Streit um Inhalte Google-Europa-Chef weist Vorwürfe der Verlage zurück

Die Verlage werfen Google vor, mit ihren Inhalten viele Werbegelder zu verdienen. Nun wehrt sich der Konzern. Google verstehe die Ängste, sagte Philipp Schindler, Europa-Chef des Konzerns dem SPIEGEL. "Aber ihre Hausaufgaben müssen sie selbst machen."


Der Suchmaschinenbetreiber Google wehrt sich gegen die Attacken aus dem deutschen Verlegerlager. "Ich würde mich freuen, wenn die Verlage die Energie, die sie heute in die Angriffe gegen Google investieren, darauf verwenden würden, erfolgreichere Geschäftsmodelle im Netz zu entwickeln", sagte Philipp Schindler, Europa-Chef von Google, dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL.

Google verstehe die Ängste der Verlage und nehme ihre Sorgen ernst. "Aber ihre Hausaufgaben müssen sie selbst machen."

Die Verlage werfen dem Suchmaschinenbetreiber vor, sich bei ihren Inhalten zu bedienen und dann an Werbung zu verdienen. Der Münchner Verleger Hubert Burda hatte etwa erklärt, Google enteigne die Verlage schleichend. "Das ist die Killerapplikation", sagte Burda im Gespräch mit dem manager magazin. Die marktbeherrschende Suchmaschine, sagt Burda, liefere "rund die Hälfte des Traffics der journalistischen Websites" und verwalte "in Deutschland über ein Drittel der Werbeumsätze im Netz - und all das, ohne selbst in teuren Journalismus zu investieren".

Schindler weist das zurück. Google schade den Verlagen nicht: "Stellen Sie sich einfach mal vor, es gäbe Google nicht. Würde ein einziger Verlag dann besser dastehen? Nein, im Gegenteil."

Werbeumsätze 2007-2011 weltweit nach Mediengattungen

2007 2008 2009 2010 Wandel in %
(2007-2010)
Internet 41 50 54,3 60,3 47,07
Magazine 57,8 55,1 49 47,4 -17,99
TV 178,1 183,3 173,2 179 0,51
Zeitungen 128,4 121,5 107 102,7 -20,02
gesamt 476,9 481,2 448,6 455,4 -4,51

* weltweit in Mrd. Dollar, veröffentlicht von ZenithOptimedia und Emarketer 14. April 2009

Zur laufenden Debatte um Bezahlinhalte der Zeitungen im Internet sagte der Google-Manager: "Wir haben großes Interesse, dass die Verlage erfolgreiche Geschäftsmodelle finden. Da sind wir die Letzten, die ihnen raten würden, das nicht zu tun." Im Übrigen könne man auch Bezahlinhalte über Google finden lassen.

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