt - was in manchem Mietshaus noch Ärger provozieren dürfte.

In den Straßenansichten 20 deutscher Städte stößt man recht schnell auf die verschwommen dargestellten Gebäude. Kein Wunder, haben doch rund 244.000 Haushalte aus diesen Städten beantragt, ihre Häuser auf den Straßenaufnahmen unkenntlich zu machen. Google weist allerdings darauf hin, das seien nur knapp drei Prozent der betroffenen Haushalte, also eher wenig nach der großen Aufregung.

In diesen 20 Städten gibt es Street View
Bielefeld, Bochum, Bonn, Dortmund, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Köln, Wuppertal
Berlin, Dresden, Leipzig
Bremen, Hamburg, Hannover
Frankfurt am Main, Mannheim, München, Nürnberg, Stuttgart - außerdem seit Anfang November als Pilot-Ort Oberstaufen im Allgäu
Anders als in anderen Ländern war Street View in Deutschland auf heftigen Widerstand von Politikern und Datenschützern gestoßen. Unter anderem Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) kritisierte den Dienst als Eingriff in die Privatsphäre. Obwohl Google die Straßen schon lange mit seinen Kamerawagen abfotografiert hatte, ließ der Start darum lange auf sich warten.

Zusätzliches Misstrauen hatte Google ausgelöst, weil die Kamerawagen des Konzerns bei ihren Fahrten auch Daten aus unverschlüsselten W-Lan-Netzen mitgeschnitten hatten. Google zufolge war ein Software-Fehler schuld, der über Jahre nicht entdeckt wurde. Die Daten seien nie ausgewertet worden. Nach Erkenntnissen aus anderen Ländern wurden allerdings teilweise auch ganze E-Mails sowie Internet-Adressen und Passwörter gespeichert. In Deutschland laufen dazu noch Untersuchungen von Datenschutzbehörden und Staatsanwaltschaft.

cis/lis/mak/dpa

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 150 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. NEUwahlen jetzt
kdshp 18.11.2010
Zitat von sysopStreet View ist gestartet, und schon gibt es Beschwerden. Internetnutzer beklagen sich, weil ihr Haus nicht aus jeder Perspektive verpixelt wurde. Andere kritisieren dagegen die Verschleierung*auf Wunsch von Nachbarn -*von diesem Problem ist sogar Googles Büro*in München betroffen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,729802,00.html
Hallo, google wird echt doof und denen wird das gleiche passieren wie windoofs sprich irgendwann will die so keienr mehr haben also für neues und überhaupt.
2. Rechtlich?
WertPacket 18.11.2010
Es gibt überhaupt kein "Recht" auf ver-pixelte Häuser. Das ist im Artikel nicht korrek beschrieben. Das ist eine ganz- und gar freiwillige Aktion von Google. Ich ärgere mich auch darüber, dass "mein Haus" nicht zu erkennen ist ... werde aber meine Fotos Google-Maps zur Verfügung stellen :) Regt sich hier sonst einer über ELENA auf? Ich hoffe, sonst ist das Ablenkungsmanöver der Regierung voll aufgegangen!
3. so ein blödsinn...
panther01 18.11.2010
es handelt sich hier um Gebäude die sich JEDER ansehen kann (wenn er vorbei geht bzw. fährt). Nun gibt es eine riesen Aufregung - inittiert von unserer ach so tollen Minsterin Aigner - bzgl. des Datenschutzes. Was soll denn hier geschützt werden, die Aussenfassade eines Hauses?? Leider lassen sich auch so viele Mieter/Eigentümer blenden, denn mit diesem Thema kann nur allzu gut von den wahren "Datenverbrechen" abgelenkt werden, Bsp. Vorratsdatenspeicherung. Hier werden wirklich persönlichkeits relevante Daten gespeichert, analsysiert und ausgewertet. Braucht mir keiner erzählen, dass dies nur im "Gefährdungsfall" gemacht wird. Und die Medien machen fleißig mit....
4. ...
Camarillo Brillo 18.11.2010
Zitat von sysopStreet View ist gestartet, und schon gibt es Beschwerden. Internetnutzer beklagen sich, weil ihr Haus nicht aus jeder Perspektive verpixelt wurde. Andere kritisieren dagegen die Verschleierung*auf Wunsch von Nachbarn -*von diesem Problem ist sogar Googles Büro*in München betroffen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,729802,00.html
Oh Gott, oh Gott, wie schrecklich, wie schlimm - das Haus wurde nicht vollständig verpixelt ....
5. Deutscher Humor
Steeevyo 18.11.2010
Zitat von sysopStreet View ist gestartet, und schon gibt es Beschwerden. Internetnutzer beklagen sich, weil ihr Haus nicht aus jeder Perspektive verpixelt wurde. Andere kritisieren dagegen die Verschleierung*auf Wunsch von Nachbarn -*von diesem Problem ist sogar Googles Büro*in München betroffen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,729802,00.html
Ich arbeite in Peking mit Leuten aus ueber 15 verschiedenen Laendern. Neulich habe ich ihnen das verpixelte deutsche Streetview gezeigt. Teilweise haben die Leute sich vor lauter Lachen mit Bauchkraempfen am Boden kruemmen muessen. Wir Deutschen haben ja keinen Humor. Nur unfreiwillig Leute zum Lachen bringen da sind wir ganz gross drin.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Web
RSS
alles zum Thema Google Street View
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 150 Kommentare
  • Zur Startseite
Street View - So funktioniert der Widerspruch
Per Online-Formular
Auf der Googles Widerspruchs-Website kann man einen Online-Antrag ausfüllen. Dabei sind die Anschrift zu nennen, das Haus auf einer Google-Maps-Karte zu markieren und ergänzende Angaben zu machen. Google sendet daraufhin einen Bestätigungscode an die angegebene Adresse, den man wiederum online eingeben muss, um seine Identität zu verifizieren.

