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StudiVZ-Boss Riecke: "Gott sei Dank dürfen wir bei Ermittlungsersuchen Daten jetzt herausgeben"

2. Teil: Wie viele Mitarbeiter überwachen die Inhalte auf StudiVZ? Gibt es Filter-Programme? Was tut StudiVZ gegen erwachsene Mitglieder im Minderjährigen-Netzwerk SchülerVZ?

Riecke: Wir bekommen täglich Anfragen von Behörden, die kenne ich nicht im Detail.

SPIEGEL ONLINE: Wie viele Anfragen sind das?

Riecke: Gut zehn in der Woche.

SPIEGEL ONLINE: Worum geht es da?

Riecke: Am häufigsten Jugendschutz, Beleidigung, Volksverhetzung, Verletzungen von Persönlichkeitsrecht zum Beispiel durch Fake-Profile.

SPIEGEL ONLINE: Wie viele Fake-Profile gibt es?

Riecke: Wir haben insgesamt rund acht Millionen Profile auf allen Plattformen. Bei uns ist es sinnlos, sich mit einer falschen Identität anzumelden. Unsere Plattformen eigenen sich nur dafür, echte soziale Netzwerke effizient zu managen. Mit einer falschen Identität kann ich das nicht. Wie soll mich da jemand finden? Doppelte oder falsche Profile gibt es kaum.

SPIEGEL ONLINE: Woher wissen Sie das?

Riecke: Wir haben unsere Nutzer befragt, wie hoch sie denn den Anteil von Fake-Profilen schätzen. Ergebnis: 4,8 Prozent. So etwa wird es auch sein, die Nutzer wissen sehr viel besser als wir, was auf der Plattform los ist.

SPIEGEL ONLINE: Wie viele StudiVZ-Mitarbeiter überwachen denn die Plattform?

Riecke: Wir haben 70 Werkstudenten im Support, die Hälfte überprüft Hinweise aus der Community.

SPIEGEL ONLINE: Lassen sie nicht Text- und Bildscanner über das Angebot laufen?

Riecke: Ja, aber die sind zu unzuverlässig. Es gibt aktuell leiden keine technisch ausgereiften Lösungen. Allein auf Basis dieser Treffer können wir nicht handeln. Wir filtern nicht automatisch Dateien, die hochgeladen werden. Wir machen, wozu wir gesetzlich verpflichtet sind: Bei nachgewiesenem Kenntnisstand müssen wir innerhalb der Frist des Telemediengesetzes reagieren. Das tun wir.

SPIEGEL ONLINE: Bevor das Sodomie-Foto von SchülerVZ verschwindet, hat es also mindestens ein Mitglied gesehen?

Riecke: Das muss nicht so sein. Aber mutmaßlich ja, das kann passieren.

SPIEGEL ONLINE: Wie viele der SchülerVZ-Mitglieder sind denn Erwachsene?

Riecke: Eigentlich keine.

SPIEGEL ONLINE: Wir kennen zwei.

Riecke: Ja, klar, man kann sich anmelden und die AGB verletzten. Es gibt derzeit kein Altersverifzierungssystem für Jugendliche unter 16. Das können wir auch nicht allein aufbauen. Da müssen sich die Ministerien, Behörden und großen Unternehmen auf dem Feld zusammensetzen. Da gibt es auch zwischen den verschiedenen staatlichen Stellen zu wenig Koordination. Warum müssen wir etwa die AGB ändern, um Ermittlern die verlangten Auskünfte geben zu können?

SPIEGEL ONLINE: Und auch, um personalisierte Werbung verkaufen zu können. Wer bucht die?

Riecke: Wir haben gerade mal die erste Testphase abgeschlossen. Die Zustimmungsaktion wird erst im April abgeschlossen sein. Derzeit haben wir Markenartikler, wir hatten Filmverleiher, die für Vorpremieren in bestimmten Städten geworben haben.

SPIEGEL ONLINE: Buchen die Pizzerien um die Ecke schon Banner für Studenten in ihrer Stadt?

Riecke: Das Geschäft mit den kleinen, regionalen Unternehmen läuft noch nicht über die großen Vermarkter. Wenn die Pizzeria um die Ecke da anruft, passiert derzeit nicht viel. Da brauchen wir ein anderes System.

