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Streit um Anonymous-Attacke: So schnell stirbt Facebook nicht

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Großalarm in der Online-Welt: Ein YouTube-Video ruft im Namen der Netz-Aktivisten von Anonymous zu einer "Operation Facebook" auf, um das soziale Netzwerk zu vernichten. Doch die Aufregung dürfte sich als grundlos erweisen - selbst innerhalb der Web-Guerilla zweifeln viele an der Aktion.

Anonymous-Anhänger (Archivbild): Lichtenergie, Kuba-Solidarität, Facebook-Vernichtung Zur Großansicht
REUTERS

Anonymous-Anhänger (Archivbild): Lichtenergie, Kuba-Solidarität, Facebook-Vernichtung

Von Facebook müssen sich die weltweit mehr als 700 Millionen Nutzer und die rund 2500 Mitarbeiter bald verabschieden. Das soziale Netzwerk soll am 5. November "vernichtet", "zerstört" oder "getötet" werden - so schreiben es zumindest diverse deutsche Nachrichtenseiten.

Auslöser ist offenbar ein Video, das erstmals Mitte Juli auf YouTube veröffentlicht wurde. Erst berichteten Blogs und IT-Fachdienste, dann am Dienstag eine Nachrichtenagentur - und daraufhin viele deutsche Medien. Unbekannte, die sich der Web-Guerilla Anonymous zugehörig fühlen, kündigen darin die "Operation Facebook" an. In dem Video wird die Überwachung der Nutzer beklagt - und eine Zerstörung des Netzwerks angekündigt, bei der bitte jeder am 5. November mithelfen soll.

Nur: Das bedeutet zunächst nicht viel. Bei Anonymous gibt es keine Mitgliedschaft, jeder kann bei der losen Bewegung mitmachen. Was zur Folge hat, dass in hübscher Regelmäßigkeit Operationen und Aktionen ausgerufen werden, die aus Mangel an Teilnehmern versanden. Weil Anonymous-Aktivisten aber auch spektakuläre Aktionen gelingen, gibt es ein großes öffentliches Interesse an den vermeintlichen Robin Hoods des Webs. Manchmal werden aus den Aktivisten, von denen nur eine Minderheit programmieren kann, sogar "Super-Hacker".

"Seid nicht albern"

Das wissen auch Trittbrettfahrer zu nutzen: Es gibt im Anonymous-Umfeld Aktivisten, die sich gegen Impfungen einsetzen, die sich von Lichtenergie ernähren und die hinter den Terroranschlägen des 11. Septembers eine Verschwörung westlicher Geheimdienste wittern.

Jeder kann im Namen von Anonymous eine Aktion ausrufen. Ob diese schließlich Erfolg haben, ob der Schwarm von Aktivisten, "Hive" genannt, wirklich anbeißt - das lässt sich im Vorfeld kaum abschätzen. Im Falle von Facebook stehen den Aktivisten zudem nicht nur fähige Techniker gegenüber, die große Datenzentren betreuen. Und vor allem stellt die "Operation Facebook" die Anhänger von Anonymous vor ein ideologisches Problem.

Denn zum Grundkonsens der Bewegung gehört neben Internetfreiheit und Abwehr staatlicher Repressionen meist auch, Medien nicht anzugreifen. Diese werden zwar gerne als korrupt oder unfähig dargestellt, dienen aber letztlich der Verbreitung der Anonymous-Botschaften. Auch Facebook kann zu den Medien gezählt werden - die Plattform wird von etlichen Anonymous-Anhängern genutzt, um Botschaften zu verbreiten und neue Anhänger anzuwerben.

"Wir ziehen es vor, uns mit den echten Machthabern anzulegen, nicht mit den selben Medien, die wir als Werkzeuge nutzen", heißt es dann auch am Mittwoch auf einem einflussreichen Twitter-Account, der von Anonymous-Anhängern betrieben wird. Nicht alle Sympathisanten von Anonymous seien mit der Aktion einverstanden, heißt es dort weiter. "Seid nicht albern", werden diejenigen ermahnt, die zur Facebook-Vernichtung aufrufen.

