Streit um Internet Explorer Microsoft droht neues EU-Bußgeld

Auf den US-Softwaregiganten Microsoft kommt vielleicht ein neues saftiges Bußgeld zu. Die EU-Kommission hat ein weiteres Missbrauchsverfahren gegen den Konzern eröffnet. Brüssel wirft Microsoft vor, mit seinem Webbrowser Internet Explorer gegen Wettbewerbsrecht zu verstoßen.


Brüssel - Dem US-Softwareriesen Microsoft droht erneut Ärger mit der EU-Kommission. Die Kommission teilte am Freitagabend in Brüssel mit, sie habe ein neues Missbrauchsverfahren gegen das Unternehmen eröffnet. Konkret gehe es um die Bündelung des Webbrowsers Internet Explorer mit dem PC-Betriebssystem Windows.

Windows-Logo: Microsoft droht neues Bußgeld aus Brüssel
REUTERS

Windows-Logo: Microsoft droht neues Bußgeld aus Brüssel

Mit der Koppelung des Browsers an das Betriebssystem Windows nutze das US-Unternehmen seine dominante Marktposition unzulässig aus, teilten die Wettbewerbshüter dem Konzern am Freitag als vorläufiges Ergebnis ihrer Prüfung zu dem Fall mit.

Die Kommission habe am Donnerstag einen Beschwerdebrief an Microsoft geschickt. Dieser unterstreiche die "vorläufige Meinung der Kommission", wonach der Verkauf von Internet Explorer und Windows im Paket den EU-Regeln gegen Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung widerspreche.

Microsoft bestätigte den Eingang des Briefes. "Wir halten uns daran, unsere Geschäfte in vollständiger Übereinstimmung mit dem europäischen Recht zu führen", erklärte der Konzern in Redmond im US-Bundesstaat Washington. Zugleich verwies das Unternehmen darauf, dass es zwei Monate Zeit habe, auf das Schreiben der EU-Kommission zu antworten. Danach könne Microsoft überdies eine Anhörung beantragen. Bis dahin könne die EU keine Entscheidung fällen, hob das Unternehmen hervor.

Die Kommission hatte Microsoft in anderen Fällen bereits mit hohen Strafen belegt, die sich bisher auf knapp 1,7 Milliarden Euro summieren. Unter anderem musste Microsoft 500 Millionen Euro zahlen, weil das Unternehmen sein Medienabspielprogramm Media Player mit dem Betriebssystem Windows gekoppelt hatte. Das EU-Gericht erster Instanz hatte die Entscheidung im September 2007 bestätigt.

Die seit über zehn Jahren dauernde Auseinandersetzung mit Microsoft ist in Brüssel der mit Abstand spektakulärste und wichtigste Wettbewerbsfall. Kein Unternehmen wurde bisher so hart an die Kandare genommen wie der US-Gigant.

amz/dpa/AFP

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