Studie über Surf-Verhalten von Kindern Eltern sind oft ahnungslos

Was treiben Kinder eigentlich, wenn sie vor dem Computer hocken? Viele Eltern glauben, darüber bestens informiert zu sein. Einer aktuellen Studie zufolge ist das eine krasse Fehleinschätzung. Vor allem, wenn ihren Zöglingen Ungewöhnliches im Web passiert, werden sie oft nicht informiert.

Schüler an einem PC: Was treiben sie lieben Kleinen eigentlich im Internet?
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Schüler an einem PC: Was treiben sie lieben Kleinen eigentlich im Internet?


Hamburg - Kinder sind einer internationalen Studie (PDF) zufolge heute mit viel Selbstbewusstsein im Internet unterwegs. In Sachen Sicherheit hält sich die Hälfte der jungen Nutzer in Deutschland bei ihren Online-Touren sogar für vorsichtiger als ihre Eltern. Das ergab eine Studie mit fast 10.000 Befragten aus 14 Ländern, die das auf Sicherheitssoftware spezialisierte Unternehmen Symantec am Dienstag veröffentlichte.

So gaben etwa drei von vier Kindern an, dass sie allgemeine Sicherheitsregeln befolgen und zum Beispiel regelmäßig ihre Passworte ändern und Anti-Viren-Software benutzen. 20 Prozent der befragten Kinder halten ihre Eltern allerdings für vollkommen unbedarft, glauben, dass ihre Mütter und Väter nicht wissen, was sie im Netz treiben.

Die Eltern allerdings, halten sich für wesentlich besser informiert. Nur fünf Prozent von ihnen mochten die Einschätzung ihrer Kinder bestätigen. Stattdessen betrachteten sich vier von zehn Eltern als bestens über das Surf-Verhalten der Kinder informiert. In Nordamerika glauben sogar fast zwei Drittel der Eltern, die Online-Gewohnheiten ihrer Kinder unter Kontrolle zu haben. Eine deutliche Fehleinschätzung, so Symantec, die möglicherweise darauf beruht, dass die Eltern einfach nicht wissen, wie sie das Surfverhalten ihrer Kinder kontrollieren können. Wichtiges Detail zur Einordnung der Studie: Auftraggeber Symantec verkauft selbst Programme mit "Kindersicherung".

Eltern müssen das Internet verstehen

Bei genauen Nachfragen zeigte sich den Fachleuten eine weitere Facette der Eltern-Kind-Interaktion: Mehr als die Hälfte der Kinder hatte schon mindestens einmal negative Erfahrungen im Internet gemacht, wovon aber nur 34 Prozent der Eltern wussten. 32 Prozent der befragten Kinder wurden in einem sozialen Netzwerk bereits einmal von einer fremden Person aufgefordert, sie als Freund hinzuzufügen. 23 Prozent der Kinder geben an, sich schon einmal mit Fremden unterhalten zu haben. Doch das war nur 13 Prozent der Eltern bekannt.

Die Eltern seien eindeutig gefordert, die Rolle des Internets im Leben ihrer Kinder besser zu verstehen, folgern die Experten. Kinder fühlten sich verantwortlich für viele Dinge, an denen sie gar nicht schuld sind, sagte Marian Merritt, Sicherheitsexpertin bei Symantec.

Die Lieblingsbeschäftigung

Die Kinder nutzen das Netz der Studie zufolge h äufig sogar produktiv: So machen 71 Prozent ihre Hausarbeiten online. 67 Prozent unterhalten sich via Web mit Freunden und Bekannten. Nur 43 Prozent laden Musik oder Videos herunter. Die Online-Lieblingsbeschäftigung der lieben Kleinen ist aber dieselbe, die Kinder schon immer antreibt: Sie wollen spielen. Mehr als vier Fünftel der Befragten, exakt 83 Prozent, gaben an, im Internet Spiele zu spielen.

Die Software-Firma hatte den Familienreport im Februar bei dem Marktforschungsinstitut StrategyOne in Auftrag gegeben. Befragt wurden - unter anderem in Europa, den USA und China - 7066 Erwachsene sowie 2805 Kinder im Alter zwischen 8 und 17 Jahren, die mehr als eine Stunde pro Monat online waren. Wie viele Deutsche unter den Befragten waren, geht aus der Studie nicht hervor.