Womöglich auch eine Vorsichtsmaßnahme: Anonymous-Insidern muss klar sein, dass sich ein Unternehmen wie Facebook nicht so einfach besiegen lässt. Denkbar ist zum Beispiel eine massenhafte Blockade, bei der Facebook für ein paar Minuten oder Stunden nur schwer oder gar nicht zu erreichen ist. Ohne die Hilfe mächtiger Botnetz-Betreiber, die ihre Zombie-Armeen in den Dienst von Anonymous stellen, müsste aber schon eine sehr große Anzahl von Aktivisten sich an einer solchen Aktion beteiligen.

Ebenso denkbar wäre ein Aufruf an die Mitglieder, das Netzwerk zu verlassen. Doch selbst, wenn im Rahmen der "Operation" Zehntausende (oder gar Millionen) Nutzer dem Netzwerk den Rücken kehren, wird es schwer, die bisher nicht näher erklärte Aktion erfolgreich in den Medien darzustellen. Denn abgesehen davon, dass 700 Millionen Internet-Nutzer Mitglied bei dem Netzwerk sind und in dem Dienst offenbar einen Mehrwert sehen: Facebook wird kaum am 6. November bekannt geben, wie viele Nutzer ihr Konto geschlossen oder ihre persönlichen Informationen mit Datenmüll ersetzt haben.

Eine andere Anonymous-Aktion mag hier als Gradmesser dienen: Nachdem Anhänger im vergangenen Jahr den Online-Zahlungsdienstleister PayPal mit massenhaften Seitenabrufen kurzzeitig lahmgelegt hatten, holten Strafverfolger zum Gegenschlag aus. Mehrere Aktivisten wurden festgenommen. Gewohnt großspurig wurde daher vor wenigen Wochen zum Boykott von PayPal aufgerufen (Anlass war dabei auch der Ausschluss von Händlern kubanischer Waren). Ein paar Menschen haben dem Dienst angeblich den Rücken gekehrt. Inwiefern die Aktion PayPal getroffen hat, lässt sich bisher nicht sagen. Die aufgeregte Nachricht vom Großangriff auf Facebook ist deswegen mit Vorsicht zu genießen.

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1. Begriffserklärung
ricky2000 10.08.2011
"Streit um…" bedeutet übersetzt: "Auf eine (halbe) Ente reingefallen, jetzt rudern wir zurück, tun aber so, als sei die Situation völlig nebulös". Dann konstruiert man Ungewissheit. Darauf, dass diese Aktion nicht so recht zum lose gefassten Anonymous-"Ethos" passen will, hätte man auch schon vorher kommen können.
2. nur von den Medien gehypte...
sokrates1950 10.08.2011
aber sonst sinnlos. So braucht niemand wirklich solche soziale Netzwerke, nur Medien wie Spiegel, um ein Thema zu haben. Schaltet soziale Netzwerkeab, und nichts passiert, außer dass der Eine oder die Andere plötzlich mehr Zeit für das reale Leben hat... Hat mal jemand überprüft, ob es wirklich 700 Mill Nutzer gibt? Angeblich sind es in Deutschland 16 Mill., wer mag dies überprüfen?
3. Daten-Kraken
willi2007 10.08.2011
Facebook sammelt, speichert und verwertet alle Daten die über Ihre Server gehen. Speicherdauer bis in alle Ewigkeiten. Alle Daten werden den Geheimdiensten in den USA ohne Prüfung und Einschränkung zur Verfügung gestellt, Das sollte jeder wissen, der sich bei Facebook anmeldet. Google+ ist kein Deut besser.
4. ...
Gaztelupe, 10.08.2011
Zitat von sysopGroßalarm in der Online-Welt: Ein YouTube-Video*ruft im Namen der Netz-Aktivisten von Anonymous zu einer "Operation Facebook" auf,*um das soziale Netzwerk*zu vernichten. Doch*die Aufregung*dürfte sich als grundlos erweisen*- selbst*innerhalb der Web-Guerilla*zweifeln viele*an der Aktion. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,779457,00.html
Das ist nicht weiter verwunderlich. Schließlich dürfte auch der eifrigste Hacker schnell geschnallt haben, daß man sich damit ins eigene Fleisch schneidet: Sind die Anons denn nicht voll für die totale Informationsfreiheit und so, den »free flow of information«, vulgo Gratis-Downloads auf Lebenszeit? Klar, davon will man natürlich weiterhin profitieren, ohne sich jedesmal irgendwo einhacken zu müssen; man wird eben bequemer mit der Zeit. Außerdem kann man auf Facebook ja auch die Vita der ganzen Mädels verfolgen, die einen immer langweilig und doof fanden, weil man ständig vorm Rechner gehockt hat. So läßt sich mindestens ein kleines bißchen Kontrolle ausüben. Also: Bloß Facebook in Ruhe lassen!
5. Da stimme ich ...
boogie1206 10.08.2011
Zitat von sokrates1950aber sonst sinnlos. So braucht niemand wirklich solche soziale Netzwerke, nur Medien wie Spiegel, um ein Thema zu haben. Schaltet soziale Netzwerkeab, und nichts passiert, außer dass der Eine oder die Andere plötzlich mehr Zeit für das reale Leben hat... Hat mal jemand überprüft, ob es wirklich 700 Mill Nutzer gibt? Angeblich sind es in Deutschland 16 Mill., wer mag dies überprüfen?
.. vollkommen zu. Facebook ist etwas, was der Mensch im Grunde genommen überhaupt nicht braucht. Ich bin zwar auch dabei, aber nur sehr selten und es steht immer nur Quatsch drinnen....
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Fotostrecke
Neue Hacker: Marodierende Teenager piesacken das Netz

