Attacke auf Google Trump postet falschen Videobeweis auf Twitter

US-Präsident Trump wirft Google vor, parteiisch zu sein. Das Unternehmen habe seinen Vorgänger Obama mit Onlinewerbung für seine Rede zur Lage der Nation bevorzugt. Ein Blick ins Internetarchiv zeigt: Das stimmt nicht.

MICHAEL REYNOLDS/EPA-EFE/REX/Shutterstock

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Erneut hat Donald Trump den Suchmaschinenkonzern Google attackiert. Der US-Präsident wirft dem Unternehmen vor, seinen Vorgänger Barack Obama bevorzugt behandelt zu haben. Trump postete am Mittwochabend einen kurzen Videoclip bei Twitter. Darin heißt es, Google habe regelmäßig die Reden von Obama zur Lage der Nation auf seiner Homepage beworben und bei Trump damit aufgehört.

Trump kommentierte das 24 Sekunden lange Video mit dem Hashtag #stopthebias, was etwa so viel bedeutet wie: "Stoppt die Parteilichkeit". In dem Clip wird ein Text eingeblendet, der besagt, dass Google die Rede zur Lage der Nation von Barack Obama "jahrelang" auf seiner Homepage beworben habe. Dann folgt die Aussage: "Google hat damit aufgehört, als Präsident Trump das Amt übernommen hat." Nacheinander eingeblendete Screenshots sollen diese Behauptung belegen.

Google weist die Vorwürfe zurück. Man habe durchaus die Rede im Januar dieses Jahres auf der Homepage hervorgehoben, sagte ein Google-Sprecher dem SPIEGEL. Ein Blick ins Internetarchiv mit der Wayback Machine bestätigt diese Aussage. Eine Kopie der Website, die während der Rede am 30. Januar gemacht worden ist, zeigt, dass Google durchaus auf der Homepage für die Übertragung der Rede geworben hat.

Wie schon beim früheren Präsidenten Barack Obama blendete Google während der Übertragung unter dem Suchfeld einen Link ein mit den Worten: "Live! Schauen Sie sich Trumps Rede zur Lage der Nation auf YouTube an." Im vergangenen Jahr habe man laut Google auf den Hinweis verzichtet, da Trump eine Erklärung an den Kongress abgegeben und keine klassische Rede zur Lage der Nation gehalten habe.

Tech-Konzerne in der Kritik des Präsidenten

Der US-Präsident hat die Tech-Konzerne schon seit einigen Tagen im Visier. Am Dienstag hatte er sich per Twitter darüber beklagt, dass Google die Suchergebnisse so manipuliert habe, dass fast alle Beiträge über ihn schlecht seien. Trump schrieb außerdem: "Sie kontrollieren, was wir sehen können und was nicht." Das sei eine sehr ernste Angelegenheit. Er kündigte Konsequenzen an, ohne jedoch ins Detail zu gehen. Google hat auch diese Vorwürfe zurückgewiesen. Die Suche wird nach Angaben des Konzerns nicht verwendet, um Ergebnisse nach einer politischen Ideologie auszurichten.

Doch nicht nur Google steht in der Kritik des Präsidenten. Auch Facebook und Twitter droht Trump. Er wirft den Unternehmen vor, große Teile der Bevölkerung unfair zu behandeln. Die Konzerne sollten "lieber vorsichtig sein".

Der US-Senat will Vertreter von Google, Facebook und Twitter am kommenden Mittwoch anhören. Es soll um Versuche von russischen Hackern gehen, die Wahlen in den USA über soziale Medien zu beeinflussen. Der Informationsdienst "Axios" schrieb nach den Trump-Tweets, der US-Präsident wolle den Fokus der Anhörung stattdessen darauf lenken, dass er ein Opfer sozialer Medien sei.

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insgesamt 60 Beiträge
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zeichenkette 30.08.2018
1. Klar, das ist der nächste Schritt
Ohne Kontrolle über die Medien bleibt der Umbau der USA zu einem autokratischen Staat immer unvollständig.
janne2109 30.08.2018
2. regieren
regiert er auch noch oder twittert er nur noch?
thpuc 30.08.2018
3. Des Kaisers neue Kleider
Der größte Fake-News-Verbreiter aller Zeiten beschwert sich immer am lautesten. Warum kann keiner der "Gleichgestellten" (z.B. Fr. Merkel usw.) diesen Gröfatz mal zur Ordnung rufen? Nö, Bussi hier, Bussi dort. Ich kann daher nur annehme, dass sie dieses Verhalten in Ordnung finden. Auch bei AH hat die Nachbarschaft nur zugesehen und ihn machen lassen. Mit bösem Ausgang. So weit ist es hier noch nicht. Aber etwas mehr Distanz von den "Oberen" wäre schon schön. Wann wird endlich mal das Kind rufen: "Der ist ja nackt!" und den Schweigenden den Mund öffnen.
kahabe 30.08.2018
4. Twitter auch?
Dann sollte es dem Donald einfach wie ich machen: Nicht nutzen!
cmann 30.08.2018
5. Wer hat etwas Anderes erwartet?
Trump ist der Wahrheitsgehalt der eigenen Tweets meist völlig egal er poltert drauflos ohne überhaupt über eventuelle Konsequenzen nachzudenken. Amerika wird von einem Mann regiert der "alternative Fakten" am Fließband produziert, der offensichtlich für seine teilqweise haarsträubenden Aktionen nicht zur Rechenschaft gezogen wird und noch immer in bestimmten Kreisen der amerikanischen Gesellschaft trotz aller "Unregelmäßigkeiten" (vorsichtig ausgedückt) igroße Wertschätzung genießt.
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