Street-View-Testlauf: Google schlampte bei Häuser-Pixelung

Von

Was für ein peinlicher Patzer: Beim Test von Googles Street View waren auf iPhone oder iPad Häuser deutlich zu erkennen, deren Eigentümer genau das unbedingt verhindern wollten. Der Web-Konzern fahndet nun fieberhaft nach den Ursachen.

Street View in Oberstaufen: So sehen die Pixel-Patzer aus Fotos

Bei Googles Street View gilt: Einmal verpixelt, immer verpixelt. Wer Einspruch dagegen erhebt, dass sein Haus oder seine Wohnung in dem 3-D-Straßenatlas auftaucht, trifft damit eine endgültige Entscheidung.

Aber ist das wirklich so? Zweifel sind angebracht. Das hat der Testlauf am Dienstag gezeigt.

Nur wenige Stunden nachdem Google Chart zeigen die ersten Sehenswürdigkeiten und mit der Allgäuer Gemeinde Oberstaufen den ersten Ort Deutschlands virtuell sichtbar gemacht hatte, meldeten sich Leser mit einer überraschenden Beobachtung bei SPIEGEL ONLINE: Von Google angeblich unkenntlich gemachte Gebäude waren deutlich zu sehen.

Dabei hatte Google stets mit Nachdruck darauf hingewiesen, dass Einsprüche endgültig seien. Schließlich werde dabei das Ursprungs-Bildmaterial so bearbeitet, dass die jeweiligen Gebäude nicht mehr erkennbar sind. Eine sinnvolle Maßnahme. Einerseits wird so verhindert, dass einmal verpixelte Gebäude versehentlich wieder sichtbar gemacht werden, beispielsweise indem die unbearbeiteten Bilddateien wieder ins System gespielt werden. Andererseits erhöht die Endgültigkeit den Druck auf potentielle Antragsteller. Wer einmal Einspruch erhoben hat, kann es sich später nicht mehr anders überlegen, etwa, wenn man das Haus verkaufen oder anders nutzen will.

Davon, wie die unkenntlich gemachten Häuser in Street View aussehen, konnte man sich erstmals am Dienstag ein Bild machen, als Google Oberstaufen als ersten Ort in Deutschland in Street View zeigte. Die Gemeinde hatte ausdrücklich darum gebeten, möglichst bald in dem Kartendienst aufzutauchen - man versprach sich davon nicht zuletzt einen Werbeeffekt für den Ferienort. Zumindest einige Bürger des Ortes hatten aber Einspruch erhoben und ihre Häuser von Google verpixeln lassen. Diesen Wünschen war das Unternehmen auch pflichtbewusst nachgekommen, wie es zunächst schien.

Das iPhone zeigt alles

Ein Fehler hat sich dann aber doch eingeschlichen. Per iPhone, iPod touch und iPad sind die vermeintlich verpixelten Gebäude unter bestimmten Bedingungen klar und deutlich zu sehen. Eine besondere Software, Hacker-Tricks oder bestimmte Tastenkombinationen braucht man dafür nicht, Googles eigene Maps-App reicht vollkommen aus.

Um darin Street-View-Ansichten anzuschauen, tippt man auf die gewünschte Straße und lässt den Finger auf dem Display des Geräts ein paar Sekunden aufliegen, woraufhin an dieser Stelle eine Markierungsnadel gesetzt wird. Über dieser Nadel wird die genaue Adresse eingeblendet. Links davon wird bei vorhandenen Street-View-Daten ein kleines Männchen eingeblendet. Klickt man darauf, schaltet die App in den Street-View-Modus.

Und genau an dieser Stelle passiert das, was eigentlich nicht passieren dürfte: Aus bestimmten Blickwinkeln, sind die angeblich verpixelten Häuser klar und deutlich zu erkennen. Je nachdem, wie man seinen Standpunkt verändert, werden dann das ganze Gebäude oder auch nur einzelne Gebäudeteile stückweise verpixelt.