SPIEGEL ONLINE: Werbekunden können derzeit nach Alter, Geschlecht, Wohnort und Studienrichtung sortieren. Was kommt als nächstes?

Riecke: Da haben wir keine konkreten Pläne. Diese vier Kriterien sind den Werbekunden am wichtigsten. Wir müssen das erst sauber umsetzen, die Reaktionen prüfen. Nichts wäre schlimmer als Beschwerden der Nutzer, dass sie nun irrelevante Werbung bekommen. Laut unseren Umfragen akzeptiert die Mehrheit der Nutzer personalisierte Werbung eher als irrelevante. Die wird als Spam wahrgenommen.

SPIEGEL ONLINE: Sie meinen, personalisierte Werbung ist also auch ein Service für ihre Mitglieder?

Riecke: Die Marktforschung zeigt klar, dass personalisierte Werbung besser akzeptiert wird. Deshalb wollen wir auch die zehn Prozent unserer Nutzer, die noch nicht zugestimmt haben, davon überzeugen. Es geht uns hier nicht um das Werbegeld. Ich denke, wir werden die Nutzer eher verlieren, wenn sie sich über irrelevante Werbung ärgern.

Interview: Konrad Lischka und Christian Stöcker

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Forum - Personalisierte Werbung - schnüffeln pur oder gute Geldquelle?
insgesamt 143 Beiträge
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1.
DJ Doena 14.12.2007
Typisch: Alles für umme haben wollen, dann aber nicht mal die Werbung schlucken wollen.
2.
petenicker 14.12.2007
Hat irgendjemand ernsthaft daran geglaubt, Holtzbrinck hätte StudiVZ aus Jux und Dollerei gekauft?! Aber ich mache mir wenig Sorgen, die deutschen StudiVZ-Nutzer werden das im Gegensatz zu ihren Facebook-Kollegen schlucken.
3. Wozu denn auch verstecken?
maurison07 14.12.2007
Die Panik vor dem Missbrauch von persönlichen Daten ist sehr künstlich. Wir wollen alle alles im netz finden und mir sind personalisierte = auf mich zugeschnittene Spam-mails genau so egal wie unpersonalisierte, die lande sowieso alle im Filter. Die Sache ist doch die, dass der Wert, den die Communities schaffen z.Bsp. für mich höher ist, als mein Aufwand. Bei XING (www.xing.com) zahle ich für die Dienste, die mir auch nützen, bei Communities die ohne Beiträge laufen, ist Werbung doch ein gutes Refinanzierungsinstrument. Und neben kaioo, das als beta irgendwie immer noch schleppend läuft, gibt es auch schon communities, die Werbegeld wieder an user ausschütten (www.dshini.net) und laufen.
4. Lösung: Adblock Plus benutzen
chili_con_carne 14.12.2007
Da hilft nur der konsequente Einsatz von Werbeblockern. Für den Firefox gibt es die Erweiterung "Adblock Plus", damit ist werbung schnee von gestern.
5. Studi VZ hat Protestierer rausgeschmissen
Winston Smith, 14.12.2007
"Doch bislang sind die Proteste ausgeblieben - obwohl StudiVZ sein Vorhaben schon vor Monaten angekündigt hat." Hallo Spiegel Online. Meines Wissens nach hat Studi VZ einer Gruppe, die sich gegen die komerzielle Erfassung ihres Privatlebens und den Missbrauch ihrer Daten wehren wollte, die Mitgliedschaft gekündigt. Die Kündigungen erfolgten dabei sehr geschickt über einen Zeitraum von mehreren Wochen verteilt, so dass die Gruppe nicht insgesamt angegriffen wurde. Außerdem ist es seit ein paar Monaten verboten, ein Foto einzustellen, auf dem das Gesicht des Nutzers nicht vernünftig zu erkennen ist (!). Auch wenn jemand sich nicht mit seinem richtigen Namen anmeldet, sondern nur mit Spitznamen oder Spaßadressen (Malediven, Hawaii etc.) angezeigt wird, droht der Rausschmiss. Da könnte es sich lohnen, sich mal umzuhören. Werbung meinetwegen, aber diese Totalerfassung geht zu weit! Vor allem kann jeder Terrorist oder finstere Lobbyist/Politiker auch bei den Adresshändlern (oder besser: privaten Geheimdiensten) einkaufen.
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