mak/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
fatherted98 15.06.2010
1. Typisch..
Zitat von sysopWas treiben Kinder eigentlich, wenn sie vor dem Computer hocken? Viele Eltern glauben darüber bestens informiert zu sein. Einer aktuellen Studie zufolge eine krasse Fehleinschätzung. Vor allem, wenn ihren Zöglingen ungewöhnliches im Web passiert, werden sie oft nicht informiert. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,700815,00.html
Typische Folge von PC im eigenen Zimmer. Lösung: Gibts nicht - fertig. Am PC wird nur gesurft wenn die Eltern im Raum sind und der PC ist im Wohnzimmer...ganz einfach (da werden sich die Sprößlinge hüten nackte Mädels/Männle oder irgendwelche Klingeltöne herunterzuladen). Wenn man sich da nicht durchsetzen kann hat man in seinen Job als Eltern versagt. Und wer das surfen mit: "mein Kind muss ja für den PC fit werden" begründet, hat wohl noch nicht begriffen das im Internet 90% Schrott steht und fast nichts der Bildung dient...ich empfehle einen Besuch der öffentlichen Bücherei (hoffentlich ohne online-Anbindung).
Monsterpudel 15.06.2010
2. Lösung gibts doch!
Kindersicherung - fertig. Serienmäßig in jedem Mac. Nur solange Eltern keine Lust haben, sich um einfachste Dinge, die ihrer Kinder beschäftigen, zu kümmern, ist es eben schlecht. Aber nicht nur am Computer. Und wer glaubt, ein Computer und das Internet müsse der Bildung dienen, selber aber bei SPON postet, beweist, dass er nichts verstanden hat.
snickerman 15.06.2010
3. Uhh...
Einige Kinder/Jugendliche haben schon mal im Netz "mit Fremden geredet", einige wurden von "Fremden" in social networks aufgefordert, sie als Freunde hinzuzufügen- booah, wie gefährlich... Mit solchen Andeutungen soll Angst gemacht werden, die Net-Kids wissen wahrscheinlich selbst am Besten, wie sie sich dann verhalten müssen. Bei Facebook z.B. habe ich hunderte "Freunde", die ich aber nur für einige dieser Online-Games ("Mafia Wars", "Kingdoms of Camelot") geaddet habe, jeglicher Kontakt dient nur spieltechnischen Zwecken. Aber heute steht wahrscheinlich alles unter dem Generalverdacht des "Grooming".
pulegon 15.06.2010
4. Wo soll man denn da nur anfangen?
Zitat von sysopWas treiben Kinder eigentlich, wenn sie vor dem Computer hocken? Viele Eltern glauben darüber bestens informiert zu sein. Einer aktuellen Studie zufolge eine krasse Fehleinschätzung. Vor allem, wenn ihren Zöglingen ungewöhnliches im Web passiert, werden sie oft nicht informiert. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,700815,00.html
Hauptkritikpunkt: eine Studie von Symantec? Komisch wenn eine Pharmastudie von einer Pharmafirma gesponsert wurde, dann heißt es immer gleich Betrug, Gekauft etc. Zumal Symantec ja auch Kindersicherungen (http://www.symantec.com/de/de/norton/products/parental-controls/index.jsp) im Paket hat. Am besten finde ich folgende Stelle in der Werbebroschüre, äh ich meine natürlich internationalen Studie: Ansonsten bleibt wohl nur zu sagen, was eigentlich klar sein sollte... das Internet ist kein Babysitter, aber das hat ja schon beim Fernsehen keinen Interessiert. Eindeutig ein großes Stück Qualitätsjournalismus. Ich frag mich ja immer, wieviel Schrott unter den Artikeln ist, deren Hintergründe man nicht so 1 zu 1 versteht.
DS17 15.06.2010
5. Schwachsinn
Zitat von fatherted98Typische Folge von PC im eigenen Zimmer. Lösung: Gibts nicht - fertig. Am PC wird nur gesurft wenn die Eltern im Raum sind und der PC ist im Wohnzimmer...ganz einfach (da werden sich die Sprößlinge hüten nackte Mädels/Männle oder irgendwelche Klingeltöne herunterzuladen). Wenn man sich da nicht durchsetzen kann hat man in seinen Job als Eltern versagt. Und wer das surfen mit: "mein Kind muss ja für den PC fit werden" begründet, hat wohl noch nicht begriffen das im Internet 90% Schrott steht und fast nichts der Bildung dient...ich empfehle einen Besuch der öffentlichen Bücherei (hoffentlich ohne online-Anbindung).
Hinter diesem Post sehe ich leider nicht den Hauch eines Verständnisses mit dem Thema Internet für Jugendliche und Kinder. Die Kinder, die heutzutage keinen eigenen PC haben, haben zum größten Teil mehr Nach- als Vorteile bei der eigenen Jobsuche im späteren Leben. Aber welches Kind hat denn heute schon keinen eigenen Computer mit Internetanschluss? In vielen Schulen wird sowas bereits vorausgesetzt - zurecht. Welche Studie besagt denn, dass das Internet aus 90% Schrott besteht? Könnten Sie mir bitteschön die Quelle dieser Statistik schicken bzw. hier schreiben? Man sieht immer wieder, dass es noch Leute gibt, die sich nicht mit solchen Themen befassen, alternativ handeln und meinen, dass die Technik nichts als ein Teufelszeug der heutigen Zeit ist. Dass mit einer solchen Handlung nichts als der pure Egoismus einer eigenen Ideologie hervorgeht, der das nicht vorhandene Wissen verbergen soll, ist nicht nur traurig, sondern auch ärgerlich, denn das Kind hat später einmal die Nachteile. Und wer behauptet, dass die Eltern ihren Job versagt hätten, nur weil sie nicht ständig bei den Kindern während des Surfens dabei sitzen, dem kann ich wohl auch nicht mehr helfen. Vielleicht hilft hier aber doch etwas und zwar das kleine Wörtchen: Privatsphäre. Wie dem auch sei; oben erwähnt gibt es genug (kostenlose) Programme, die die Kinder auch beschützen können - auch bei ihrem eigenen PC im eigenen Zimmer.
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