Es scheint, als werde zerknüllte Plastikfolie über die Bilder gelegt, ein Effekt der vor allem bei einer langsamen Internetanbindung gut zu beobachten ist. Auf jeden Fall aber ein Effekt, der die Vermutung nahelegt, dass Google eben doch nicht die Rohdaten bearbeitet hat, sondern nur eine zusätzliche Bildebene darüber legt, um bestimmte Gebäude unkenntlich zu machen.

"Wir korrigieren diesen Fehler"

Bei Google war man sich bis zum Mittwochmorgen über diesen Fehler nicht im Klaren. Erst als das Unternehmen von SPIEGEL ONLINE über die nur teilweise verpixelten Gebäude informiert wurde, machte man sich auf die Suche nach dem Fehler.

Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE erklärte Pressesprecher Kay Oberbeck, dass es sich bei den Problemen wohl um einen Fehler in der Google-Maps-Anwendung handele. Die Techniker des Unternehmens seien fieberhaft auf der Suche nach der Ursache. Der Street-View-Modus der Google-Maps-App ist seitdem nur noch eingeschränkt nutzbar. Offenbar wird die Anbindung der i-Geräte an die Street-View-Server durch die Arbeiten am System massiv gestört.

Laut Oberbeck "waren unkenntlich gemachte Häuser in Oberstaufen für einen kurzen Moment bei Ansicht erkennbar, bevor dann die unkenntliche Version angezeigt wurde". Eine Aussage, die der Beobachtungen von SPIEGEL ONLINE widerspricht, wonach die fraglichen Bilder dauerhaft auf dem Bildschirm angezeigt wurden. Betroffen gewesen sind laut Google fünf Häuser. Oberbeck sagte: "Wir haben die betroffenen Bilder bereits komplett aus Street View entfernt und korrigieren derzeit diesen Fehler."

Was ist mit den Rohdaten?

Der Kern des Problems war wohl das System, mit dem Google in Oberstaufen Bilder von Häusern unkenntlich gemacht hat. Tatsächlich nämlich werden von Google Oberbeck zufolge zwei Datensätze von Street-View-Fotos vorgehalten, die Rohdaten und die Auslieferungsdaten, also die Bilder, die man letztlich im Browser zu sehen bekommt. Wird ein Antrag auf Löschung gestellt, werde zunächst das Gebäude in den Auslieferungsdaten unkenntlich gemacht. Die Rohdaten blieben vorerst unberührt, um mögliche Fehler bei der Bearbeitung korrigieren zu können. Binnen zwei Monaten jedoch würden die Änderungen auch auf die Rohdaten übertragen. Von diesem Zeitpunkt an sei die Unkenntlichmachung irreversibel. Tatsächlich hatte Google im Juni 2010 nur zugesichert, innerhalb "einer bestimmten Frist" auch die Rohdaten unkenntlich zu machen.