Die Web-Guerilla Anonymous
Die Namenlosen
Anonymous ist eine lose Gruppierung, die ihren Ursprung einst im anarchischen Bilderforum 4Chan hatte. Zunächst konzentrierten sich Aktivisten auf Aktionen gegen Scientology. Inzwischen werden DDoS-Attacken, bei denen Websites durch massenhafte Anfragen überlastet werden, gegen eine Vielzahl von Zielen durchgeführt. Die Gruppe erklärte sich solidarisch mit den Aufständischen in Ägypten, Libyen, Syrien und anderswo, sie verteidigt WikiLeaks und bekämpft die Branchenverbände der Musik- und Filmbranche. Freie Information und das Recht auf Anonymität gehören zu den wenigen geteilten Zielen der zahlreichen Netznutzer weltweit, die sich zu Anonymous zählen.
Masken und Anzüge
Die Maske kommt aus Alan Moores Kultcomic "V wie Vendetta" und steht dort als Symbol für den Kampf gegen Unterdrückung, Überwachung und Zensur: Man erkennt die Gruppenzugehörigkeit, nicht aber den anynomen Träger. Angelehnt ist die Maske an Guy Fawkers, einen englischen Offizier, der 1605 den König und das Parlament in die Luft sprengen wollte, um die Verfolgung der Katholiken anzuprangern. Der Mann im Anzug ohne Kopf, das Logo der Bewegung, steht für eine Organisation ohne Anführer: Jeder kann Anonymous sein. Eine Vielzahl von Websites und Foren, Social-Network-Profilen und YouTube-Angeboten propagiert die Grundideen und -ziele der Bewegung.
Dauerfeuer aus Ionenkanonen
Anonymous setzt häufig auf Distributed-Denial-of-Service- oder kurz DDoS-Attacken. Darunter versteht man Angriffe über das Internet, bei der eine Vielzahl von Rechnern für so massenhafte Seitenaufrufe sorgt, dass die angegriffenen Server mit der Überlast nicht mehr fertig werden und kollabieren. Meist sind sie Stunden später aber wieder am Netz. Die "Niederorbit-Ionenkanone" ist ein Tool, das DDoS-Attacken für jedermann ermöglicht - und den freiwilligen Anschluss an ein Botnetz. Klingt cool, ist bei Einsatz aber kriminell. Anonymous hat mehrere zehntausend dieser DDoS-Tools für sogenannte Raids in Umlauf gebracht.
Anonymous gegen Scientology
Anlass zur Gründung der Bewegung waren 2008 Versuche von Scientologen, das Internet zensieren zu lassen: Ein ganz besonders wirres Video, in dem der Schauspieler Tom Cruise über Scientology redet, sollte aus dem Web entfernt werden. In den Foren einiger Imageboards (vor allem 4Chan, wo alle Teilnehmer Anonymous heißen) wurde daraufhin eine DDoS-Attacke verabredet. Seitdem protestiert ein "Arm" von Anonymous regelmäßig, auch ganz in echt auf der Straße, gegen Scientology.
Unterstützung für WikiLeaks
Bekannt wurde Anonymous durch Blockade-Angriffe auf Mastercard und Visa, die "Operation Payback". Die Finanzdienstleister hatte der Enthüllungsplattform WikiLeaks die Unterstütung entzogen. Später startete Anonymous "Operation Leakspin", eine Crowdsourcing-Initiative, um die von WikiLeaks veröffentlichten Dokumente nach interessanten Geschichten zu durchsuchen. Sympathisanten sollen ihre Energie darin investieren, Enthüllungen in "bürgerjounalistischer" Aufmachung auf allen denkbaren Kanälen so weit wie möglich zu verbreiten.
Anonymous und Sony
Sony möchte nicht, dass die Nutzer der Playstation auf der Spielkonsole eigene Software laufen lassen. Der Hacker GeoHot veröffentlichte eine Anleitung, wie es trotzdem geht - und bekam deshalb juristischen Ärger. Anonymous blies als Reaktion Mitte April zum DDoS-Angriff, zur "Operation Sony". Unbekannte stahlen parallel mehr als hundert Millionen Nutzerdaten des Playstation-Networks, weitere Hacker-Angriffe folgten - und Sony verdächtigt Anonymous, beschuldigt die Gruppe der Mittäterschaft.
Im Visier der Ermittler
Die Website-Blockaden provozieren staatliche Gegenwehr: Das FBI ermittelt, Anfang des Jahres wurden Wohnungen durchsucht und Verdächtige festgenommen. In Deutschland durchsuchten Ermittler im Mai, mitten im Wahlkampf, Server der Piratenpartei: Auf einer offenen Plattform soll, ohne Wissen der Partei, ein DDoS-Angriff geplant worden sein. Im Juni nahm die Polizei in Spanien drei mutmaßliche Anonymous-Mitglieder fest, mehr als zwei Millionen Chat-Protokolle sollen ausgewertet worden sein. Auch das Militärbündnis Nato, das sich für den Cyber-War rüstet, hat Anonymous im Visier.
Fotostrecke
Begriffsfindung: Wer sind eigentlich Hacker?

