Streit im Web Die Rache des Pyro-Nerds

Das eine Wort war wohl zuviel: Weil er im Internet als Fachidiot bezeichnet wurde, zündete ein Ex-Marinesoldat den Wohnwagen seines Beleidigers an. Nun muss der Zündel-Nerd für sieben Jahre ins Gefängnis - und zeigt noch immer keine Reue.


Als sein Gegenüber ihn als "Nerd" bezeichnete, müssen bei Russell Tavares, damals noch Feuerleitoffizier der US-Marine, etliche Sicherungen durchgeknallt sein. Er verließ seinen Posten in einem Ausbildungszentrum im Bundesstaat Virginia, setzte sich in sein Auto und fuhr 1300 Meilen (2100 Kilometer) quer durch Amerika nach Texas, um seinem Widersacher eine Lektion zu erteilen. An dessen Wohnort angekommen fackelte er nicht lange, tränkte einen Kunststoffschwamm mit Benzin und steckte damit den Wohnwagen seines Kontrahenten in Brand.

John G. Anderson: Wegen eines Streits im Internet wurde sein Mobilheim abgefackelt
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John G. Anderson: Wegen eines Streits im Internet wurde sein Mobilheim abgefackelt

Der Grund für diese Tat war ein Streit, den Tavares und sein Opfer, der 59-jährige Vietnamveteran John G. Anderson, im Internet ausfochten. Anderson, der im texanischen Waco eine Art Geisterbahn betreibt, hatte auf einer Bildertauschseite einige Fotos veröffentlicht und seine politische Meinung kundgetan - mit der Tavares offenbar nicht einverstanden war.

Eine Zeit lang beharkten sich die Streithähne über die Webseite, dann stellte Anderson eine Fotomontage online, auf der er Tavares als schmächtigen Jungen mit Laptop und Gewehr darstellte. Das Bild überschrieb er mit dem Satz "Revenge of the Nerds", Rache der Computerfreaks. Als Travares das sah, drehte er durch, recherchierte Andersons Adresse und machte sich auf den Weg nach Texas.

Die Reise dorthin dokumentierte der Marine-Soldat online. Entlang seines Weges fotografierte er die Straßenschilder an den Staatsgrenzen und stellte die Bilder ins Netz - vielleicht, um klarzustellen, dass er es ernst meint. Kurz nachdem er das letzte Schild mit der Aufschrift "Welcome to Texas" auf seine Seite lud, ging Andersons Wohnwagen in Flammen auf.

Ein texanisches Gericht erklärte den geständigen Brandstifter nun für schuldig. Für sieben Jahre muss Tavares nun ins Gefängnis einziehen. Aus der US Marine wurde der mehrfach ausgezeichnete Waffenspezialist zwischenzeitlich entlassen. Reue für die Pyro-Attacke, die er bereits 2005 beging, zeigt Tavares indes noch immer nicht. Noch im Gerichtssaal machte er mit seinem Fotohandy Bilder von Anderson, der den Schaden an seinem Mobilheim auf 50.000 Dollar taxiert.

Für den Geschädigten scheint die Geschichte mit dem Urteil noch nicht ausgestanden zu sein. Er berichtet von nächtlichen Klopfattacken gegen die Fenster seines Wohnwagens, fand Einschusslöcher in seiner Bürotür. Jetzt will sich der "Herr des verfluchten Hauses" - wie Anderson sich selbst bezeichnet - besser schützen: 30.000 Dollar will er in einen neuen Zaun um sein Grundstück investieren. Mit viel Stacheldraht obendrauf.

mak/AP



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