Studie Kaum jemand bucht das Turbo-DSL

Höher, weiter und vor allem schneller: Auch die Internetanbieter steigern kontinuierlich die Leistung ihrer Leitungen. Die aktuell schnellste Zugangsvariante der Anbieter ist VDSL. Eine Studie zeigt jetzt: Kaum jemand will das High-Speed-Internet haben.

DSL-Anschluss: Die Standardgeschwindigkeit reicht derzeit den meisten Anwendern
dpa

DSL-Anschluss: Die Standardgeschwindigkeit reicht derzeit den meisten Anwendern


Mittelfristig werden VDSL-Anschlüsse in Deutschland kein Massenprodukt sein. Das behauptet eine Studie des Infas-Instituts auf Basis des Infas-Telekommunikationsmonitors. Nach Einschätzung der Marktforscher zählen nur gut fünf Prozent der Deutschen Haushalte zu möglichen Interessenten, wenn sich Angebote und Preise nicht verändern. Bislang hat nur ein Prozent der Bürger das Turbo-DSL gebucht.

Schuld daran sei der Mangel an passenden Anwendungen und Angeboten. Das schlichte Argument "mehr Bandbreite" greife bei den meisten Bürgern nicht, da die Leistung vorhandener DSL-Anschlüsse für Angebote wie Chats, soziale Netzwerke, Online-Einkaufe und Internet-Bankgeschäfte ausreiche. Ohne einen greifbaren Mehrwert seien die meisten Kunden nicht bereit, die höheren Kosten für einen VDSL-Anschluss zu tragen.

Lediglich knapp ein Zehntel der Surfer lade regelmäßig große Dateien aus dem Netz - alle anderen würden von einer größeren Bandbreite nicht profitieren. Die Aussagen leitet Infas aus einer telefonischen Befragung von bundesweit 1493 Personen ab.

VDSL ist eine Variante der verbreiteten DSL-Technik und kann mehr als dreimal so schnell Daten von Servern zum Nutzer ausliefern wie der schnellste Standard-DSL-Anschluss (VDSL bietet im sogenannten Downstream eine Übertragungsrate zu 50 Mbit/s, verglichen mit 16 Mbit/s). Vom Heimrechner ins Netz überträgt VDSL Daten auch erheblich schneller (bis zu 10 Mbit/s im Upstream) als Standard-DSL-Technik (1 Mbit/s).

Allerdings erreichen Nutzer diese Übertragungsraten nur, wenn die VDSL-Anbindung nicht allzuweit von der Vermittlungsstelle entfernt liegt. Deshalb wird die Technik nur in Ballungsgebieten eingesetzt.

Die angepriesene Verschmelzung von Internet und TV lockt laut der Infas-Studie kaum Kunden zum VDSL-Anschluss. Das Ausliefern von Fernsehprogrammen über die Internetleitung - sogenanntes IPTV, wie es etwa die Telekom unter dem Namen Entertain anbietet - habe laut Studie "keine eindeutigen Potentiale": Weder Blockbuster-Liebhaber noch Sportfans stellten eine ausreichend große Zielgruppe dar - zumal die VDSL-Anbieter hier Pay-TV-Konkurrenten wie Sky noch Marktanteile abjagen müssten.

Um VDSL erfolgreich zu etablieren, müssten es die Anbieter schaffen, die wahrgenommene Trennung von Internet und Fernsehen in der Bevölkerung zu überwinden, so die Schlussfolgerung der Studie. Bislang sei ein solch "allumfassendes Produkt" nicht gewünscht.

jmö

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.