Streit um Majestäts-Beleidigung YouTube bietet Thailand Nachhilfe in Video-Zensur an

YouTube-Satire in Thailand: Weil auf dem Videoportal Witz-Clips über König Bhumibol auftauchten, versuchte die Regierung vergeblich, den Zugang zu dem Portal im Land zu blockieren. Erst war YouTube empört - jetzt hat das Unternehmen Nachhilfe angeboten, wie man einzelne Videos sperren kann.


Bangkok- Die Videos sind noch nicht einmal besonders einfallsreich: In einem ragen dem thailändischen König Bhumibol Adulyadej Frauenfüße ins Gesicht, in einem anderen sind ihm Eselsohren angemalt und dann ist sein Foto auf den Körper eines nackten Mannes montiert. Allerdings prangert ein Clip mithilfe der Königs-Karikatur die vermeintliche mangelnde Meinungsfreiheit im Land an. In einem anderen erklärt der Macher des Clips über den Würdenträger, er habe "von einem so extravaganten Schwulen mehr Toleranz erwartet" - Angriffe auf den König, die in Thailand der Blasphemie gleichkommen. Der 79-jährige König Bhumibol feierte im Juni vergangenen Jahres sein 60-jähriges Thronjubiläum, er ist der am längsten amtierende Monarch der Welt und allgegenwärtig in Thailand, wo an jeder Ecke ein übergroßes Banner mit seinem Abbild hängt.

Majestätsbeleidigung ist in Thailand so auch ein schweres Vergehen und wird mit aller Strenge geahndet: Ein in dem südostasiatischen Land lebender Schweizer wurde erst im März zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt, weil er im Vollrausch mehrere Porträts des Monarchen mit schwarzer Farbe besprüht hatte.

Auch gegen die respektlosen Videos auf YouTube wollte die Regierung mit aller Härte vorgehen – allerdings vergebens. Die Versuche, den Zugang zu der Videoportalseite zu blockieren, scheiterten: Über ausländische Server können Nutzer in Thailand weiter auf die Seite zugreifen.

Das Kommunikationsministerium erklärte empört, Google - das Mutterhaus von YouTube - habe jegliche Zusammenarbeit verweigert. Diesen Vorwurf wollte die Tochter des Suchmaschinengiganten nicht auf sich sitzen lassen. Deshalb hat YouTube der thailändischen Regierung jetzt Nachhilfe über das Sperren einzelner Videos angeboten.

Die Firma habe mit dem thailändischen Kommunikationsminister Sitthichai Pookaiyaudoom geredet, erklärte YouTube-Sprecherin Julie Supan der Nachrichtenagentur AFP. Dieser habe gesagt, dass die Techniker seines Ministeriums nicht wüssten, wie sie einzelne Videos blockieren könnten. Daher sei das Portal komplett gesperrt worden.

YouTube selbst könne nur Videos aus seinem Angebot nehmen, die gegen seine Firmenpolitik verstießen, erklärte die Sprecherin weiter. Es sei Sache der thailändischen Regierung zu entscheiden, ob bestimmte Videos gesperrt werden sollten. YouTube könne das zuständige thailändische Ministerium darüber aufklären, wie dies funktioniere. "Das ist uns lieber, als wenn das ganze Portal gesperrt wird."

Die Organisation Reporter ohne Grenzen warf Thailand vor, die Blockade habe keine ausreichende rechtliche Grundlage. Bei einer solch weitreichenden Entscheidung müsse ein Gericht eingeschaltet werden, erklärte die Organisation. Die Regierung in Bangkok gebe vor, nur pornografische Seiten und Beleidigungen des Königs im Internet zu verbieten, blockiere aber auch kritische Internetveröffentlichungen über den Staatsstreich im September.

ase/AP/AFP



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