Streit im Netz Verleger erwägen kartellrechtliche Schritte gegen Google

Deutschlands Zeitungs- und Zeitschriftenverlage prüfen derzeit, ob man Google kartellrechtlich beikommen könnte. Es geht um die Frage, ob die Suchmaschinisten zu viel Marktmacht besitzen und diese womöglich missbrauchen.

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Hamburg - Der Branchendienst "Horizont" berichtet in seiner aktuellen Ausgabe, Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) und der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) hätten ein Rechtsgutachten zu der Frage erstellen lassen, wie groß die Chancen einer Kartellbeschwerde gegen Google seien. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE existiert tatsächlich ein Papier, in dem die Frage erörtert wird, welche Möglichkeiten es hinsichtlich eines kartellrechtlichen Vorgehens gegen Google geben könnte. Um ein Rechtsgutachten soll es sich dabei allerdings nicht handeln, eher um ein Ideenpapier.

"Horizont" berichtet auch, Vertreter der Verbände hätten im Sommer beim Bundeskartellamt vorgefühlt und seien "ermuntert worden", eine Beschwerde einzureichen.

Die Verbände gaben lediglich folgende offizielle Stellungnahme ab: "Dass die Presseverleger die Ausgestaltung einiger Google-Angebote für problematisch und verbesserungsbedürftig halten, ist bekannt. Dass bei einem Marktteilnehmer, der wie Google beispielsweise die Suche dominiert, auch kartellrechtliche Fragen untersucht werden, ist ganz natürlich."

Fragen, die da erörtert werden könnten, wären beispielsweise, inwieweit Google im Ranking seiner Suchergebnisse womöglich eigene Produkte bevorzugt - den Beweis anzutreten, dass ein so dynamischer Prozess wie das Suchmaschinenranking aber konsistent manipuliert wird, dürfte sich als schwierig erweisen, selbst wenn man diesen Verdacht tatsächlich hegen sollte.

Verleger und Verlegerverbände haben den Suchmaschinenkonzern in den vergangenen Monaten immer wieder teils heftig kritisiert. Das hat wohl nicht zuletzt damit zu tun, dass ein gewaltiger Anteil aller weltweit online erzielten Werbeumsätze direkt bei Google landen (siehe Tabelle in der linken Spalte) - die verlegerischen Online-Angebote sich dagegen nach wie vor sehr schwer dabei tun, sich über Werbung zu refinanzieren.

Der Suchmaschinenkonzern übte sich in den vergangenen Monaten in Diplomatie gegenüber den Zeitungsverlagen, in erster Linie allerdings in den USA. So machte Google Vorschläge für ein Bezahlsystem, mit dem Verlage zumindest versuchen könnten, ihre Angebote im Netz zu monetarisieren. Zudem stellte der Konzern ein Angebot namens Fast Flip vor, das es erlaubt, Screenshots von Nachrichtenseiten sehr schnell durchzublättern - kombiniert mit Werbung. An der Erlösen dieser Werbeschaltungen werden die Verleger bei Fast Flip - anders als beim automatisch generierten Angebot Google News - jedoch beteiligt. In welchem Ausmaß, darüber vereinbarten US-Verleger und Google allerdings Stillschweigen.

cis



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