Armeen von Computer-Zombies
Was ist ein Botnet?
AFP
Ein Botnet ist ein Verbund gekaperter Rechner, die zur Durchführung verschiedener Aufgaben ferngesteuert werden - beispielsweise für den Versand von Spam-Mails oder einen Massenansturm, der Webserver lahmlegt. Die Dienste einer solchen Zombie-Armee werden zum Teil gegen Gebühr angeboten. Mehr über Botnets auf unserer Themenseite.
Bin ich betroffen?
dapd
Das ist möglich, vor allem, wenn Sie einen Windows-Rechner benutzen. Im vergangenen Jahr sollen rund eine halbe Millionen Rechner Teil eines Botnets gewesen sein. Ein möglicher Hinweis auf eine Infektion ist eine ungewöhnlich langsame Internet-Verbindung. Microsoft bietet einen kostenlosen Scanner an, ebenso die Firma Trend Micro.
Wie kann ich mich schützen?
Corbis
Um Ihren Rechner in eine Zombie-Armee einzureihen, müssen ihn die Angreifer zunächst mit einem Wurm oder Virus infizieren. Dem können Sie vorbeugen, in dem Sie aktuelle Browser verwenden, regelmäßige Updates ihrer Programme durchführen, einen Virenscanner einsetzen und ihren Rechner mit einer Firewall schützen. Anleitungen dazu gibt es auf der Seite botfrei.de, die vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und dem Internetverband eco angeboten wird.

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