Dieses Tool lädt allerdings geradezu zu Missbrauch ein. Nicht nur, weil man damit natürlich beliebig viele Anträge auch für Fremde stellen kann. Sondern auch, weil Google ausdrücklich nicht nur die Adresse des jeweiligen Gebäudes für die Zusendung des Codes akzeptiert. Man kann den Code auch an eine andere Adresse senden lassen. Scherzbolde könnten Google auf diese Weise zu einem dramatischen Anstieg der Portokosten verhelfen. Dass sich das allerdings spürbar auf den Jahresgewinn des Konzerns auswirkt, ist zu bezweifeln.
Per Post
Bereits seit April 2009 kann man einen Antrag auf Unkenntlichmachung eines Hauses per Post an die Adresse von Googles Niederlassung in Deutschland schicken. Die lautet:

Google Germany GmbH
Betr. Street View
ABC-Straße 19
20354 Hamburg

Der Antrag sollte neben der genauen Adresse des Hauses auch den Namen des Mieters oder Eigentümers sowie eine grobe Beschreibung der Hausfassade (Farbe, Material, Dachform) enthalten.
Per E-Mail
Man kann den Antrag seit April 2009 auch per E-Mail an die Adresse streetview-deutschland@google.com schicken. Besonders sinnvoll ist dieser Weg aber nicht, da man als Antwort lediglich die Aufforderung erhält, die am Dienstag ins Netz gestellten Online-Formulare zu verwenden.
Per Telefon
Eine Möglichkeit per Telefon Widerspruch gegen eine Präsenz in Street View zu stellen, hat Google nicht vorgesehen.
Fristen
Bereits seit April 2009 nimmt Google Widersprüche per Mail oder Post entgegen. Einwohnern der 20 Städte, die Google zuerst via Street View ins Netz stellt, hat das Unternehmen ein Frist bis zum 15. September 2010, 23:59 Uhr, gesetzt. Alle Widersprüche, die bis zu diesem Zeitpunkt bei Google eingegangen sind, werden bearbeitet, bevor Street View Deutschland online geht.

Widersprüche, die nach dieser Frist eingehen, werden erst nach der Einführung von Street View in das Angebot eingearbeitet. Häuser, die auf diese Weise nachgemeldet werden, sind also vorerst noch online zu sehen.

Am Widerspruchsverfahren kann auch teilnehmen wer in einem Ort wohnt, der noch nicht von Street View erfasst wurde. So kann man schon im Vorfeld icherzustellen, dass sein Haus unkenntlich gemacht wird, sollte die jeweilige Ortschaft zu einem späteren Zeitpunkt in Street View eingebettet werden.
Diese Städte sind zuerst in Street View zu sehen
Zur Einführung von Street View will Google zunächst nur die 20 nach ihrer Bevölkerungszahl größten Städte Deutschllands in den digitalen 3-D-Straßenatlas aufnehmen:

* Berlin
* Bielefeld
* Bochum
* Bonn
* Bremen
* Dortmund
* Dresden
* Duisburg
* Düsseldorf
* Essen
* Frankfurt am Main
* Hamburg
* Hannover
* Köln
* Leipzig
* Mannheim
* München
* Nürnberg
* Stuttgart
* Wuppertal

Fotostrecke
Street View in Oberstaufen: So sehen die Pixel-Patzer aus
Fotostrecke
Street View: So zeigt Google Deutschlands Städte

Fotostrecke
Datenschutz: Der Staat spielt selbst Streetview

E-Book-Tipp
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher
    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.A.

    Kindle Edition: 1,99 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon bestellen.