Streit um Spam Fleischbrei-Eindoser will Markenrecht versilbern

Jahrelang bemühte sich Hormel Foods, Hersteller des berüchtigten "Spam"-Dosenfleisches, den negativen Image-Transfer von E-Mail-Werbemüll auf seinen Fleischbrei zu verhindern. Jetzt, da etliche Softwarefirmen mit Anti-"Spam"-Programmen Geld verdienen wollen, wittert Hormel Profit und pocht plötzlich auf seine Markenrechte.


Dosenfleisch: Spam gibt es auch als Spam Lite, Spam Oven Roast Turkey, Spam Smoke Flavored und Spam Less Sodium

Dosenfleisch: Spam gibt es auch als Spam Lite, Spam Oven Roast Turkey, Spam Smoke Flavored und Spam Less Sodium

Spam ist nicht gleich Spam, wie Kundige wissen. Das eine kommt als eingekochter Fleischbrei in der Dose daher, das andere würde man gern automatisch eindosen, ohne sich den Mist vorher ansehen zu müssen: "Spam" ist einerseits ein Markenzeichen, andererseits die saloppe Bezeichnung für elektronischen Werbemüll.

Hormel bemühte sich um Schadensbegrenzung, installierte eine Website zur Imagepflege und distanzierte sich laut und ausdrücklich vom Web-Werbemüll. SPAM, das Dosenfleisch, sei halt kein Spam - natürlich fürchtete der Fleischeindoser negative Imageeffekte.

Doch das war, bevor die Softwareindustrie begann, mit dem Begriff Spam Geld zu verdienen. Jetzt argumentieren Anwälte der Firma Hormel wieder mit der Verwechslungsgefahr und klagten gegen den Versuch der US-Firma SpamArrest, den Namen seiner gleichnamigen Software als Warenzeichen schützen zu lassen. Ein solches Trademark beinhalte die Gefahr, dass Kunden fälschlich davon ausgehen könnten, die Firma Hormel unterstütze mit ihrem Spam-Warenzeichen die Softwareprodukte der Firma SpamArrest.

Solche Argumentationen sind für normale Menschen zwar selten nachvollziehbar, unter Anwälten und vor Gericht aber beliebt und üblich.

Beobachter erwarten, dass der Hersteller von bisher sechs Milliarden Dosen Fleischbrei weitere Klagen gegen andere Softwarehersteller folgen lassen könnte. SpamArrest-Anwalt Derek Newman hofft, dass sich der Weichfleisch-Eindoser an dem Fall die Zähne ausbeißen möge: "Wir verteidigen den Namen unseres Unternehmens und unseres Produktes!"

Genau darauf könnte all das am Ende wohl hinauslaufen: Auf eine Einigung außerhalb der Schranken des Gerichtes, die lauter Sieger produzieren wird. Rund 33 Jahre nach der ersten missbräuchlichen Nutzung des Markennamens Spam könnte dessen Halter Hormel dann erstmals direkt finanziell davon profitieren, von Komikern durch den Kakao gezogen, von System-Administratoren zweckentfremdet und von der Werbemüll-Mafia diskreditiert worden zu sein.

Die überflutet weltweit die E-Mail-Postfächer bis zur Grenze der Nutzbarkeit. 500 Millionen eilige Nachrichten und Angebote über Penisverlängerungen, nigerianische Millionenüberweisungen, Universitätsdiplome und natürlich Viagra, Sex und Co sollen allein in Deutschland allwöchentlich die Mailgateways verstopfen.

Das ist einerseits schlimm, andererseits eine tolle Gelegenheit, lädierte Images zu polieren und dabei sogar noch Geld zu verdienen. Das haben nicht nur Freemailer und Web-Anbieter wie Web.de, GMX, AOL oder Yahoo entdeckt, sondern auch Softwarefirmen von Microsoft bis zu kleinsten Krautern, die mit diversen Anti-Spam-Kampagnen und

-Produkten auf den Markt drängen: Spam will zwar keiner haben, aber gerade deshalb ist die Silbe als Namensbestandteil umso begehrter.

Denn die Werbelawine zu stoppen ist ein echter Dienst am Kunde, der sein Geld wert ist. SpamBlocker, SpamKiller, SpamScreen, SpamInspector oder gleich mitfühlend iHateSpam heißen entsprechende Produkte, die den windigen Offerten an die Wäsche gehen. Gut ist das, wenn es funktioniert - und nur Hormel Foods mag sich nicht recht freuen.

Fleischbrei bleibt Fleischbrei

Der amerikanische Lebensmittelkonzern presst seit 1937 Fleisch in Dosen, das er gern als "Schinken" erkannt und geschätzt wüsste. Stattdessen kam das eingetragene Markenzeichen Spam am 15. Dezember 1970 unter die Räder: Das

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Datum markiert die Erstaustrahlung eines Monty-Python-Sketches, der Spam einerseits zur Lachnummer, andererseits zum Synonym für ein jede Kommunikation verhinderndes Informationsrauschen machte.

Zunächst wirkte selbst das noch werblich. Anfang der achtziger Jahre jedoch adoptierten Usenet-Nutzer den Begriff als Bezeichnung für unerwünschte Massenaussendungen - und machten Spam damit zur Bezeichnung für eine sich rasant ausbreitende digitale Pest.



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