Im Fall von Oberstaufen lagen nun offenbar noch unveränderte Rohdaten vor, die aufgrund eines Fehlers teilweise an die iPhone- und iPad-Apps ausgeliefert wurden. Für Google ist das im Grunde ein Glücksfall. Denn der Fehler kann jetzt, rechtzeitig vor dem großen Street-View-Start, behoben werden. Ob er dabei aber überhaupt erneut aufgetreten wäre, ist unklar. Denn für die Verpixelungen in den 20 großen Städten, die künftig in Street View vertreten sein sollen, nutzt Google eigenen Angaben zufolge eine andere Software als für Oberstaufen. Das Allgäu-Städtchen war ein Beta-Test, der genau die Forderung erfüllt hat, die Beta-Tests erfüllen sollen: Er hat Fehler aufgezeigt.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Lassen Googles Pixelkünstler zu viel erkennen?
insgesamt 320 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. ---
yomow 02.11.2010
Wer jetzt noch rumweint hat wirklich zu viel Freizeit.
2. Ich bin sehr gespannt
muwe6161 02.11.2010
Ich werde die Posts der Verschwöhrungstheoretiker und Datenschützer mit viel Vergnügen lesen.
3. Beruhigung
TheK 02.11.2010
Na hoffentlich werden sich all jene, die sich vorher aufgeregt haben, was man da wohl böses sehen würde, jetzt wieder abregen - vermutlich müssen die wenigen fehlenden Bilder da in dem Touri-Nest nicht einmal gemacht, sondern nur gefunden und zugeordnet werden, weil es sie längst gibt. Das sich Leute, die ihre Häuser verstecken wollen damit erst richtig interessant machen, merkt von denen ja auch keiner...
4. --
alexGB 02.11.2010
Zitat von sysopEndlich kann man sehen, wie Google Gebäude unkenntlich macht.
Konnte man anhand der vielen Streetview Versionen in anderen Ländern immer schon. Nein, lassen sie nicht. Meines Wissens geht das Leben bei Deutschlands nahen und fernen Nachbarn auch mit Streetview problemlos weiter. Wieso muss man in Deutschland um solche Sachen immer so ein Theater machen?
5. .
Tarja13 02.11.2010
Liebe SP-Online-Redaktion, wollt Ihr nicht langsam mal die Auftragsschreiberei für Google sein lassen? Es ist extrem lästig, ständig den selben Käse zum selben Thema bei Euch vorzufinden und jedes Mal garniert mit mehr oder weniger unterschwelligen Aufforderung doch StView gefälligst toll zu finden. Was sollte z.B. in diesem Artikel dieser Hinweis, doch besser keine Verpixelung vornehmen zu lassen: Wohl überlegt will ein solches Ansinnen sein, denn rückgängig machen kann man es nicht, Google bearbeitet die Originalbilder. Ich will auch schwer hoffen, dass Google die Orinialbilder bearbeitet, aber erstens glaube ich davon kein Wort, weil die ganz sicher davon ausgehen, früher oder später alles veröffentlichen zu können, und dann bestimmt nicht nochmal alles abfotographieren werden, und zweitens sollten sie die Bilder gefälligst löschen, nicht verpixeln. Dann sollen sie meinetwegen für jedes bislang verpixelte Haus Frodo Hobbithöhle einblenden. Ihr Artikel suggeriert, der auf seine Privatsphäre bedachte Bürger verpasse eine einmalige Chance, wenn er sein Haus nicht veröffentlichen ließe. Gerade für diejenigen, die das nicht möchten, ist es aber keine Chance sondern eine Zumutung, sich gegen etwas wehren zu müssen, das sie Google nie erlaubt haben. Ein Wort noch zu den von Ihnen behaupteten nur 3 % der Bürger, die der Veröffentlichung ihrer Bilder wiedersprochen hätten: Sie wissen ganz genau, dass es weit mehr sind, denn Sie vergleichen absichtlich Äpfel mit Birnen: Sie stellen der Gesamtzahl aller abgelichteten Haushalte im gesamten Bundesgebiet die Zahl der von Google bereits bearbeiteten und gemeldeten Einsprüche gegenüber, gehen aber mit keinem Wort darauf ein, dass viele Einsprüche immer noch nicht bearbeitet sind, und dass viele erst dann folgen werden, wenn nicht nur die ersten paar Städte sondern auch der Rest veröffentlicht werden soll. Sorry, aber mit Journalismus hat Ihre Schreibe wirklich nichts mehr zu tun. Eigentlich müssten Sie über diesem sog. Artikel den Zusatz "Anzeige" anbringen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Web
RSS
alles zum Thema Datenschutz
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite
Fotostrecke
Kleiner Deutschlandstart: So sieht Street View aus


Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher
    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.A.

    Kindle Edition: 1,99 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon kaufen.